Was ist schon eine Sprache? – Internationaler Tag der Muttersprache 2014

 Seit 2000 begehen Menschen am 21. Februar weltweit den Tag der Muttersprache. Dieser Gedenktag steht im Zeichen der Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit. Über den historischen Hintergrund dieses Tages habe ich bereits hier geschrieben.

Die UNESCO richtet 2014 ihr Augenmerk auf die Rolle lokaler Sprachen in den Naturwissenschaften. Viel Wissen über die Welt wird in lokalen Sprachen weitergegeben. Dieses Wissen steht internationalen Wissenschaftlern nur über mehrsprachige Experten zur Verfügung. Umgekehrt gelangen Ergebnisse internationaler Forschung oft nicht zu den Menschen, die von diesem Wissen direkt betroffen sind, weil sie nicht in lokale Sprachen übersetzt werden. Defizite bestehen auf beiden Seiten. Sie müssen beseitigt werden, um in einer globalisierten Welt allen Menschen Zugang zu Wissen und Austausch zu ermöglichen.

Die Förderung der Mehrsprachigkeit ist von elementarer Bedeutung für diesen freien und gleichberechtigten Zugang zu Wissen. Kinder sprechen lokale Sprachen in ihren Familien, sollen jedoch schon früh an die nationale Sprache herangeführt und in beiden Sprachen alphabetisiert werden. Im Laufe ihrer Schulkarriere können sie weitere Sprachen lernen werden.

Die UNESCO verweist in einer Broschüre auf die Notwendigkeit, Gemeinsamkeiten zwischen Menschen zu betonen und Identitäten zu stärken. In dieser Broschüre betont sie die Bedeutung von Kunst und Kultur für die Menschen.

Immer wenn von lokalen Sprachen die Rede ist, wenn man von Alphabetisierung spricht, schweift der Blick automatisch in den Süden. In Deutschland ist Mehrsprachigkeit die Regel, Alphabetisierung in der Familiensprache wie in der nationalen Sprache ist in vielen Fällen nicht möglich. Insofern belassen wir bewusst bestimmte Erfahrungen im nicht schriftlichen Bereich und schränken die Weitergabe dieser Erfahrungen im Bildungssystem ein. Die Sicht auf die Welt bleibt schmal und verschmälert sich weiter.

Die Pflege der deutschen Sprache hinkt gleichzeitig. Universitäten bilden weiterhin Grundschullehrer aus, die nichts über den Erwerb der Lese- und Schreibkompetenz erfahren. Deutsch als Fremdsprache dümpelt als Masterstudiengang vor sich hin. Dozenten in Integrationskursen können von ihrem Honorar nicht leben. Ausgebildete Gymnasiallehrer verkünden vor der Klasse, dass sie nicht viel von Grammatik halten und lieber Literatur unterrichten. In den Medien tönen Forderungen nach Wirtschaftsunterricht an den Schulen und Verbraucherschutz als eigenes Fach. Sprachbeherrschung und Sprachkompetenz ist etwas, was in Deutschland von „Anderen“ verlangt wird, man aber weder praktiziert noch fördert.

 

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