Eine Form der Selbstkontrolle: Warum sollte ich meinen Text laut lesen?

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Selbstkontrolle klingt unangenehm. Ja, angenehm ist es wirklich nicht, den eigenen Text durchzulesen, zu streichen und zu überarbeiten. Aber durch diese Arbeit behalten Sie auch die Kontrolle über Ihren Text. Je mehr Sie selbst für die Lesbarkeit tun, desto weniger machen Sie sich von den Vorschlägen einer Lektorin abhängig.

Eine Lektorin sieht zu allererst nach den Textstellen, die ihr unverständlich oder schwer lesbar erscheinen. Die Zahl solcher Textstellen können Sie bis auf Null reduzieren, wenn Sie Ihren Text aufmerksam lesen. Unglücklicherweise schleicht sich leicht eine gewisse „Betriebsblindheit“ ein. Weil Sie den Text selbst geschrieben haben, kennen Sie ihn gut. Sie können einzelne Sätze nach den Satzanfängen reproduzieren, weil Sie Text und Sätze verinnerlicht haben. Um Ihren Text bearbeiten zu können, benötigen Sie Distanz.

Distanz können Sie leicht herstellen, indem Sie den Text nach der Fertigstellung ruhen lassen. Das sollten Sie nach Möglichkeit immer machen. Wenn Sie dann mit der Überarbeitung beginnen, empfiehlt es sich, Textstellen laut zu lesen. Es mag Ihnen peinlich sein, wenn Ihre Stimme plötzlich erklingt, doch lautes Lesen ist eine effektive und von vielen Autoren geschätzte Methode, Lesbarkeit, Textmelodie und Texttempo zu überprüfen.

Wenn Sie Ihren Text noch nie durch lautes Lesen überprüft haben, sollten Sie es auf jeden Fall einmal ausprobieren. Wie so oft gibt es keine Richtschnur, welche Textstellen, wie oft und in welcher Bearbeitungsphase mit welcher Lautstärke gelesen werden sollten. Das alles müssen Sie selbst ausprobieren. Ich kann Ihnen nur sagen, welche Vorgehensweise für mich effektiv ist.

1. Zeitpunkt des lauten Lesens

Jede letzte Bearbeitungsphase, ehe der Text fremden Augen vorgelegt wird, lese ich den ganzen Text laut.

Zuvor lese ich jede Textstelle laut, die schwierig wirkt oder mich verwirrt. Auch verschiedene Varianten eines Satzes, manchmal eines Absatzes lese ich laut. Dabei lausche ich auf meinen Sprechfluss und achte auf die Atmung. Wenn ich an anderen Stellen als Kommata oder Punkten Atem holen muss, stimmt etwas nicht mit dem Satz.

2. Lautstärke des Lesens

Beim Lesen des gesamten Texts ist normale Gesprächslautstärke ausreichend, obwohl ich von Autoren gehört habe, die ihren Text schreien. Wenn ich an einzelnen Passagen arbeite, spreche ich eher leise. Je schwieriger es wird zu entscheiden, ob die Änderungen besser sind als das Original, desto lauter werde ich. Dann kann schon einmal ein besorgter Mitbewohner in der Tür stehen, um nach dem Rechten zu sehen.

Sollten Sie gerne in Cafés oder an anderen öffentlichen Plätzen arbeiten, passen Sie Ihre Lautstärke an. Notfalls verlegen Sie diese lauten Lesephasen an privatere Orte. Oder Sie fordern von Ihren Zuhörern Feedback ein.

 

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