Peter Brand (c) privat

Sommerinterview 2015 – Peter Brand

 Dies ist das vierte Sommerinterview auf meinem Blog. Hier lernen Sie Autoren oder Kollegen kennen, entdecken neue Bücher, finden Gemeinsamkeiten und sammeln vielleicht den einen oder anderen Tipp auf. Heute lesen Sie über Peter Brand.

Peter Brand (c) privat
Peter Brand (c) privat

Bitte stellen Sie sich und Ihre Bücher kurz vor.

Mein Name ist Peter Brand, geboren 1958, und ich lebe und arbeite in Rosenheim. Mein Rosenheim-Krimi „Der Schwan ist tot“ erschien im Dezember 2014 hier beim WIEKEN-VERLAG. Zuvor konnte ich in unterschiedlichen Anthologien Texte platzieren, u. a. in Portugal. 2008 errang ich den Literaturpreis der Stadt Taucha bei Leipzig für die beste Kurzerzählung, (ca. 250 Einsendungen). Näheres über mich und meine Veröffentlichungen gibt es auch unter www.peter-brand-rosenheim.de zu lesen.

1. Wie lange schreiben Sie schon? Wann wussten Sie, dass Sie Ihre Texte veröffentlichen wollten?

Texte vielerlei Art zu schreiben hat, seit ich denken (und lesen und schreiben) kann einen hohen Stellenwert in meinem Leben. Warum, kann ich nicht eindeutig erklären. Vielleicht waren es erste schulische Erfolge im Deutschunterricht? Jedenfalls machte es schon in meiner Jugend immer viel Spaß, Freunde und sogar so manchen Verwandten, mit lustigen oder spannenden Geschichten oder Gedichten zu unterhalten.
Nach einer längeren Zeit des „Nur-Lesens“ fand ich aber wieder zurück zu dem, was ich im Leben irgendwann erreichen wollte: Autor werden.
Dass dann tatsächlich eines meiner Gedichte, ca. 1999, kurz darauf auch ein Text für Anthologien als gut dafür befunden und veröffentlicht wurden, spornte mich natürlich an, das Ziel weiter zu verfolgen. Da ich großen Wert darauf lege, nur Texte zu veröffentlichen, die von kompetenten Menschen, Herausgebern, Verlegern, Lektoraten, gelesen und angenommen werden, stecken neben den bereits publizierten Büchern so viele andere Ideen in meinen Schubladen, dass ich guter Dinge bin, noch lange und auch viel Neues zu schreiben.

2. Wie groß ist der Anteil, der das Schreiben in Ihrem Leben einnimmt? Was machen Sie, wenn Sie nicht schreiben?

Lesen, arbeiten, den Garten pflegen, ein wenig Sport und gerne reisen, letzteres sehr gerne nach Portugal und immer mit Notizblock und Laptop für Beobachtungen und Ideen.

3. Wodurch lassen Sie sich inspirieren? Wie entstehen aus Ihren Ideen Texte?

Die Inspiration kommt oft spontan, nach einem Gespräch oder einer Beobachtung, oder über andere Bücher. Allerdings ist das Stöbern in Büchern von anderen Autoren mit einer Einschränkung versehen: Während des Entstehungsprozesses von „Der Schwan ist“ und den nachfolgenden Lokalkrimis las und lese ich bewusst KEINE Regionalkrimis von anderen Autoren. Ich glaube, die Gefahr bei mir wäre groß, z. B. meinen Schreibstil unbewusst „anzupassen“.
Wie aus einer Idee ein Text wird, ob der dann auch „funktioniert“, ergibt sich meistens beim näheren Einarbeiten dazu. Da kommt es natürlich vor, dass eine Idee schnell wieder in den Papierkorb wandern muss. Aber wenn die Substanz da ist, vermehrt sich die Idee zu konkreten Bausteinen aus Sätzen – und manchmal wird daraus sogar ein Roman.

4. Planen Sie Ihre Bücher oder schreiben Sie ins Blaue? Wie behalten Sie die Übersicht über Handlungsstränge, Charaktere und Orte?

Ein ungefährer Plan entsteht meistens im ersten Drittel von Geschichten, wenn klar ist, wohin „die Reise“ geht. Und sogar der Plan entwickelt sich allmählich – was nicht heißt, ich würde ins Blaue schreiben. Meistens ist ein klares Ziel – das Ende und die Auflösung – der eigentliche Plan.
Zur Übersicht über die unterschiedlichen Charaktere u. s .w. lege ich erst ein Profil bzw. einen „Fahrplan“ für Orte an, wenn es für mich selbst unübersichtlich wird, d. h., wenn die Geschichte bereits einen gewissen Umfang erreicht. Das ist unentbehrlich, um gerade bei Romanen keinen „Wurm“ hineinzubringen, besonders, wenn mehrere Handlungsstränge ablaufen. Berühmte schlechte Beispiele, dass z. B. eine Figur am Anfang braune, und am Ende blaue Augen hat, gibt’s ja …

5. Wie überarbeiten Sie Ihre Texte?

Das läuft sehr geordnet ab. Zunächst konzentriere ich mich konkret und schlicht auf Rechtschreibfehler, (Autokorrektur stimmt auch nicht immer!). Zum Zweiten kommen die „Stolpersätze“ dran, um Lesbarkeit und Verständlichkeit ins Fließen zu bringen. Nicht zuletzt überprüfe ich die Inhalte und Zusammenhänge. Da kann schon mal ein ganzes Kapitel völlig neu geschrieben werden. Außerdem finde ich es gut, zwischen den einzelnen Überarbeitungen reichlich Zeit vergehen zu lassen, um nicht „betriebsblind“ zu werden. Jeder/jede Autor/in kennt doch sicher das Phänomen, dass man einen Text nach ein paar Tagen, Wochen oder gar Monaten mit ganz anderen, fremden Augen sieht. („Meine Güte, was hab ich denn da für einen Satz produziert!“). Zeit lassen beim Überarbeiten ist also meiner Meinung nach, und für mich, äußerst wichtig.

6. Wie sieht der Ort aus, an dem Sie schreiben?

Hauptsächlich schreibe ich an einem PC in meinem Büro am Stadtrand von Rosenheim, wenn’s Wetter mitspielt mit Blick auf Berge links und rechts des Inntals – da kann man die Gedanken schön schweifen lassen …

7. Wer sind Ihre Leser? Kennen Sie Ihre Leser? Warum schreiben Sie ausgerechnet für diese Leser?

Überraschend nach dem Erscheinen von „Der Schwan ist tot“ war und ist, dass sich viele jüngere Leser dafür interessierten, obwohl der Krimi für meine Generation, plus-minus etwa zehn Jahre angedacht war. In meinem Umfeld kennen mich viele meiner Leser persönlich, und umgekehrt. Das sind aber wirklich zu zwei Dritteln meine Altersklasse, und eben auch zu einem Drittel Zwanzig-Vierzigjährige.
Bei Lokalkrimis ist die Achtung vor dem Authentischen wichtig, weil die meisten Leser von z. B. Rosenheim-Krimis, die in Rosenheim und im Landkreis leben, natürlich Stadt, Land und Leute genau kennen. Aber auch Besucher aus anderen Regionen wollen sich auskennen oder/und im Roman etwas von ihrem (z. B.) Urlaubsziel erfahren. Deswegen schreibt im Hinterkopf immer „der Leser“ mit, und ich habe gute Erfahrungen damit gemacht.

Mit der Zeit lernt man seine Leserschaft in etwa kennen, wenn Feedbacks zu den Texten kommen. Gerne bediene ich dann deren Geschmack, lasse mich aber auch nicht verbiegen, indem ich z. B. den Leuten „nach dem Mund“ schreibe. In einem Gespräch mit einem „Fan“, einem pensionierten Deutschlehrer (nicht meiner), der fast alle meine Texte und Bücher kennt, kam heraus, dass die Leser eines bestimmtem Autors eben genau das „Andere“ lesen möchten, das ihnen Fremde oder Unheimliche, das Grausame und das Liebenswerte, und das Phantasievolle, das was der Leser gerade nicht kennt – genauso, wie ein Autor nicht „den“ Leser kennt. Außerdem ist man als Autor ja selbst Leser von anderen Autoren, und knüpft gewisse Erwartungen an dessen Bücher.

8. Was unternehmen Sie für den Erfolg Ihrer Bücher?

Außer der unglaublich werbewirksamen Arbeit eines Verlags, (in meinem Fall der, auf dessen Seiten Sie sich soeben bewegen!):
Ich habe Visiten- und Postkarten mit dem Cover und dem Klappentext verteilt, bzw. dort aufgelegt, wo’s mir erlaubt wurde. Ein Homepage ist sehr wichtig, weil man immer darauf verweisen kann (s. o.). Ich persönlich bin nicht in sozialen Netzwerken vertreten, denke aber darüber nach, weil es, glaube ich, zur Verbreitung und Empfehlung der eigenen Texte noch mehr beiträgt.

9. Wenn Bücher verboten wären, welches Buch würden Sie heimlich behalten?

Nur eines? Schade! Da kann ich mich nicht entscheiden. Wenn alle Stricke reißen: die Bibel vielleicht.

10. Was wäre Ihr wichtigster Tipp für einen neuen Autor?

Geduld, Geduld, und nochmals Geduld, niemals aufgeben und keine zu großen, unrealistischen Ziele setzen!

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