Innere Hemmnisse: Was Autoren vom Schreiben abhält

 Ein weißes Blatt Papier kann so leer erscheinen. Die unbeschriebene Fläche des Textverarbeitungsprogramms vermittelt das Gefühl, jeder einzelne Gedanke werde aus dem Hirn gesaugt. Am Ende ist alles weiße Leere.

Man muss sie füllen. Man weiß nicht wie.

Schreiben ist ein schöpferischer Prozess. Schreiben ist Geburt und Kampf. Wie aus dem Nichts schafft die Autorin Gebilde aus Wörtern und bannt sie auf die weiße Fläche. Doch oftmals ist dieser Fluss gestört. Etwas hindert das Fließen der Worte, und dieses Etwas lauert in jedem Arbeitsschritt und jeder Entwicklungsstufe des Autors: am Anfang, während des Schreibens, beim Überarbeiten, zu Karrierebeginn, inmitten von Routine.

Plötzlich geht nichts mehr.

Manche kokettieren mit dem Wort Schreibblockade. Andere fürchten das Wort wie den Zustand selbst.

Doch die Auswirkungen auf den Autor sind stets verwirrend, beängstigend und manchmal … tröstlich.

Eine Schreibblockade ist ein perfekter Grund, nicht zu schreiben.

Aber was hält Menschen davon ab, ihre Gedanken und Ideen in Worte zu fassen und diese schriftlich festzuhalten?

Anders herum gefragt:

Warum schreiben Menschen Geschichten?

Ein Grund für das Schreiben ist Kommunikation. Wer Geschichten erfindet, möchte sich ausdrücken und über die eigenen Worte in Kontakt mit anderen Menschen treten. Unglücklicherweise ist das eines der Tore, durch die laut Janna Malamud Smith die Angst einfällt. In ihrem Buch An Absorbing Errand (leider nicht auf Deutsch erhältlich) beschreibt die Psychotherapeutin anhand von Beispielen bekannter Künstler aus verschiedenen Metiers, woher schreibhemmende Ängste rühren können, wie sich die Ängste auswirken und wie ihnen begegnet werden kann.

1. Angst vor Sichtbarkeit

Wer schreibt, möchte sich zumeist ausdrücken und anderen Menschen seine Gedanken und Ideen mitteilen. Dies mag nicht der wichtigste Grund sein, betrifft aber wenigstens einen Teil der Motivation. Aufmerksamkeit erwecken kann jedoch bedeuten, sich neben freundlich gestimmten Menschen den Raubtieren zu offenbaren. Unsere früheren Fressfeinde wie Säbelzahntiger jagen uns nicht mehr, aber die Kritik mancher Zeitgenossen kann schwer verletzen.

Diese Angst kann unbewusst wirken, wenn uns innere Stimmen einzureden versuchen, dieses unfertige Geschmiere sei es nimmermehr wert, von anderen Menschen gelesen zu werden. Die innere Stimme kann uns vorwerfen, unsere Texte seien illoyal gegen unsere Familie, Freunde, gegen eine Bezugsgruppe wie Verein, Partei, Kirche, Staat, die Texte seien Ausdruck von Undank, Sünde oder Unfähigkeit, sie seien krank, gefährlich oder nutzlos.

Janna Malamud Smith rät, bei einer Schreibblockade klar zu fragen: Habe ich Angst? Wovor habe ich Angst?

Nur Ängste, derer ein Autor sich bewusst ist, kann er angehen und so seine Schreibhemmung überwinden.

2. Angst vor Scham

Viele Autoren fürchten, ihre Werke werden auf Unverständnis stoßen und lächerlich gemacht werden. Der nagende Zweifel an den eigenen Fähigkeiten lässt sie vermuten, das Gelächter werde sich auch gegen ihre Person richten, sie müssten Spott und Häme ertragen.

Scham war lange Zeit ein Mittel, ein Verhalten, das den Bestand einer Gemeinschaft gefährden konnte, zu unterdrücken oder zu strafen. Als Mittel der Ausgrenzung und der Disziplinierung wird Scham nach wie vor eingesetzt, auch um den eigenen Status zu erhöhen, indem man andere erniedrigt..

Janna Malamud Smith rät, Gleichgesinnte zu suchen, die sich regelmäßig treffen und die kreative Arbeit der anderen wertschätzen.

3. Angst vor Einsamkeit

Wer schreibt, zieht sich zwangsläufig von der Umwelt zurück, um in Ruhe und mit Konzentration arbeiten zu können. Dieser Rückzug des Künstlers ist oft romantisch überhöht worden, so dass viele Autorinnen es beinahe als Verpflichtung ansehen, abgeschottet zu arbeiten. Das Alleinsein mit sich und den eigenen Gedanken fällt nicht jedem leicht. Manche leiden darunter, fühlen sich isoliert und einsam.

Janna Malamud Smith rät zu überlegen, wie viel Einsamkeit man wirklich für sein Schreiben benötigt. Manche Menschen können sich mitten im Trubel in sich zurückziehen. Sie bevorzugen vielleicht ein Café oder einen öffentlichen Park als Arbeitsort. Andere suchen nach intensiven Arbeitsphasen den Kontakt zu ihren Mitmenschen, während wieder andere tatsächlich für einige Zeit gänzlich abgeschieden sein wollen.

 

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