Leseprobe Der Feind aus dem Dunkel

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I.

In dem Originaltext erscheinen Wörter wie Negerin, Zigeunermusik und Rasse, die im heutigen Verständnis herabwürdigend und nicht akzeptabel sind. Da dies kein Kinderbuch ist, wurden diese Wörter jedoch beibehalten.

*

Gerhard Holzmann steckte den Schlüssel in das Torschloß seiner Villa. Ein Griff nach rechts im Innern des Flurs, und das Stiegenhaus lag im hellen Schein des elektrischen Lichtes.

Seine junge Gattin war mit ihm zugleich eingetreten. Jetzt sagte sie, dem Treppenaufgang zuschreitend: „Nun, Gerdy, warum schließt du die Tür nicht wieder ab? Willst du am Ende noch einmal fort?“

„Nein, ich bin wahrlich müde genug! Aber nach dem Schuppen muß ich noch einen Augenblick, um mich zu überzeugen, ob meine Anordnungen ausgeführt worden sind.“

„Muß das sein — jetzt um halb drei Uhr morgens?“

„Ja. Wenn die neue Formmaschine nicht aufgestellt wurde, wie ich anordnete, so wären wir morgen früh bei Arbeitsbeginn aufgehalten. Übrigens komme ich ja in zwei Minuten zurück. Lege dich einstweilen ruhig nieder, Lydia!“

„Ja, auch ich bin todmüde. Auf Wiedersehen, Gerdy!“

Frau Lydia Holzmann stieg die hellerleuchtete Freitreppe hinauf zur ersten Etage und ging durch den geräumigen Korridor zu ihrem Schlafgemach, um sich gleich zur Ruhe zu begeben.

Holzmann war indessen schon draußen am Kiesplatz und schritt eilig einem niedern1, schuppenartigen Gebäude zu, das an die ihm gehörende Tonwarenfabrik „Holzmann Co.“ stieß.

Im nächsten Augenblick flammte in den acht großen Fenstern des Schuppens Licht auf, dessen Widerschein grell auf einen Teil der Seitenfront der Villa fiel.

Im Bereich dieses plötzlichen Lichtscheines lagen auch die drei Fenster, die zur Wohnung des Hauswarts Albert Rosner gehörten. Die jähe Helle, die durch die vorhanglosen Fenster sich ins Innere der zwei Stuben ergoß, ließ den alten Hauswart erwachen.

Indes geschah dieses Erwachen so plötzlich, daß Rosner nicht gleich begriff, was geschehen sei. Noch schlafbefangen starrte er verwirrt in die Helle, die jedes Ding im Zimmer deutlich erkennen ließ. Auf der Fabrikuhr schlug es eben drei viertel drei2.

Schien der Mond ins Zimmer?

War es Feuerschein?

Brannte am Ende die Fabrik?

Bei dieser Vorstellung wurde Rosner völlig wach. Eilig sprang er aus dem Bett und griff nach seinen Kleidern. Da fiel draußen ein Schuß. Kurz und scharf durchschnitt der Schall die Stille der Nacht.

Was war geschehen? Der Hauswart hatte mit zitternden Händen die Kleider übergeworfen. Ein Sprung brachte ihn ans Fenster, das er instinktiv aufriß.

Gottlob, es war kein Feuerschein, die Fabrik brannte nicht, bloß im Schuppen waren die Lichter aufgedreht, daher die Helle …

Sonst war alles totenstill draußen.

Rosner starrte nach dem Schuppen, dessen Tür offen stand. Wer konnte sie geöffnet und das Licht aufgedreht haben?

Wie als Antwort auf seine Gedanken sah der Hauswart jetzt die Gestalt seines Herrn aus dem offenen Schuppen treten und über den Kiesplatz auf die Villa zukommen.

„Seltsam,“ dachte Rosner, „warum dreht er nur das Licht nicht ab und läßt die Türe hinter sich offen? … Und wie langsam er geht …“

Da blieb Ingenieur Holzmann, der nur mehr wenige Schritte vom Hauseingang entfernt war, plötzlich stehen und fuhr sich mit der Hand an die Stirn.

„Rosner … schnell, Rosner … mir ist nicht gut …“ klang es angstvoll und dringend.

Damit sank die Gestalt Holzmanns zu Boden.

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