Der Geruch des Sprechers. Ist digital wirklich real? Das sollten Autoren (und Leser) beachten

 geralt_ball-457334_1280_pixabay_kleinerParallelwelten sind für viele Menschen nur in Science-Fiction-Filmen akzeptabel. Im Alltag betrachten sie Lebensräume, die scheinbar parallel neben ihrem Lebensraum liegen, mit tiefem Misstrauen. Was für das „Ausländerviertel“ gilt, gilt dann auch für das Internet. Misstrauen, nicht kritische Auseinandersetzung, kennzeichnen Berichte in den Medien über die „Netzwelt“ wie Gespräche am Kaffeetisch. Das allgemeine Unbehagen betrifft auch Autoren. So mancher Autor bezweifelt, ob E-Books richtige Bücher sind, und nicht wenige Leser betrachten E-Books als etwas Hochtechnisches, das nichts mit einem Buch gemein haben kann. Beschreibt diese Haltung die Realität? Und was für Folgen hat diese Haltung für Leser wie Autoren?

Auf Schwindt-pr.com unterhielt sich Annette Schwindt mit Sabria David über die Wahrnehmung von realer und digitaler Welt als berührungslose Bereiche. Der Schwerpunkt der beiden ist Kommunikation, doch die Argumente lassen sich auf die Welt der Bücher und Leser übertragen. So weist Sabria David darauf hin, dass in der Bevölkerung die Vorstellung besteht, dass digitale Kommunikation keine echte Kommunikation sein kann, weil nichtsprachliche Anteile der Kommunikation wie Stimme, Betonung, Geruch des Sprechers (!) in der digitalen Kommunikation nicht wahrgenommen werden können. Beleidigungen sind in dieser Wahrnehmung keine Beleidigungen, weil sie digital übermittelt werden. Das ist vermutlich auch ein Grund, warum bei manchen Menschen der Eindruck besteht, das Internet sei ein rechtsfreier Raum.

Was hat das Ganze nun mit Autoren und Lesern zu  tun?

Das Internet als rechtsfreier Raum

Wenn in der digitalen Welt keine Gesetze gelten, dürfen Bücher und E-Books von jedem kopiert und verkauft werden. Oft genug handelt es sich bei Menschen, die illegal kopierte digitale Produkte billiger kaufen oder kostenlos herunterladen, um Personen, die in der „realen“ Welt Diebstahl und Betrug für verwerflich halten.

Digitale Kommunikation ist keine echte Kommunikation

Wenn Beleidigungen und Drohungen im digitalen Raum keine Bedeutung haben, kann jeder Mensch seine Frustration über die Ungerechtigkeit der Welt, seine Vorurteile und Verschwörungstheorien dort äußern. Sollte später ein Haus brennen oder ein Mensch verprügelt werden, weil die Ideen auf fruchtbaren Boden gefallen sind – So what? Es war doch digital, nicht real.

Wenn über Autorenkollegen hergezogen wird, Gerüchte über einen Autor gestreut oder ein Buch mit unsachlicher Kritik zerrissen wird, geschieht das auch in dem Gefühl, dass keine Folgen für das wirkliche Leben entstehen. Selbstmord? – Ich kenne die Person doch gar nicht.

Digitale Bücher sind keine richtigen Bücher (Digitale Musik ist keine richtige Musik)

Texte (oder Musikstücke), die nur digital existieren, sind in dieser Wahrnehmung zwangsläufig weniger wert. Das erlaubt dann Rückschlüsse auf den Autor und erlaubt die illegale Kopie. In der Erweiterung ist die digitale Ausgabe eines Werkes weniger wert als das gedruckte Buch oder die CD (oder Vinylplatte).

Annette Schwindt und Sabria David sehen besondere Bedeutung in der Erkenntnis, dass zum Leben heute auch das Digitale gehört. Digitale und nicht digitale Anteile gehören zu unserer Lebenswelt. „Vernetzt“ heißt nicht nur, mit anderen Menschen, die mit Informationen und Taten (real) unterstützen können, verbunden zu sein, sondern alle Lebensbereiche, online und offline, miteinander zu verbinden.

Je nach Vorlieben und Lebenslage setzt man dabei andere Schwerpunkte, aber man ist sich bewusst, dass nicht-digital und digital gleichwertig sind und dass das eigene Handeln in beiden Räumen immer Konsequenzen hat.

 

 

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