Emotionen beim Leser wecken

Leser suchen in Büchern Erfahrungen. Sie wollen miterleben, mitdenken, mitfühlen, was die Charaktere durchmachen. Während es relativ unkompliziert ist, den Leser miterleben zu lassen, was den Charakteren widerfährt, ist es deutlich schwieriger, bestimmte emotionale Zustände beim Leser hervorzurufen. Leser bringen ihre individuelle Geschichte und Haltung mit in ein Buch. Was ein Leser fühlt, wenn er unsere Bücher liest, können wir nicht kontrollieren. Dennoch können wir den Leser in Richtung der gewünschten Emotionen lenken und hoffen, dass er empfindet, was er empfinden soll.

Zuvor müssen wir uns verdeutlichen, auf welchem Wege Emotionen vermittelt werden können.

Emotionen beschreiben

Leser haben zu viel gelesen, um durch einen Satz wie Seine Eingeweide krampften sich zusammen vor Angst dazu bewegen zu lassen, selbst Angst zu empfinden. Sie fragen allenfalls Warum? und möchten keine langwierige Erklärung lesen. Ihre Fantasie und ihr Mitgefühl erwachen, wenn wir sie von unerwarteter Seite an eine Emotion heranführen.

Dazu müssen wir akzeptieren, dass Gefühle viel mehr beinhalten als ein Emoji ausdrücken kann. Hinter einem Lachen stecken neben Glück vielleicht Erleichterung, Schadenfreude oder Gehässigkeit. Hinter Tränen lauern neben Trauer auch Erleichterung, Wut oder Scham. Für einen Leser werden die Emotionen eines Charakters interessant, wenn sie einen ungewöhnlichen Blickwinkel auf den Charakter ermöglichen.

Emotionen zeigen

Leser empfinden nicht zwangsläufig Trauer, wenn sie lesen, wie sich ein trauernder Charakter die Haare rauft und weint. Sie empfinden höchstwahrscheinlich auch keine Wut, wenn sie lesen, wie sich der Körper des Charakters anspannt, sein Herz rast und das Blut in seinen Ohren rauscht. Sie empfinden etwas, das je nach ihrer Vorgeschichte dem gezeigten Gefühl nahekommt, zumindest eine Form des Mitgefühls ist.

Glücklicherweise verfallen Leser auch nicht in den Wahnsinn, nur weil sie die verzerrten Wahrnehmungen eines psychotischen Charakters lesen. Starke negative Emotionen und der Verlust von Kontrolle können jedoch abschrecken. In solchen Fällen können wir den Leser von unerwarteter Seite an die Emotion heranführen oder das Verhalten des Charakters nur andeuten. Damit geben wir dem Leser mehr Spielraum für seine Fantasie und die geweckten Emotionen.

Kommentar verfassen

Related Post

Vor, während oder nach dem Schreiben – Wann denke ich über das Genre nach?Vor, während oder nach dem Schreiben – Wann denke ich über das Genre nach?

Genres haben mit den Erwartungen der Leser zu tun. Bücher mit ähnlichen Schauplätzen, Charakteren und Handlungsabläufen werden anhand dieser Ähnlichkeiten einem Genre zugeordnet. In einen Western gehören demnach Cowboys und Indianer. Stehen sich zwei Männer in einer leeren Straße gegenüber, erwarten Leser eine Schießerei. In Horrorgeschichten muss das Böse umgehen,

Schreiben wie ein LeistungssportlerSchreiben wie ein Leistungssportler

aodurch So seltsam es klingen mag, Autorinnen und Leistungssportler haben einige Gemeinsamkeiten. Die wichtigste Gemeinsamkeit ist der Wunsch, besser zu werden. Während aber Leistungssportler unter Anleitung ihrer Trainer ausgeklügelten Programmen folgen, müssen sich Autorinnen und Autoren eigene, individuelle Wege zur Verbesserung suchen, um sich weiterentwickeln zu können. Leistungssportler oder Autor

Autor als Marke?Autor als Marke?

Autor als Marke? Autorin als Produkt? Laut dem Gabler Wirtschaftslexikon ist eine Marke die Summe aller Vorstellungen, die bei Nutzer*innen entstehen sollen, um die eigenen Produkte und Dienstleistungen von denen anderer Anbieter*innen zu unterscheiden. Aber sind nicht die Bücher die Produkte? Autor als Marke – Was sehen Leserinnen und Leser?

%d Bloggern gefällt das: