Weltalphabetisierungstag 2016 – Leben ohne Lesen

 Counselling_read-720526_1920_pixabay_kleinerHeute ist Welttag der Alphabetisierung. An diesem Tag erinnert die UNESCO daran, dass weltweit erwachsene Menschen nicht Lesen und Schreiben können, weil ihnen in der Kindheit der Zugang zur Grundbildung fehlte und immer noch fehlt. Es ist auch ein Tag des Feierns: Die UNESCO ehrt Länder und Projekte, die sich beispielhaft für die Förderung des Lesens und Schreibens einsetzen. Die Bilder und Berichte zeigen uns ärmlich gekleidete Menschen mit dunkler Haut und vermitteln den Eindruck, dass Analphabetismus ein Problem der sogenannten dritten Welt ist. Tatsächlich lebt die große Mehrzahl der 780 Millionen Menschen, die nicht oder nur unzureichend Lesen und Schreiben können, in armen Ländern. In Deutschland sind es immerhin 7,5 Millionen. (Die Zeitung Die Welt hat eine Übersicht über Artikel zum Thema Analphabetismus angelegt.)

Analphabetismus in Deutschland – Leben in Scham

In Deutschland besteht Schulpflicht, daher haben alle in diesem Land aufgewachsenen Analphabeten die Schule besucht. Schwierigkeiten in der frühen Schulzeit, Fehlzeiten durch Krankheit oder Angst, unaufmerksame Eltern oder Lehrer – oft ist es eine Kombination dieser und weiterer Faktoren, die es den Betroffenen immer schwerer machen, am Unterricht erfolgreich teilzunehmen. Schon früh entwickeln die Kinder Strategien, wie ihr fehlendes Wissen unentdeckt bleiben kann. Diese Strategien können enorm erfolgreich sein und werden noch im Erwachsenenalter angewandt.

Ein Interview mit einer Betroffenen können Sie auf DRadio Wissen „Raus aus der Buchstabensuppe“ hören. In diesem Interview fällt auf, dass die Schule durchaus gemerkt hat, wie schwach die Lesekenntnisse waren, als deren Folge Probleme im Unterricht auftraten. Der weitere schulische Weg führte über die Diagnose einer Behinderung zu Sonderschulunterricht, ohne dass das grundlegende Problem erkannt wurde.

Grundbildung nachholen

Viele Analphabeten und ihre Angehörigen wissen nicht, dass es Möglichkeiten gibt, fehlende Grundbildung nachzuholen. Volkshochschulen und Vereine sind die Anlaufstellen. Der Bundesverband für Alphabetisierung und Grundbildung e. V. bietet auf seiner Internetseite eine interaktive Karte, auf der Kursangebote und Ansprechpartner mit Kontaktdaten gesammelt sind. Postleitzahl oder Ortsname können eingegeben werden, alternativ zieht man die Karte um den gesuchten Ort größer, bis das Angebot erscheint.

 

 

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