Vampire: lediglich elgante Herren mit spitzen Zähnen?

 Vampire sind immer gut für angenehmes Gruseln. Ob Bram Stokers Dracula, die Twilight-Trilogie oder die Vampirschwestern, Vampire in Buch und Film faszinieren. Aber warum interessieren wir uns für bleiche Personen mit ungewöhnlichen Schlaf- und Essgewohnheiten?

Der Vampir-Glauben ist alt. Schon im elften Jahrhundert finden sich in Südosteuropa erste Geschichten. Im 18.en Jahrhundert gibt es erste Vampirgeschichten im deutschsprachigen Raum. Im 19.en Jahrhundert brachten die Briten Bram Stoker und Sheridan Le Fanu Vampire zu  dem Ruhm, den sie heute genießen.

Vampire erscheinen oft als nicht mehr ganz junge Herren von untadeliger Eleganz. Sie sind blass und scheuen Tageslicht sowie religiöse Symbole. Frauen finden sie anziehend. Damals wie heute hat diese Anziehung böse Folgen: Wer dem Vampir zu nahe kommt, ist verloren. Der Biss des Vampirs schafft einen neuen Vampir. Die daraus resultierende Lehre bleibt gleich: Entweder du wirst durch deine anstößige Nähe zu einem Verführer ungeeignet für die Ehe und die gute Gesellschaft oder du verlierst deine Autonomie als rational handelnde Frau und unterwirfst dich deinen Trieben. Sex, lernen wir, kann zum Problem werden. Dabei muss der Mann nicht einmal zubeißen. Sexualität, Kraft und Unsterblichkeit zeichnen den Vampir schon in den frühesten Erwähnungen aus.

Auch weibliche Vampire treten auf: blass, mit großen Augen und roten Lippen. Sie zeigen Ähnlichkeit mit an Tuberkulose erkrankten Frauen. Die Geißel des 19.en Jahrhunderts verlieh vielen ihrer Opfer eine durchscheinende Haut  wie in einem Marienbild, dazu einen Lebenshunger, der  ihre Kräfte überstieg und Ansteckung für ihre Mitmenschen bedeutete. Die Kameliendame litt an Tuberkulose. Sie verführte den jungen Mann, nahm sein Geld und zwang ihn durch seine Liebe zu ihr zu einem Leben außerhalb der Gesellschaft.

Selbst in den für junge Mädchen aufbereiteten Geschichten um die Vampirschwestern sind die vampirischen Triebe nicht zu unterdrücken. Zwar haben die Eltern einen Modus für ein Zusammenleben zwischen Vampir-Mann  und Menschen-Frau gefunden. Bei den pubertierenden Töchtern brechen die vampirischen Anteile hervor, wenn ihnen ein süßer Junge Nachhilfestunden gibt oder ihr Leben, bzw. ihre Existenz in Gefahr ist.

Vampire stehen für mehr als gutangezogene Verführer, die unsere Halsschlagader fest im Blick halten. Sie stehen für die dunklen Seiten der menschlichen Seele, die das Zusammenleben unter allen Umständen schwierig machen. Auch wenn die spitzen Zähne fehlen, Vampire erscheinen in unterschiedlicher Gestalt, wenn es um den Missbrauch von Macht und Abhängigkeit geht.

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