Wie man Wissen erwirbt – Warum Wissen für Autoren wichtig ist

 Am 22. April 2013 schrieb Maria Popova auf Brainpickings über ein Buch von James T. ManganYou can Do Anything„. Dieses 1936 erschienene Buch kann wohl zur Kategorie der Selbsthilfe-Ratgeber „Reich in 100 Stunden“ gezählt werden. Der Reiz solcher Bücher damals wie heute ist jedoch, dass sie auf Einsichten basieren, die als selbstverständlich gesehen werden könnten, neigten wir Menschen nicht so sehr zum Vergessen.

Die Ratschläge von Herrn James T. Mangan und ihre Aufbereitung durch Maria Popova laden zu der Frage ein, wie Autoren Wissen erwerben können und weshalb sie es ihr ganzes schöpferisches Leben lang tun sollten.

1. Üben, üben

Am Beispiel des Gehenlernens zeigt Mangan die Bedeutung von Übung auf.  Üben spielt auch in der Pädagogik von Maria Montessori eine bedeutende Rolle. Um einen Bewegungsablauf oder eine Aufgabe zu beherrschen, ist es notwendig sie oft zu wiederholen. Für Autoren bedeutet dies beispielsweise, dass sie mit einem erreichten Stand nie zufrieden sein dürfen. So wie jeder Text weiter und weiter verbessert werden könnte, also nie „zu Ende“ geschrieben ist, so können die Fähigkeiten des Beschreibens, der Wortwahl, des Aufbaus nur durch weiteres Schreiben vervollkommnet werden.

2. Fragen fragen

In der frühen Kindheit löchern wir  Erwachsene mit Fragen, und hören oft genug, dass wir nicht so neugierig sein sollen. Das Lied der Sesamstraße erinnert uns daran, niemals mit dem Fragen aufzuhören: „Wer nicht fragt, bleibt dumm„. Auch als Erwachsene stoßen wir auf Unbekanntes, das wir uns mittels Fragen erschließen müssen. Alle unsere Informationen über Agenten, Verlage und Self-Publishing sammeln wir auch durch Fragen.

3. Verlangen

Der innige Wunsch zu lernen treibt uns an. „Ich hätte Lust ein Buch zu schreiben“ ist leicht gesagt.  Der Wunsch, sich selbst und ihre Fragen an die Welt auszudrücken, treibt Menschen dazu, Geschichten zu entwerfen und niederzuschreiben.

4. Tief in dir

Wir wissen so viel, doch dieses Wissen können wir nur nutzen, wenn es uns bewusst ist. Darum sollten wir ständig neue Wege suchen, verschüttetes Wissen, in uns, in unserer Familie, in unserer Gesellschaft hervorzuholen.

5. Von allen Seiten

Wenn wir auf ein neues, interessantes Objekt stoßen, gehen wir oft darum herum. Wir umkreisen den neuen Springbrunnen auf dem Marktplatz, die alte Kirche, das Unfallauto. Dabei sind unsere Sinne empfänglich für neue Informationen: Wie sieht es aus? Wie riecht es? Wie fühlt es sich an? Der Autor in uns überlegt sofort: Wie beschreibe ich es?

Wenn wir das Neue umkreisen, suchen wir neue Informationen. Wenn wir das Bekannte umkreisen, suchen wir neue Sichtweisen. Diese können unser Verständnis für das Bekannte ändern. Die Aussicht mag ängstigen, doch nur neue Einsichten bringen erweitertes Verständnis und neue Anregungen.

6. Experimente

Niemand kann glücklich in der Vergangenheit leben.  Wenn wir auf eine neue Idee stoßen, die uns reizt, sollten wir sie ausprobieren. Wenn es funktioniert, wunderbar, erzählen wir anderen davon. Wenn es in einem Desaster endet, können wir immer noch ein Buch darüber schreiben und unsere Erfahrungen durchdenken und weitergeben.

7. Weitergeben

Lassen wir andere an unserem Wissen teilhaben, dann geben sie uns die Chance, von ihnen zu lernen. Das erfordert Offenheit und die Bereitschaft, alte Weltbilder den neuen Informationen anzupassen. Es erfordert auch Respekt vor dem Wissen anderer, die es aus anderen Quellen und auf anderen Wegen erworben haben.

8. Kritisch lesen

Lesen ist nur eine Methode zu lernen und typisches Instrument schulischen Lernens. Dort heißt es auch, wir sollten kritisch lesen. Wer Texte nicht einfach konsumiert, sondern sie untersucht und hinterfragt, erfährt viel mehr über den Autor und seine Motive, seine Technik des Berichtens und Verschleierns. Autoren sollten immer kritisch lesen, nicht nur inhaltlich sondern auch mit einem Blick auf die Struktur von Texten.

9. Aufschreiben

Für Autoren sollte dies nachvollziehbar sein. Was ich aufschreibe, erkläre ich mir selbst. Entwerfe ich eine unbekannte Welt, gebe ich ihr niedergeschrieben Form. Ich muss jedoch auch zu meinem Geschriebenen stehen, denn es sind meine Gedanken und meine Worte, es ist Ausdruck eines Teils von mir. Diese Erkenntnis bereitet manchmal Angst.

10. Zuhören

Gelegenheit zum Hören finden wir überall. Im Radio, in der Kirche, in der Versammlung der Bürgerinitiative, im Bus, in der Schlange vor der Kasse. Das Gehörte zu analysieren, kritisch zu untersuchen und in unser Weltbild einzuordnen sollte selbstverständlich sein.

11. Beobachten

Die Welt ist wie ein Film vor uns, bewegen wir uns mit offenen Augen durch die Straßen oder  bleiben kurz am Fenster stehen. Eindrücke sind überall. Lassen wir sie auf uns wirken. So gewinnen wir neue Informationen und neue Ideen auf dem Weg zur Straßenbahn.

12. Ordnung halten

Es ist schwierig, aus den Stichpunkten eines anderen eine Zusammenfassung zu schreiben, denn jeder von uns hat ein eigenes Ordnungssystem im Kopf. Damit unser Wissen  nach Möglichkeit nicht wie in Punkt 4 im Unbewussten versinkt, sollten wir uns auch unseres inneren Ordnungssystems bewusst werden und neue Informationen entsprechend ablegen. Nur so können wir sie zu einem späteren Zeitpunkt wiederfinden und in unseren Geschichten verwenden.

13. Klassifizieren

Für unser inneres Ordnungssystem benötigen wir Überschriften. Wir müssen neue Erfahrungen klassifizieren, tun es auch, aber leider meistens unbewusst.

14. Sich des Verstandes bedienen

Alle Informationen in unserem Gehirn nützen uns nichts, wenn wir sie nicht zueinander in Beziehung setzen, bewerten und erweitern. Wir sind mehr als Karteikästen auf zwei Beinen. Die gespeicherten Informationen können uns nur weiterbringen, wenn wir sie sozusagen in die Hand nehmen und nutzbar machen. Das erfordert das Zusammenspiel aller 14 Punkte. Nur durch dieses Zusammenspiel lernen wir, und nur so können wir schreiben.

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