Pentecost – Interview mit Autorin Joanna Penn, Teil 2 (und zwei Bücher zu verschenken)

(c) Derek Murphy, Ceativeindie

J.F.Penn ist eine New York Times- und USA Today-Bestseller Thriller-Autorin. Ihre Bücher Pentecost, ein ARKANE Thriller und Desecration-Verletzung (von Ullstein Midnight) sind jetzt auf Deutsch erhältlich. Sie können in diesem Blog ein Exemplar von Pentecost gewinnen.

(Lesen Sie hier das Interview auf Englisch)

Seit einiger Zeit verwendest du auf den Covern deiner Thriller nur noch deine Initialen. Warum?

Mit meinen Büchern habe ich zwei verschiedene Marken, daher machen zwei verschiedene Namen Sinn. Ich schreibe Sachbücher, mit denen ich Autoren ermutigen möchte. Diese Bücher erscheinen unter Joanna Penn. Unter diesem Namen halte ich auch Vorträge. Meine dunklere Seite kommt in den Thrillern unter dem Namen J.F.Penn zur Geltung. Carl Jung sagt, man solle den Schatten annehmen, um eine vollständige Persönlichkeit zu werden. Ich bin der Ansicht, diese beiden Seiten, Sachbuchautorin und Thrillerautorin, erlauben mir genau das.

Meinst du, dass es für manche Leser problematisch ist, wenn eine Frau über Brutalität und gewaltsamen Tod schreibt?

Statistiken über Krimis und Thriller zeigen, dass sowieso meistens Frauen diese Bücher lesen. Außerdem bin ich überzeugt, dass Frauen ebenso zu Gewalt fähig sind wie Männer. Wir Frauen drücken Gewalt anders aus. Ich bin für Chancengleichheit, aber um ehrlich zu sein, töten in meinen Büchern hauptsächlich Frauen – Männer übernehmen das Sterben …

Meinst du, dass es männliche und weibliche Genres gibt?

Das Aufkommen der E-Books hat gezeigt, dass die Menschen quer über alle Genres lesen. Sie brauchen es nicht mehr öffentlich zuzugeben, weil es keine sichtbaren Cover gibt! Ich kenne viele Männer, die viel romantischer sind als ich es bin, und viele Frauen verschlingen Krimis und Thriller. Die ARKANE-Bücher sind im Genre Action/Abenteuer angesiedelt, eine traditionelle Männerdomäne. Das finde ich super. Ich bin sicher, wir werden im Zuge der digitalen Revolution weitere Misch-Genres entdecken.

Was für Bücher liest du selbst gerne?

Ich lese über ein breites Spektrum. Buchempfehlungen finde ich über Twitter (Da bin ich sehr aktiv als  @thecreativepenn), außerdem über  Podcasts und Goodreads. Ich mag Thriller, besonders solche mit einem weltweiten Setting, und ich fresse geradezu alles mit einem religiösen oder übernatürlichen Thema. Im Grunde schreibe ich genau das, was ich gerne lese! Ich lese auch Literatur, ein wenig Science Fiction und Dark Fantasy. Ich lese sehr viele Bücher über Geschäfts- und Unternehmensführung, außerdem Reisebücher und Psychologie. Zu meinen aktuellen Lieblingsbüchern gehören ‚ Sharp Objects,‘ (Cry Baby – scharfe Schnitte) von Gillian Flynn und ‚I am Pilgrim,‘ (Faceless – Der Tod hat kein Gesicht) von Terry Hayes.

Welche Autoren haben dich beeinflusst?

Mein Vorbild ist Steven King, wegen seiner Langlebigkeit, die Art und Weise wie er Leser befriedigt und die Art und Weise wie er das Übernatürliche in so vielen verschiedenen Genres in seine Handlung einarbeitet.  ‚The Stand‘ (Das letzte Gefecht) ist eines meiner Lieblingsbücher und ich mochte  ‚Doctor Sleep‘ (Doctor Sleep). Für die ARKANE-Serie haben mich die Sigma-Bücher von  James Rollins beeinflusst, und auch Daniel Silvas Gabriel Allon-Serie. Desecration ist mehr von John Connollys Charlie Parker-Serie beeinflusst.

In Großbritannien und den USA bist eine gefeierte Self-Publishing-Autorin (Indie-Autorin). Hat sich die Wahrnehmung von Self-Publishing und Indie-Autoren in den letzten Jahren geändert?

Ja, eindeutig. Ich glaube auch, dass diese Veränderung auch in Deutschland beginnt. 2009 markiert den Beginn einer kulturellen Bewegung, als US-amerikanische Autoren erfolgreich durch Amazon und andere Händler selbst veröffentlichten. Für britische Autoren war, glaube ich, 2013 das Jahr, in die Publishing-Branche Indie-Autoren ernstzunehmen begann. Ich halte inzwischen Vorträge auf verschiedenen Veranstaltungen der traditionellen Verlags-Brache. Die Ablehnung legt sich allmählich und wird zu Interesse. Leser bemerken es offen gesagt nicht, weil die wenigsten auf den Verlag achten, wenn sie ein Buch kaufen. Ernsthafte Indie-Autoren, die davon leben wollen, konzentrieren sich darauf, ein gutes Buch zu schreiben, durchlaufen den Lektorats- und Produktionsprozess und bedienen Kunden, die gute Bücher zu einem günstigen Preis wollen. Ich finde es toll, dass ich davon leben kann!

Der Markt für englischsprachige Bücher ist viel größer als der Markt für deutsche Bücher. Was hat dich veranlasst, deine Bücher übersetzen zu lassen?

Die Deutschen lesen viel und mögen Krimis und Thriller. Außerdem habe ich deutsche Freunde. Ich wollte, dass sie meine Bücher lesen können. Außerdem bin ich Unternehmerin, und es ist eine großartige Gelegenheit für Autoren, die internationalen wie die englischen Rechte auszunutzen. Hinzu kommt, dass ich 2013 in Berlin einen Vortrag gehalten habe. Ich habe die Zeit dort so sehr genossen, dass ich eine Ausrede brauchte, wiederzukommen und mehr Zeit in Deutschland zu verbringen! Dieses Jahr werde ich auf der Frankfurter Buchmesse als Ullstein Midnight-Autorin sein und außerdem am Stand von Kobo.

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Wie organisierst du deinen Schreibprozess? Woher kommen deine Ideen, wie recherchierst du und wie entstehen aus deinen Ideen eine Handlung und dann ein Text?

Was Organisation angeht, empfehle ich Scrivener als das beste Tool für Autoren. Die Software erlaubt es dir, ohne Ablenkung zu schreiben, außerdem hat sie eine Kopierfunktion, mit der du Kapitel umbauen kannst. Hinzukommt, dass sie Dateien für Kindle und EPUB generieren kann, so dass man die Formatierung nicht zu bezahlen braucht, wenn man veröffentlichen möchte.

Meine Ideen finde ich an Orten, die ich besuche, und in Dingen, die ich untersuchen möchte. Zum Beispiel war ich im März auf der Vikinger-Austellung im Britischen Museum. Dort  habe ich einen Stab mit magischen Kräften gesehen, und andere Waffen. Ich habe beschlossen, einen Kurz-Roman darüber zu schreiben. Damit war  ‚Day of the Vikings‘ geboren. Wenn ich erst einmal eine Idee habe, male ich mir normalerweise die Eingangsszene aus.  Sie muss dramatisch sein. Die meisten meiner Bücher beginnen mit einer dunklen Vorahnung. Dann entwerfe ich grob zehn Szenen mit Scrivener und fange an zu schreiben.Nach etwa 30.000 Wörtern überarbeite ich den Plan.

Wie sieht dein typischer Arbeitstag aus?

Ich bin ein Morgen-Mensch, deshalb schreibe ich zuerst. Oft arbeite ich in der London Library, wo Agatha Christie, Bram Stoker und Charles Dickens Mitglieder waren. Ich schreibe mit Scrivener und recherchiere, während ich schreibe, aber ich benutze Antisocial und blockiere E-Mails und Soziale Medien, damit ich nicht abgelenkt werde. Ich höre eine Schleife mit dem Klang von Regen und Gewitter, wenn ich schreibe – vielleicht weil ich das britische Wetter gewöhnt bin!

Diese Frage ist unumgänglich für eine Self-Publishing-Autorin. War das von Anfang an dein Wunsch?

Ja, ich bin eine Unternehmerin. Ich frage nicht gerne um Erlaubnis. Ich ziehe es vor, Dinge selbst auszuprobieren und zu sehen, was funktioniert. In der traditionellen Verlagswelt braucht alles mehrere Jahre, und du hast sehr wenig Kontrolle. Als Indie-Autorin kann ich Bücher sehr viel schneller auf den Markt bringen und ich kann auf alles Einfluss nehmen. Ich kann mich darauf konzentrieren, meine Leser mit großartigen Büchern zu bedienen. Aber egal wie man veröffentlicht, heutzutage müssen Autoren sehr viel Marketing übernehmen.

Selbstverständlich arbeite ich mit professionellen Lektoren und Übersetzern. Die meisten von denen haben früher in großen Verlagen gearbeitet. Auf diese Weise ist die Qualität des Produkts gesichert. Ich habe außerdem einen professionellen Designer und ein Team mit Leuten, die mir helfen. Ich ziehe die Bezeichnung „Indie-Autorin“ dem „Self-Publishing“ vor, den niemand kann alles allein machen.

Während Pentecost ein Self-Publishing-Produkt ist, erscheint Desecration-Verletzung bei Ullstein-Midnight, einem neuen Label für Krimis und Thriller. Für einzelne Projekte arbeite ich gern mit Verlagen, aber ich genieße auch meine Unabhängigkeit!

Du  bist Mitglied einer Organisation für Indie-Autoren. Meinst du, dass es wichtig ist für Indie-Autoren, sich für eine gemeinsame Sache zusammenzuschließen?

Mit das Beste für Indie-Autoren ist die Gemeinschaft. Du schreibst das Buch allein, aber du kannst jetzt von Autoren auf der ganzen Welt über Blogs und Podcasts und Soziale Medien lernen. Eine Organisation wie Alliance of Independent Authors (Vereinigung Unabhängiger Autoren) gibt uns mehr kollektive Kraft, wenn wir verhandeln oder versuchen, Dinge zu verändern, außerdem finden wir Unterstützung und Hilfe. Wir tauschen uns über Marketing-Tipps aus und viele Autoren finden sich in Promotion-Gruppen zusammen. Also hat jeder Nutzen. Die Weltsicht eines Indie-Autors ist eine von sich weitenden Horizonten und globalen Möglichkeiten – Es ist eine sehr aufregenden Zeit, Autor zu sein!

Wenn du auf deine Karriere zurückblickst, welchen Rat würdest du jungen Autoren geben?

Du musst mehrere Bücher geschrieben haben, ehe du deine Stimme als Autor findest. Mach dich darum nicht verrückt beim ersten Buch. Betrachte deine Karriere als ein Langzeitprojekt.Du wirst niemals von nur einem Buch leben können, und die meisten Autoren haben eine Backlist von vielen Büchern, ehe sie in Vollzeit schreiben können. Plane, was du in den nächsten paar Jahren schaffen willst und konzentriere dich darauf, anstatt dir über die täglichen Verkaufszahlen den Kopf zu zerbrechen.

Was fiel dir am schwersten zu lernen, als du eine Indie-Autorin wurdest?

Egal wie du veröffentlichst, das Schwerste ist einzusehen, dass sich niemand für dein Buch interessiert. Um in Kontakt mit Lesern zu kommen, musst du Marketing lernen. Mit der Zeit findest du dein Publikum.

Du hast unter anderem ein Buch über öffentliches Sprechen für Introvertierte geschrieben. Müssen Autoren in die Öffentlichkeit gehen, auch wenn sie sich als empfindsam und zurückhaltend  wahrnehmen?

Erfolgreiche Autoren müssen wissen, wie man in der Öffentlichkeit spricht. Irgendwann wirst du zu einer Konferenz oder einer Podiumsdiskussion eingeladen, oder ins Radio oder Fernsehen für ein Interview, oder vielleicht zu einem Podcast oder Google-Hangout. Das gilt für Indie-Autoren wie für traditionell verlegte Autoren. Deshalb sollte man sich vorbereiten, ehe der Ernstfall eintritt. Öffentlich sprechen kann ein guter Weg sein, in Kontakt mit Lesern zu treten. Wenn du gut sprichst, weckt das Interesse an deinen Büchern. Umgekehrt kann es Leute abstoßen, wenn du schlecht sprichst. Wenn du sprichst, repräsentierst du dein Buch. Wenn Leute in Kontakt mit dir treten, kaufen sie vielleicht auch dein Buch.

Ich bin introvertiert. Das bedeutet, ich muss alleine sein, um meine Energien neu aufladen zu können. Vielen Autoren geht das so. Das bedeutet lediglich, dass wir bei Festivals und Veranstaltungen mit unserer Energie haushalten müssen. Wir müssen sicher stellen, dass wir genügend Zeit für uns haben und dann 150 Prozent Leistung bringen, wenn wir sprechen. Das bist immer noch du, aber du gibst deinem Publikum Energie. Ich spreche gerne öffentlich. Es ist eine gute Möglichkeit für Autoren aufzufallen.

Würdest du Autoren empfehlen zu bloggen?

Bloggen hat mein Leben verändert! Wirklich. Aber es ist nicht jedermanns Sache. Ich hatte mehrere Blogs, aber momentan ist meine Hauptseite TheCreativePenn.com. Da habe ich seit Dezember 2008 meinen Weg als Autorin mit Lesern geteilt. Bloggen kann dir in verschiedener Hinsicht helfen:
* Finde deine Stimme – Ich habe jahrelang Geschäftsunterlagen geschrieben, daher war meine „Stimme“ sehr gestelzt und ohne Persönlichkeit. Wenn du die ersten Posts mit den letzten vergleichst, siehst du den Unterschied. Ohne das Bloggen hätte sich mein Schreibstil nicht entspannt und ich hätte nicht anfangen können, Bücher zu schreiben. Ich habe auch herausgefunden, dass je natürlicher du dich online gibst, desto leichter du Kontakt zu Menschen findest. Bloggen öffnet dich für einen echten Austausch. Am Anfang regt es dich vielleicht auf, aber mit der Zeit entspannst du dich.
* Finde eine Gemeinschaft – Durch Bloggen und Podcasten, auch über Twitter, habe ich mich mit tausenden Autoren weltweit verbunden. Wir alle lernen voneinander. In der Kreativität gibt es viel Großzügigkeit und positive Energie. Das liebe ich.
* Finde Leser – Wenn dich Leute kennen, mögen und dir vertrauen, kaufen sie eher deine Bücher. Deshalb kann das Teilen von Informationen, Inspiration oder Unterhaltung helfen, ein kreatives Unternehmen zu führen.

Vielen Dank für das Interview, Joanna!

(c) Derek Murphy, Creativeindie

Joanna Penn verschenkt zwei Ausgaben von Pentecost an Leser dieses Blogs. Wenn Sie den Thriller gewinnen möchten, schicken Sie mir eine E-Mail an mail@sevecke-pohlen.de oder über das Kontaktformular. Einsendeschluss ist der 27.07.2014.

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