Fortsetzungsroman: Charles Dickens als Vorbild?

 Im neunzehnten Jahrhundert veröffentlichten viele Autoren ihre Bücher als Fortsetzungsroman. Die Gründe dafür waren unterschiedlich, ebenso die Konzepte. Einige Autoren hatten ein vollständiges Manuskript vorliegen, andere schrieben sich von Folge zu Folge.

Die Veröffentlichung umfangreicher Romane in Appetithappen sollte Leser auf das Werk aufmerksam machen. In regelmäßigen Abständen konnte man über eine neue Folge berichten. Wer noch nichts von dem Roman oder dem Autor gehört hatte, konnte sich für wenig Geld einen Eindruck verschaffen. Da die Folgen an besonders spannenden Stellen endeten, gab es einen Anreiz, die nächste Folge zu kaufen. Fand man den Roman langweilig, brauchte man sich nicht über eine hohe Ausgabe zu ärgern.

Einige Romane von Charles Dickens, etwa Die Pickwickier, fanden anfangs bei ihrer Veröffentlichung als Fortsetzungsroman nur wenig Anklang, eroberten sich jedoch mit jeder Fortsetzung neue Leser.

Autoren hatten mit Fortsetzungsromanen Gelegenheit, auf Anregungen aus der Leserschaft zu reagieren, beliebte Charaktere zu unterstützen, unbeliebten Charakteren das Leben noch etwas schwerer zu machen. Auch die Konstellation von Liebespaaren konnten sie ändern, wenn die Leser meinten, die Heldin verdiene einen besseren Ehemann.

Der Roman Vanity Fair von William Makepiece Thackeray ist beispielhaft für Probleme, die Veröffentlichungen über einen langen Zeitraum mit sich brachten. Damals lagen Manuskripte nur handschriftlich vor. Es war schwierig genug, Änderungen vorzunehmen, wenn diese Auswirkungen auf andere Textteile hatten. Eine einzelne Information zu überprüfen, war äußerst mühsam. Deshalb kam es gelegentlich zu Fehlern, etwa wenn der Autor in Kapitel sechzig vergessen hatte, wie ein Charakter aus Kapitel fünfzehn hieß, in welcher Stadt sich ein Ereignis in Kapitel drei ereignete, oder welche Haarfarbe die Kusine der Heldin in Kapitel elf hatte.

Wer heutzutage einen Roman schreibt, kann solchen Fehler mithilfe des Textverarbeitungsprogramms vorbeugen.

Die Idee des Fortsetzungsromans wird von Autoren im Self-Publishing erneut aufgegriffen. So erschien Anfang 2014 eine deutsche Übersetzung von Twelve Years A Slave von einem unabhängigen Verlag in drei Teilen und einer Gesamtausgabe herausgebracht.

Ich überlege derzeit, ob ich einen meiner Romane auch als Fortsetzungsroman herausbringen sollte. Das umfangreiche Werk mit dem Titel Geschrieben in Wasser bietet sich für diese Veröffentlichungsform an. Ich werde in diesem Blog bekanntgeben, wie ich mich entschieden habe.

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