Tag der deutschen Sprache – Deutschtümelei?

 Am 13. September 2014, dem zweiten Samstag im September, feiert der Verein Deutsche Sprache e. V. den „Tag der deutschen Sprache“. Der 1997 als „Verein zur Wahrung der deutschen Sprache“ gegründete Verein verfolgt das Ziel, Deutsch als eigenständige Kultursprache zu erhalten und zu fördern. Dabei ist er bestrebt, seine Ziele von Deutschtümelei abzugrenzen. Gelungen ist das nicht immer, beispielsweise als 2013 das Wörterbuch Duden die Auszeichnung Sprachpanscher des Jahres erhielt.

Bei der Abstimmung für den Sprachpanscher des Jahres 2014 führen der Designer Wolfgang Joop und die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die Kandidatenliste an, wobei von der Leyen sich durch ihre auf Englisch gehaltene Rede auf der Münchener Sicherheitskonferenz unbeliebt gemacht hat. Dass sie als Gastgeberin für ein internationales Publikum eventuell aus Höflichkeit auf eine verbindende Sprache zurückgegriffen haben könnte, wird nicht thematisiert. In den Augen der Veranstalter dieser Abstimmung dürfte dies auch kein Argument sein.

Englisch und Anglizismen erscheinen den Mitgliedern des Vereins als besonders problematisch und gefährlich für die deutsche Sprache. Mit seiner Argumentation trifft der Verein einen Nerv in der deutschen Gesellschaft, die Überfremdung nach wie vor und derzeit besonders fürchtet. Aber auch Menschen, die von Berufs wegen mit der Sprache arbeiten, Schauspieler und Autoren etwa, kritisieren den leichtfertigen Umgang mit englischen Einsprengseln. Zitate von bekannten Autoren, Schauspielern, aber auch Politikern finden sich zahlreich auf der Webseite des Vereins Deutsche Sprache. Ob sie sich mit den Zielen des Vereins identifizieren, bleibt offen.

Die Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen hat zu diesem Thema vor einigen Jahren eine Umfrage in Köln durchgeführt. Die Mehrzahl der Befragten äußerte sich differenziert zu Anglizismen. Interessant war die Einschätzung zweier junger Frauen, Anglizismen seien praktisch, weil Eltern sie nicht verstünden. Eine weitere Frau meinte, nur sehr junge Leute verwendeten Anglizismen, ab einem Alter von 25 Jahren tendierten die meisten zu einer gepflegteren Sprache.

Der Versuch mancher Prominenter, sich mit Anglizismen bei einem jugendlichen Publikum einzuschleimen, dürfte unter diesen Voraussetzungen ebenso zum Scheitern verurteilt sein wie der Kampf gegen die Anglizismen.

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