Gibt es Sommerbücher und Winterbücher?

 Es mag meine persönliche Marotte sein, aber in meiner Welt existieren Bücher für den Sommer und Bücher für den Winter. Ich bin nicht sicher, ob andere Leser meine Einteilung nachvollziehen können oder ob sie meiner Zuteilung der Bücher zu den Jahreszeiten zustimmen. Vorlieben für Bücher und Themen sind individuell und eignen sich gut für Diskussionen, die nie abgeschlossen werden können.

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Ist es die Jahreszeit im Buch?

Eher nicht. Viele Bücher decken einen längeren Zeitraum ab, der sich über mehr als eine einzelne Jahreszeit zieht, oft auch über mehrere Jahre. Hebammenmord von Susanne Ptak spielt im Schneematsch des Februar, fühlt sich für mich aber wie ein Sommerbuch an. Der Herr des Moors von Ruth Rendell spielt von Frühjahr bis Herbst, ist aber ein Sommerbuch, vielleicht weil der kritische Teil der Handlung im Hochsommer spielt.

Als Winterbuch empfinde ich Urteil in Stein von Ruth Rendell und Gott aber schweigt von Lothar Birkner.

Ist es die Jahreszeit der Erstbegegnung mit dem Buch?

Vielleicht. Ele Wolffs Auf dem schwarzen Regenbogen und Bei Stina brennt noch Licht habe ich bei zuerst im frühen Frühjahr gelesen. Auf dem schwarzen Regenbogen ist für mich ein Winterbuch, Bei Stina brennt noch Licht ist ein Sommerbuch.

Allerdings habe ich das Manuskript zu Der Schwan ist tot von Peter Brand zuerst im Sommer gelesen und es ist für mich ein Sommerbuch, auch wenn es im Herbst spielt.

Was spielt eine Rolle? Räume, Natur, Psychologie der Charaktere?

Die Weite der Räume oder Natur scheint etwas mit meiner Einordnung in Winterbücher und Sommerbücher zu tun zu haben. Das Sommerbuch schlechthin ist für mich Sturmhöhe von Emily Brontë. Die Berge und Moore von Yorkshire macht sie erlebbar. Man fühlt sich auf den Höhen und spürt das Land um sich. Die Tragödien der Charaktere gehen fast in dieser Weite unter. Allerdings scheint mir Catherine Earnshaw Weite und Wildheit der Moore in sich zu tragen. Vielleicht muss sie deshalb so jung sterben.

Dagegen besticht Charlotte Brontës Jane Eyre durch räumliche Enge, beginnend bei Janes Versteck hinter dem Vorhang über die Schule, das Herrenhaus, das Haus im Wald, in dem Jane Mr. Rochester wiederfindet. Weite Landschaften sieht sie nur vom Fenster des Herrenhauses, und bezeichnenderweise wird sie krank, als sie über das weite Moor flieht. Jane Eyre ist für mich das Winterbuch schlechthin.

Franz Kafkas Die Verwandlung, wo fast alles auf ein kleines Zimmer beschränkt ist, kann ich übrigens keiner Jahreszeit zuordnen.

Aber wie ordnen Sie Bücher den Jahreszeiten zu ?

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