Wieken-Verlag Autorenservice Autoren Was heißt heute Medienkompetenz für Autoren?

Was heißt heute Medienkompetenz für Autoren?

 geralt_demonstration-1466472_1920_pixabay_kleinerVor zwanzig Jahren kamen motivierte Lehrer an die Uni und erzählten den Studenten, dass Schüler am PC mit der Copy-and-Paste-Methode Schülerzeitungen zusammenstellen und E-Mails an Schüler der Partnerschulen verschicken können sollten. Das hieße Medienkompetenz entwickeln. Nicht wenige Studenten hielten diese Entwicklung für gefährlich. Einige dieser Studenten sind heute Lehrer in mittleren Jahren, einige schreiben nebenher Bücher. Wie sieht es mit ihrer Medienkompetenz aus?

Heute ist technisch vieles möglich, das vor zwanzig Jahren als Erfindung alberner Science Fiction-Serien abgetan wurde. Die meisten Lehrer wissen mit ihrem Smartphone umzugehen und besitzen einen Computer. Die meisten Autoren auch. Die Schere zwischen denjenigen, die die Möglichkeiten neuer Medien nutzen, und den chronischen Verweigerern geht weiter auf.

Solange ich per E-Mail Manuskripte erhalte, die aussehen, als wären sie mit der Schreibmaschine getippt worden, fürchte ich, ist es mit der Medienkompetenz von Autoren nicht weit her. Auch die Benennung der Dateien ist erstaunlich wenig durchdacht. Es ist mir gleichgültig, wie die Manuskriptdatei auf dem Rechner des Autors heißt. Wenn sie in meinem Postfach landet, wäre es schön, wenn sie den Titel des Manuskripts und im Idealfall auch den Namen des Autors enthält. Manuskript1 ist kein guter Name, außer das Manuskript trägt diesen Titel.

Wenn ein Manuskript von Fehlern strotzt, die leicht mit einem Rechtschreibprogramm gefunden und korrigiert werden können, dann hat jemand die Mühe gescheut, den Text selbst durchzuarbeiten, wusste nichts von der Existenz eines Rechtschreibprogramms oder wollte von strukturellen Problemen des Manuskripts ablenken. Alle drei Fälle sprechen von fehlendem Handwerkszeug, einer von mangelnder Medienkompetenz. Manchmal glaubt man, am Text zu sehen, welche Passagen im heimischen Büro geschrieben und welche auf der Parkbank ins Telefon getippt wurden. Es ist schön, dass der Autor sein Telefon auch zum Schreiben benutzt, er versteht nur nicht, den Text mit anderen Mitteln – auch des Telefons – zu überarbeiten.

Wenn diskutiert wird, wie viel Informatik Schüler lernen sollen und ob Augmented Reality Teil des Unterrichts sein kann, geht es in der Praxis immer noch darum, ob jemand in der Lage ist, einen Text so zu präsentieren, dass er lesbar ist und Basis für eine Bearbeitung sein kann. Grundlegende Medienkompetenz ist leider viel zu wenig verbreitet. Vermutlich ist das auch ein Grund, warum digitale Unterstützung des Lernens an Schulen so ablehnend gesehen wird.

Kommentar verfassen

Related Post

Fortsetzungsroman: Charles Dickens als Vorbild?Fortsetzungsroman: Charles Dickens als Vorbild?

Im neunzehnten Jahrhundert veröffentlichten viele Autoren ihre Bücher als Fortsetzungsroman. Die Gründe dafür waren unterschiedlich, ebenso die Konzepte. Einige Autoren hatten ein vollständiges Manuskript vorliegen, andere schrieben sich von Folge zu Folge. Die Veröffentlichung umfangreicher Romane in Appetithappen sollte Leser auf das Werk aufmerksam machen. In regelmäßigen Abständen konnte man über eine neue

Die Angst vor den Augen der anderenDie Angst vor den Augen der anderen

Geschriebene Texte wollen gelesen werden. Eigentlich ist das der Wunsch ihres Schöpfers. In einen Text fließen Gedanken und Gefühle, Vorstellungen und Ideen. Selbst wenn sie eine Art „Denkhilfe“ für den Autor sind, wenn er nur schreibt, um seine eigene Stellungnahme über die Welt besser zu verstehen, eine oft unspezifische Zielgruppe

Was ist ein guter Schreibstil? Steven Pinker warnt vor blindem GehorsamWas ist ein guter Schreibstil? Steven Pinker warnt vor blindem Gehorsam

Was unterscheidet eigentlich Sprechen und Schreiben? Beim Sprechen stehen Sprecher und Zuhörer in einem direkten und wechselnden Austausch, der über die Sprache andere Signale wie Körperhaltung, Blickkontakt und Elemente wie Nicken, Kopfschütteln, Stirnrunzeln, und auch bestimmte Laute beinhaltet. Sprechen ist spontan. Ein guter Sprecher oder Redner erreicht uns nicht nur

%d Bloggern gefällt das: