Kreatives Schreiben: „Was darf ich niederschreiben“ oder die Gretchenfrage stellen

 Schreiben hilft, Gedanken zu klären. Manchmal ist es notwendig, länger als es der Handlung gut tut bei einem Charakter zu verweilen, um diesen besser kennenzulernen. Solche Stellen können bei der Überarbeiten entfernt werden, das Niederschreiben klärt jedoch Sachverhalte für den Autor.

Oft beschäftigen wir uns mit dem Problem, dass eine Handlung oder ein Dialog Dimensionen annimmt, die wir nicht geplant hatten. Dabei kann es um Gewalt gehen, Sex, oder die Entwicklung von Ideen. Nicht immer, aber manchmal schaltet sich ein innerer Zensor ein und fragt „Darfst du das schreiben?“

Eine Antwort auf diese Frage ist nicht leicht zu geben. Viele Faktoren spielen hinein, auch die Verantwortung gegenüber der Zielgruppe.

Wie halten Sie es mit der Darstellung von Gewalt, von Sex, von Elend, von Krankheit? Wie halten Sie es mit der Rücksichtnahme auf Gefühle, Werte, Erwartungen deiner Leser? Wie halten Sie es mit Traditionen des Schreibens, mit Rechtschreibung, Grammatik, Wortbildung und Wortwahl? Wie halten Sie es mit Ihrer künstlerischen Freiheit? Wie mit Ihrer Verantwortung?

Das sind nur einige der Gretchenfragen, mit denen Sie sich während des Schreibens konfrontiert sehen können. Eine Gretchenfrage ist eine Frage nach dem Kern des Problems, deren Beantwortung unangenehm sein kann.

Wenn Sie schreiben, sind solche Fragen auch deshalb wichtig, weil von der Beantwortung abhängen kann (nicht muss!), wie gut Sie Ihre Charaktere kennen und die Handlung in allen Konsequenzen erfassen. Von daher ist es manchmal notwendig, über den eigenen Schatten zu springen und aufzuschreiben, was Ihnen unangenehm ist. Wie Sie mit den Textstellen in der Überarbeitung umgehen, ist eine andere Frage. Wichtig ist, dass Sie ausprobieren, wie weit Sie auf dem Papier zu gehen bereit sind.

Nehmen Sie die folgenden Anfänge als Ausgangspunkt eines kurzen Texts. Stellen Sie sich die Uhr und schreiben Sie zehn Minuten oder alternativ eine DIN A4 Seite.

  • Nach all den Jahren hatte sich das Blatt gewendet. Nun hatte sie ihn in ihrer Gewalt.
  • Er spürte, wie kalte Finger über seinen Rücken strichen.
  • Den Stock zwischen den Händen zu spüren, gab ihr ein Gefühl von Macht.
  • Er würgte nach dem ersten Schlag.
  • Nach zwei oder drei Tagen begann er Blut zu spucken.

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