Internationaler Tag der Muttersprache am 21.02. – Sprache der Mutter, Sprache der Umgebung, Sprache der Menschen?

 LisaLiza_baby-864137_1280_pixabay_kleinerJedes Jahr am 21. Februar findet der Internationale Tag der Muttersprache statt. Es gibt überall in Deutschland Veranstaltungen wie beispielsweise in Mühlheim, bei denen die Vielfalt der Sprachen gefeiert und an ihre Gleichwertigkeit erinnert wird. Diese Wertschätzung der Sprachen aller Mitmenschen ist einerseits erfreulich. Andererseits beschleicht mich immer ein ungutes Gefühl, denn ich frage mich, warum wir jedes Jahr aufs Neue betonen müssen, dass alle Sprachen tatsächlich gleichwertig sind. Der Verdacht liegt nahe, dass es genügend Menschen gibt, die diese Ansicht nicht teilen und deshalb ihre Kraft dafür aufwenden, Menschen über ihre Sprache abzuwerten. Wer als Autor mit der Sprache als Werkzeug und Ausdrucksmittel arbeitet, weiß um die Bedeutung der Sprache und kann den Verlust der eigenen Sprache als gültige Währung in der Kommunikation nachvollziehen. Deshalb sind wir Autoren auch besonders gefragt, nicht nur „unsere“ Sprache auf hohem Niveau zu verwenden, sondern auch uns für das Recht aller Menschen auf „ihre“ Sprache einzusetzen.

Welche dieser Sprachen sprechen Sie?

Unter „Muttersprache“ verstehen die meisten Menschen die Sprache, die Kinder von ihrer Mutter lernen. Dies kann die Standardsprache eines Landes sein, ein Dialekt dieser Sprache, eine Minderheitensprache des Landes oder eine Migrantensprache. In vielen dieser Fälle wird das Kind spätestens mit der Einschulung die Standardsprache erwerben (müssen). Mit dem Begriff Muttersprache verbinden viele Menschen besondere Emotionen. In manchen gesellschaftlichen Bereichen wird die Muttersprache zum Kampfbegriff. In solchen Fällen erkennt man, wie notwendig Feste wie das oben verlinkte Fest in Mühlheim sind.

Sprachwissenschaftler unterscheiden zwischen der Muttersprache und der Erstsprache. Die Erstsprache ist die Sprache, die ein Kind sicher in seiner Alltagskommunikation verwendet, in der es träumt und denkt und in der es Emotionen ausdrückt. Kinder identifizieren sich mit ihrer Erstsprache. Muttersprache und Erstsprache können gleich sein, es kann sich aber auch um verschiedene Sprachen handeln. Für Kinder in Deutschland fallen Muttersprache und Erstsprache meistens zusammen. Für manche als Flüchtlinge nach Deutschland gekommene Kinder ist Deutsch eine Zweitsprache nach der Erstsprache, die nicht die Muttersprache ist.

Was können wir Autoren für Sprache tun?

Sprache ist so vieles für uns: ein Werkzeug, ein Ausdrucks- und Stilmittel, eine Waffe, ein Instrument zur Unterdrückung, ein Mittel zur Befreiung. Wenn Sprache neutral ist, und wir sie für unsere Zwecke einsetzen wollen, müssen wir uns bewusst sein, dass wir ihr Bedeutung geben. Wir sollten achtsam mit ihr umgehen – nicht weil wir andere verletzen könnten – das machen unsere Worte. Wenn wir achtsam mit Sprache umgehen, sind wir uns ihrer Macht bewusst. Nicht grundlos werden überall auf der Welt Autoren verfolgt oder diskreditiert, sie verfügen über leicht transportierbaren, von Spürhunden nicht wahrnehmbaren Sprengstoff.

Geben wir Sprache Bedeutung. Das sind meine Vorschläge. Ihnen fallen bestimmt noch bessere ein.

  • Machen wir auf den Wert von Sprache aufmerksam.
  • Erinnern wir unsere Freunde, Bekannten, Kollegen, Leser und Kritiker daran, dass jede Sprache wertvoll ist und ihre Sprecher unterstützt werden müssen.
  • Pflegen wir unsere eigene Sprache.
  • Gehen wir kreativ mit unserer Sprache um. Schaffen wir sie jeden Tag neu.
  • Trainieren wir uns im Umgang mit diesem kostbaren und gefährlichen Gut. Geben wir anderen die Chance, ihre Sprache frei zu nutzen.
  • Lassen wir Menschen an unserer Sprache teilhaben. Sprechen wir mit Menschen. Schreiben wir für Menschen. Helfen wir Menschen, unsere Sprache zu lernen.
  • Hören wir zu, wenn Menschen sich bemühen, unsere Sprache zu sprechen.
  • Unterstützen wir Menschen, die Sprache bewusst verwenden wollen.
  • Achten wir auf den Missbrauch von Sprache als Instrument zu Abwertung und Unterdrückung. Machen wir auf diesen Missbrauch aufmerksam.
  • Erinnern wir daran, dass Sprache und Denken in Verbindung stehen.
  • Zeigen wir Menschen, dass Sprechen und Hören, bzw. Lesen von Sprache zusammengehören. Erinnern wir daran, dass aufmerksames Lesen und Hören hilft zu verstehen, was sich hinter den Worten verbirgt – in Liebe, Werbung, Politik.

 

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