Die Sprache hinterfragt: Nebensätze, die uns stutzen lassen

 klimkin_cactus-1063094_1920_pixabay_kleinerSprache hat Melodie. Mit Hilfe von Haupt- und Nebensätzen, kurzen und langen Satzgefügen komponieren wir den Klang unserer Texte. Dabei ist es wichtig, Textstellen immer wieder laut zu lesen. Nur so hören wir, wenn unsere brillant konstruierten Sätze die Zunge stolpern lassen. Schuld sind oft die Nebensätze und ihre Einleitungswörter, die Konnektoren.

Ich liebe Nebensätze. Ich verwende sie nicht nur gern, ich unterrichte sie gern. Das hat zwei Gründe. Wenn ein Deutschkurs so weit fortgeschritten ist, dass die Nebensätze eingeführt werden können, klingen die Lehrbuchtexte plötzlich wie „echtes“ Deutsch. Außerdem eröffnen Nebensätze den Teilnehmern ein weites Feld für inhaltlich und logisch anspruchsvolle Äußerungen. Wenn ich schreibe, verfalle ich auch gern meiner Leidenschaft für Nebensätze. Viele davon löse ich in der Überarbeitungsphase wieder auf und formuliere neue Satzgefüge, die sich leichter lesen und sprechen lassen.

Was macht Nebensätze so problematisch? Das ist meistens abhängig von der Art des Nebensatzes. Temporale Nebensätze verweisen auf Vorzeitigkeit, Gleichzeitigkeit oder Nachzeitigkeit. Dabei werden Informationen vorweggenommen oder wiederholt, was den Leser, der linear, Wort für Wort liest, ablenken oder verwirren könnte. Relative Nebensätze benötigen ein Relativpronomen, das aussehen kann wie der Artikel des Bezugsworts. Laut gelesen klingt das manchmal wie Stottern, ist also unschön für die Ohren. Präpositionale Konstruktionen empfinde ich als besonders unangenehm. Oft benötigt die Präposition ein weiteres Wort, um ihre verbindende Funktion erfüllen zu können. Das sind kurze Wörter, die der Sprache zwangsläufig Härte geben.

Temporale Nebensätze

  • Als Konrad den Schuppen betrat, hörte er den gehetzten Atem des Geflohenen.
  • Nachdem Helga den Reißverschluss ihres Rocks geschlossen hatte, schlüpfte sie in die Schuhe.
  • Luise tastete nach der Türklinke, während sie auf verdächtige Geräusche lauschte.

Relative Nebensätze

  • Der Hund, der neben der Frau stand, knurrte.
  • Die Geldbörse, die die Frau hatte fallen lassen, lag neben der Tür.
  • Das Taschentuch, in das Herta das blutige Messer gewickelt hatte, lag auf dem Tisch.

Präpositionale Konstruktionen

  • Er verband die Wunde notdürftig, indem er seine Socke um den Arm band.
  • Es gelang ihnen dadurch zu fliehen, dass sie den Wärter überwältigten.
  • Ohne dass das Fenster zu Bruch ging, konnten sie nicht fliehen.

Nebensätze sollten in der geschriebenen Sprache immer bewusst eingesetzt werden. Es gibt Situationen, in denen sogar das Stottern der Zunge einen positiven Effekt hat. Grundsätzlich sollten dem Leser so wenig Unterbrechungen wie möglich zugemutet werden, damit er an den gewollt komplizierten Stellen noch über ausreichend Geduld verfügt.

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