Lesetechniken – Wie Sie Texte schneller erfassen

 Informationen stehen uns heute in zahlreichen Medien zur Verfügung. Die Menge kann bedrohlich wirken, doch wenn Sie effektive Lesetechniken beherrschen und einzusetzen verstehen, fällt es Ihnen leichter zu entscheiden, welche der angebotenen Informationen Sie benötigen und wie intensiv Sie einen Text lesen möchten.

Ich orientiere mich im Folgenden an einer Zusammenstellung des Bremer Schreibcoachs der Universität Bremen.

Auch wenn Sie alle beschriebenen Techniken bei sämtlichen Textsorten anwenden können, empfehlen sich die meisten für Sachtexte.

Was erwartet mich in einem Text?

Beim Durchsehen Ihrer E-Mails, einer Website, einer Zeitschrift oder eines Kataloges, aber auch eines Buches stellt sich Ihnen die Frage ob Sie die im Text enthaltenen Informationen brauchen. Bei gedruckten Texten fangen Sie wahrscheinlich spontan an zu blättern. Auch auf einer Internetseite lassen Sie die Blicke schweifen und suchen Orientierung.

Diese Form der Informationsbeschaffung heißt orientierendes Lesen. Es ist eher ein Sammeln von Eindrücken aus einem Text, weil oft nur wenig zusammenhängender Text aufgenommen wird. Lesen Sie zur Orientierung, achten Sie beispielsweise auf das Inhaltsverzeichnis, Tabellen oder Graphiken im Text, auf Fotos Überschriften, auf Internetseiten auch auf das Menü, oder hervorgehobene Links.

Google hat 2011 untersuchen lassen, wie sich die Augen über eine Website bewegen. Die Google Eyetracking-Studie stellte beispielsweise fest, dass die linke obere Ecke einer Website die meisten Blicke erhält. Da Internetnutzer sich oft nur sehr kurz auf einer Website aufhalten, verwenden Webdesigner die Ergebnisse dieser und ähnlicher Studien, um Internetseiten so zu gestalten, dass Informationen, die Nutzer bewegen können länger zu verweilen, optimal platziert werden.

Informationen abschöpfen

Sie kennen vielleicht die Ausdrücke kursorisches Lesen oder Skimming. Hierbei wird der Text überflogen, um nach bestimmten Informationen zu suchen. Meistens sichten Sie beim kursorischen Lesen, worum es in einem Text geht und ob der Text für Ihre Zwecke geeignet ist.

Zwei Vorgehensweisen stehen Ihnen zur Verfügung:

  1. Sie lesen jeweils den Anfang oder das Ende der einzelnen Absätze. Dort finden sich oft aussagekräftige Textstellen.
  2. Halten Sie Ausschau nach Schlüsselwörtern. Die Anwesenheit von Schlüsselwörtern macht es wahrscheinlich, dass die entsprechende Textstelle für Sie bedeutsam ist.

Schlüsselwörter sind meistens Substantive wie „Wahlprognose“ oder Ausdrücke wie „wehrhafte Demokratie“. Oft stehen sie in Zusammenhang mit der Überschrift und leiten Sie durch den Text.

Alles Lesen, von Anfang bis Ende

Insbesondere literarische Texte wie Romane verstehen Sie nur, wenn Sie sie vollständig lesen. Dazu beginnen Sie am Anfang des Textes und lesen bis zum Ende.  Ihr Ziel ist, den Inhalt des Textes zu verstehen und ihm alle wichtigen Aussagen zu entnehmen. Oft bereiten Sie das vollständige Lesen vor, indem Sie orientierend lesen und eine Vorstellung entwickeln, was Sie inhaltlich erwartet.

Das vollständige Lesen verwenden Sie in seiner reinen Form fast ausschließlich im privaten Rahmen. Für Schule, Studium oder Beruf wenden Sie eine andere intensive Form des Lesens an, die Ihnen das gründliche und kritische Aneignen von Informationen erlaubt.

Dem Text Aussagen abringen

Beim studierenden oder erarbeitenden Lesen geht es Ihnen weniger um Genuss als um das Verstehen der Aussagen des Textes. Dazu

  • lesen Sie langsam.
  • lesen Sie aufmerksam.
  • setzen Sie Textabschnitte zueinander in Beziehung.
  • setzen Sie Textabschnitte zu Ihrem Vorwissen in Beziehung.

Machen Sie sich während des Lesens Notizen zu den Kernaussagen des Textes. Halten Sie dabei fest, wo im Text Sie diese Information gefunden haben, damit Sie sie später wiederfinden können.

Den Inhalt bewerten

Wenn Sie einen Text einreichen, beispielsweise bei einem Agenten, einer Lektorin, einem Lehrer oder einer Professorin, liest diese Person den Text mit dem Ziel, sich ein Urteil über den Inhalt bilden zu können. Auch in beruflichen Zusammenhängen setzen Sie das evaluierende oder bewertende Lesen ein, etwa wenn Sie ein Protokoll oder einen Bericht genehmigen sollen.

Die Ausführung des Textes bewerten

Hier legen Sie besonderes Augenmerk auf Schreib- und Grammatikfehler und Schwächen im Ausdruck. Sie korrigieren diese Fehler oder machen Vorschläge für eine Verbesserung.

 

 

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