Hindernisse überwinden: zwei Bloggerinnen

 Leanne Hunt und Alexandra Künzler haben etwas gemeinsam, obwohl sie auf verschiedenen Kontinenten leben und in verschiedenen Sprachen bloggen.

Beide Frauen haben das, was man als Beeinträchtigung umschreibt und was ihnen das Leben in vielen Bereichen erschwert. Leanne Hunt lebt in Südafrika und schreibt auf Englisch, während Alexandra Künzler in der Schweiz zuhause ist und auf Deutsch schreibt. Leanne Hunt ist seit ihrer Teenagerzeit blind, Alexandra Künzler ist Legasthenikerin.

Als Gastbeitrag auf Joel Friedlanders Thebookdesigner beschreibt Leanne Hunt sehr anschaulich (und in leicht lesbarem Englisch), wie sie trotz ihrer Blindheit dazu kam zu bloggen. Sie hat nach eigener Aussage den Weg von technologischer Ahnunglosigkeit zu Expertise auf ihrem Spezialgebiet Software für Blinde innerhalb eines dreiviertel Jahres zurückgelegt. Jeder Schritt auf diesem Weg erschien ihr als Befreiung:

 Having enjoyed the sense of empowerment that being on Twitter afforded me, I moved quickly onto Facebook and contacted a string of friends whom I hadn’t seen in years.
 

Als Blinde erlebte Leanne Hunt das Internet als einen Ort der Möglichkeiten und ihre Hindernisse als Tor in ein Spezialgebiet:

However, I quickly learnt that the challenges I faced gave me a particular view on the internet which others found intriguing (…)
 
From knowing absolutely nothing about computer jargon, I can now hold a fairly intelligent conversation with a technician or developer about the compatibility of a site to screen reading software or the features required in web design to aid blind navigation.
 

Alexandra Künzler hasste wegen ihrer Legasthenie als Kind das Lesen, wurde von ihrer Mutter jedoch immer wieder ermuntert, bis sie schließlich sogar die Liebe zum Buch entdeckte. Als Erwachsene kämpft sie weiter mit ihrer Einschränkung, insbesondere beim Schreiben. Als Bloggerin hat sie sich anfangs nicht zu ihrer Legasthenie bekannt, aufgrund mancher Beschwerde wegen der vielen Schreibfehler fühlte sie sich schließlich dazu gedrängt:

Aber ich werde das nie wirklich los, bedeutet für mich das ich mehr Kraft und
Ausdauer zum lesen aufwenden muss als andere und vor allem kostet es mich auch
mehr Überwindung öffentlich zu schreiben, denn ich weiss das ich mit meinen
Schreibfehlern die ein oder anderen nerve, sich manche vielleicht sogar
beleidigt fühlen, wrum auch immer. Es heisst aber eben auch das ich mich sonst
noch etwas mehr exponiere, was auch schon zur folge hatte das ich manch sehr
nette“ Mails bekommen habe, die mich dann vor kurzem dazu gebracht haben
einen Artikel
zu schreiben und mich öffentlich als Legasthenikerin zu outen.
 

Alexandra Künzler ermuntert andere, sich trotz aller Hindernisse nicht die Freude am Lesen nehmen zu lassen, auch wenn es schwerfällt zu lesen.

Sie steht zu ihrer Einschränkung und ist stolz auf das, was sie für sich erreicht hat:

Ich steh dazu das ich eine Lese-Rechtschreibschwäche habe, und wem ich zu viele
Fehler auf meinem Blog produziere, der darf gerne dieses meiden und auf einem
anderen verweilen. Ich bin stolz das ich trotz dieses Problem die Freude am
Lesen gefunden und behalten konnte und ich mich dennoch traue öffentlich über
meine Leidenschaft zu schreiben.

Diese beiden Frauen, Leanne Hunt und Alexandra Künzler, stehen exemplarisch für die Möglichkeiten, die das Internet allen Menschen eröffnet. Ihre Blogs zeigen vor allem, dass es sich lohnt, ein Wagnis einzugehen. Jeder ist berechtigt, seine Stimme zu erheben, unabhängig von den Voraussetzungen und Hindernissen. Wie Alexandra Künzler schreibt:

Und ich glaube das sollte weder mich, noch andere davon abhalten über Bücher zu
lesen, darüber zu reden noch zu schreiben!! Oder kann jeder Musik machen oder
Singen der meint darüber schreiben oder diskutieren zu müssen? Ich glaube nicht.

Dem ist meines Erachtens nichts hinzuzufügen – außer einigen Fragen:

Mussten Sie (vermeintliche) Hindernisse überwinden, als Sie sich zum Bloggen entschieden? Wie empfanden Sie den Schritt an eine so weite Öffentlichkeit?

Thematisieren Sie Ihre Hindernisse oder meinen Sie, dies sei nicht notwendig?

 

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