Hoher Anspruch und das liebe Geld

 Manchmal stößt man auf ähnliche Gedankengänge an unterschiedlichen Ecken der Welt. Im Interview mit wasmitbuechern.de erzählt Tobias Rothenbücher von seiner Arbeit als freier Lektor, bei Jane Friedman schreibt Jarrod Welling-Cann, einer ihrer Studenten, in einen Gastbeitrag über seinen Wunsch, von seiner Arbeit als Musiker leben zu können.

Tobias Rothenbücher schreibt, dass er in seiner Selbstständigkeit die Freude an seiner Arbeit wiedergefunden hat. Er spricht es nicht aus, aber aus seiner Schilderung eines Arbeitstages geht hervor, dass er einen Teil seiner Zeit dazu aufwendet, im persönlichen Gespräch Aufträge zu akquirieren. Neben der Arbeit eines Lektors geht es also um das Herstellen von Beziehungen zu Menschen, die vielleicht (wieder) Kunden werden können. Dieser Teil des Arbeitsalltags wird anders als bei Angestellten nicht direkt bezahlt, die aufgewendete Zeit kann nur in das Honorar eingerechnet werden. Und das Aushandeln der Honorare müsse er noch üben, meint Rothenbücher, denn oft reizten ihn Projekte zu sehr, um auf das Geld zu sehen.

Jarrod Welling-Cann beschreibt in seinem Post die Klischees vom schleimigen Geschäftsmann und dem hungernden Künstler. Beide findet er verständlicherweise nicht ansprechend, der schleimige Geschäftsmann scheint sogar ein Feindbild zu sein. Sein Dilemma ist, dass er gerne von seiner Musik leben können möchte, dass er sich aber weder verkaufen will noch seinem Publikum das Geld aus der Tasche ziehen. Welling-Cann ist zu der Überzeugung gelangt, dass er einen Teil seiner Arbeit, bzw. seines Engagements kostenlos geben muss. Nur so könne er ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinem Publikum aufbauen, welches dann, hoffentlich, bereit ist für seine Musik zu bezahlen.

Der Gedanke, ohne Entgelt zu arbeiten, widerstrebt jedem, der seine Gefühle ehrlich betrachtet. Aber wir müssen uns bewusst machen, wie viel zu gewinnen wäre, gelänge es uns, unsere Arbeit mit Freude zu verrichten, andere Menschen als Personen ernst zu nehmen und auch noch ein angemessenes Einkommen zu erzielen.

Ist dieses Denken reine Utopie? Kann eine Gesellschaft so funktionieren oder ist (Selbst)Ausbeutung notwendig?

 

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