Das Ende vor dem Anfang

Leser*innen beginnen ein Buch am Anfang und lesen es bis zum Ende. So zumindest lautet die Theorie, obwohl bekanntlich einige Neugierige vorzeitig einen Blick auf die letzte Seite werfen. Beim Schreiben sieht es manchmal anders aus. Es kann tatsächlich hilfreich sein, ein Buch von hinten zu denken.

Vorteile beim Ende vor dem Anfang

Die Suche nach einem Ende kann zeitraubend sein und sehr belasten. Das ist ein Grund, warum viele Autor*innen ihr Buch vom ersten bis zum letzten Kapitel planen, ehe sie mit dem Schreiben beginnen. Aber selbst wenn die Richtung klar vorgegeben ist und das Ziel explizit benannt wurde, kann es passieren, dass beim Schreiben die Handlung aus dem Ruder läuft. Vielleicht fühlt sich der geplante Abschluss noch nicht wie eine Verpflichtung an, vielleicht sind einige Handlungsfäden im Kopf zu lose verknüpft.

In solchen Fällen kann es helfen, zum Ende zu springen und das letzte Kapitel vorzeitig zu schreiben.

Das bedeutet nicht, dass das letzte Kapitel in dieser Form bleiben muss. Genau wie das erste Kapitel muss das letzte Kapitel mit besonderer Sorgfalt überarbeitet werden. Ist das letzte Kapitel aber erst einmal geschrieben, wird es zum Ankerpunkt der Handlung. Alle Stränge laufen darauf zu. Während des Schreibens an den mittleren Kapiteln ist es nun möglich, immer wieder nachzulesen, ob sich die Handlung in die richtige Richtung entwickelt.

Erwartungen an die letzten Seiten

Die letzten Seiten eines Buchs sind die, auf denen nicht nur die Handlung zu einem Ende kommt. Es sind auch die Seiten, auf denen die Leser*innen entscheiden, ob sie mehr von der Autorin lesen möchten. Wenn das aktuelle Buch ihre Erwartungen erfüllt, hoffen sie, dass das nächste Buch aus der gleichen Feder das auch tun wird.

Wie das Buch enden soll, bestimmt das Genre. Doch unabhängig vom Genre mögen Leser*innen kein abruptes Ende. Cliffhänger, die völlig offen lassen, ob die Charaktere überleben oder ihr großes Ziel erreichen, lassen die Leser*innen unbefriedigt zurück. Sie möchten sehen, wie die Handlungsfäden am Ende verknüpft werden und zumindest eine Ahnung erhalten, wie es für die Charaktere weitergehen könnte.

Daher ist es niemals gut, das Ende mit letzter Kraft zu schreiben. Ein befriedigendes Ende braucht viel Geduld und Sorgfalt, was ein Grund mehr ist, zumindest eine Basisversion zu schreiben, wenn der Enthusiasmus für das Buch stark ist.

Kommentar verfassen

Related Post

Wikipedia in der Recherche – Wissen Sie, wie man die schnelle Enzyklopädie verwendet?Wikipedia in der Recherche – Wissen Sie, wie man die schnelle Enzyklopädie verwendet?

„Ein Lexikon ist keine Quelle“ Mit diesen Worten schockierte eine Professorin uns Erstsemester vor mittlerweile einem Vierteljahrhundert. In der Schule hatte es noch genügt, aus dem Lexikon im elterlichen Regal

%d Bloggern gefällt das: