Sprachen in Lebensgefahr

 Wer Google als Suchmaschine verwendet, hat letzte Woche auf der Google-Starseite einen Link zum Endangered Languages Project (Gefährdete Sprachen Projekt) gefunden. Darin engagiert sich Google für den Erhalt gefährdeter Sprachen. Von den derzeit auf der Erde gesprochenen 6.900 Sprachen werden nach Schätzungen in diesem Jahrhundert zwischen 30% und 90% aussterben.

Im März 2010 veröffentlichte die Gesellschaft für bedrohte Völker gfbv einen Bericht über gefährdete Sprachen. Danach sind gefährdete Sprachen Minderheitensprachen. Diese Minderheiten werden entweder aktiv gezwungen, nicht ihre Sprache, sondern die Mehrheitssprache zu sprechen oder sie sind aufgrund ihrer Unterdrückung und schlechten wirtschaftlichen Lage zu der Ansicht gekommen, ihre Kinder sollten die Sprache der Mehrheit sprechen.

Wichtig für das Überleben einer Sprache ist ihre Weitergabe von Großeltern und Eltern an die Kinder. Geschieht dies, können auch kleine Sprechergruppen ihre Sprache retten.

Es existieren verschiedene Einteilungen für die Gefährdung von Sprachen. Folgende grobe Übersicht findet sich bei Wikipedia:

1. Potentiell gefährdet

Eine Sprache mit relativ hoher Sprecherzahl, die auch in großen Teilen des Verbreitungsgebietes an die nachfolgende Generation weitergegeben wird. Jedoch ist eine solche Sprache keine offizielle Verwaltungssprache und auch nicht im Bildungssystem präsent.

Zu den potentiell gefährdeten Sprachen zählen Kurdisch und Weißrussisch.

2. Gefährdet

Eine Sprache, die nur noch in kleinen Teilen des Verbreitungsgebietes an die jüngere Generation weitergegeben wird.

Zu den gefährdeten Sprachen zählen Obersorbisch und Walisisch.

3. Ernsthaft gefährdet

Eine Sprache, die nur noch ausnahmsweise an die jüngere Generation weitergegeben wird. Die erwachsenen Sprecher beherrschen die Mehrheitssprache deutlich besser.

Zu den ernsthaft gefährdeten Sprachen zählen Niedersorbisch und Saterfriesisch.

4. Moribund/dem Tod geweiht

Eine Sprache, die nur noch von einigen Halbsprechern und der älteren Generation gesprochen wird.

Zu den moribunden Sprachen zählen viele indianische und australische Sprachen.

Eine Sprache kann in einem bestimmten Verbreitungsgebiet gefährdet, in einem anderen jedoch stabil sein und selbst Minderheitensprachen verdrängen. Dies ist etwa der Fall, wenn das Verbreitungsgebiet auch Staatsgebiet ist. So ist Dänisch im Norden von Schleswig-Holstein Minderheitensprache, in Dänemark jedoch Amtssprache. Ähnliches gilt für Deutsch in Polen.

In der EU sind Minderheitensprachen durch die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen geschützt. Die Umsetzung der Charta in den Mitgliedsländern ist jedoch sehr unterschiedlich.

In Deutschland gelten 13 Sprachen als gefährdet. Dazu gehören das Nordfriesische mit rund 10.000 Sprechern und das Saterfriesische mit nur noch 1.000 Sprechern. Etwa 20.000 Sprecher beherrschen noch das Sorbische. Weitere gefährdete Sprachen in Deutschland sind Alemannisch, Bairisch, Jütländisch, Limburgisch-Ripuarisch, Luxemburgisch, Niedersächsisch, Ostfränkisch und Rheinfränkisch. Romani ist die Sprache der Sinti und Roma, während Jiddisch hauptsächlich von Juden gesprochen wird.

 

 

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