Was treibt Autoren an?

 geralt_gears-818464_1920_pixabay_kleinerIn der Nachbarschaft und im Bekanntenkreis ernten Sie schiefe und auch mitleidige Blicke, wenn Sie sagen, dass Sie schreiben? Manche Menschen können sich nicht vorstellen, dass Sie freiwillig viele Stunden am Schreibtisch verbringen und Wörter in die Tastatur hacken oder mit Tinte zu Papier bringen. Und Sie sind überzeugt, dass Sie das freiwillig tun …

Was treibt Autoren an?

Geld? – Nun, die Aussicht, mit den eigenen Büchern Millionen zu verdienen, ist düster. Wer nur mit dem Ziel, reich zu werden, schreibt, produziert vielleicht Texte, die sich verkaufen lassen, aber keine, deren Wirkung über das erste Lesen anhält.

Ruhm? – Ruhm ist flüchtig und kann positiv wie negativ ausfallen. Schnell wird man berüchtigt, für die Inhalte oder die Qualität des Geschriebenen.

Therapie? – P. D. James meinte einmal, dass nichts, was einem Autor zust0ße, verloren sei. Gute wie schlechte Erfahrungen schleichen sich in die Texte und in die Charaktere. Schreiben ist sicherlich auch eine Form der Selbsttherapie. Wer nur mit dem Ziel der Verarbeitung und Abrechnung schreibt, legt viel von sich offen und macht sich verletzlich. Fraglich ist auch, ob reine Therapietexte für Leser erträglich und lesenswert sind.

Welterklärung? – Ein missionarischer Drang ist vielen Autoren sicher nicht abzusprechen. Meist äußert er sich diskret, in der Hoffnung, die Leser auf ein Problem aufmerksam zu machen, das sie in der Präsentation durch die Medien nicht mehr wahrnehmen wollen. Eingebettet in eine Handlung erhält das Problem Brisanz.

Ideologie? – Es gab immer wieder, auch in unserer Zeit, Autoren, die ein aktuelles Thema mit ideologischen Thesen verknüpft in eine Handlung einflechten. Solche Bücher sind oft erschreckend erfolgreich und flüstern unaufmerksamen Lesern effektiv Vorurteile ein, bzw. bestätigen unreflektierte Vorstellungen vom “bösen Anderen”.

Was also treibt Autoren an? Was treibt Sie an?

 

 

4 thoughts on “Was treibt Autoren an?”

  1. Carine sagt:

    Ich schreibe, weil ich so viele Bilder im Kopf habe, die ausgedrückt werden wollen. Bilder, die zu Szenen werden, zu Kurztexten, Geschichten und bald auch zu einem Roman :-).

    1. Martina sagt:

      Ja, die Bilder im Kopf. Die habe ich auch. Gut, dass wir sie durch das Schreiben aus dem Kopf bekommen. 😉

  2. Helga sagt:

    Ich schreibe, weil mir so viele Ideen im Kopf herumschwirren, die niedergeschrieben werden wollen. Mir fehlt einfach die Zeit, alle Sparten zu bedienen.

    1. Martina sagt:

      Ja, die Ideen brauchen einen Kanal. Alle sparten zu bedienen schaffen nur wenige in guter Qualität.

Kommentar verfassen

Related Post

Weltflüchtlingstag 2017Weltflüchtlingstag 2017

Gestern war der 17. Juni. An diesem Datum beging Deutschland bis zur Wiedervereinigung den Tag der Deutschen Einheit. Am 17. Juni 1953 kam es in der DDR zu einem Volksaufstand, der von sowjetischen Soldaten niedergeschlagen wurde. Insgesamt flohen aus der DDR (von der Staatsgründung bis zur Wiedervereinigung) mehr als 2,7

Worte, die uns klein machenWorte, die uns klein machen

Wenn ich auf Twitter die Profilbeschreibungen lese, stoße ich bei schreibenden Menschen oft auf die Bezeichnungen Schreiberling und Hobbyautor. Anfangs habe ich das einfach überlesen, aber nach über vier Jahren drängen sich mir diese und andere Selbstbeschreibungen zunehmend auf. In einigen Fällen ist es möglicherweise eine Form der Selbstironie. Ich

%d Bloggern gefällt das: