By | 22. Juli 2018

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Lothar Birkner Schreibversuche

Meine ersten Schreibversuche

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann erkenne ich viele unerwartete Entwicklungen und Wendungen und manche Dinge erscheinen im Nachhinein in einem ganz anderem Licht als früher. So ist es auch mit dem Schreiben. Mein erstes Buch habe ich im Alter von 65 Jahren veröffentlicht. Aber die ersten Schreibversuche liegen fast 50 Jahren früher. Dies wurde mir selbst erst anlässlich eines Treffens mit ehemaligen Schulfreunden klar. Einer von ihnen überreichte mir bei dieser Gelegenheit eine Kopie meines ersten bescheidenen schriftstellerischen Werks. Es war die etwas fantasievolle und launig ausgeschmückte Chronik eines Schul-Landheimaufenthaltes, die ich im Alter von 16 Jahren geschrieben hatte.

Als ich diese in Händen hielt, kamen manche Erinnerungen in mir wieder ins Bewusstsein. Damals wurde das, was ich als Schüler zu Papier gebracht hatte, von vielen Freunden und auch von Lehrern gelobt, sie behaupteten ich hätte Talent zum Schreiben und sollte dies auch weiter ausbauen. Ich machte in den folgenden zwei Jahren einige Versuche, die bei unvollendeten Fragmenten blieben und leider im Laufe der Jahre verschollen sind. Während des Studiums waren meine Interessen so vielfältig, dass ich die Schreibversuche einstellte. Später war ich meistens beruflich so eingespannt, dass viel zu wenig Zeit vorhanden war. Geld zu verdienen war schließlich wichtiger, eine Familie musste ernährt werden und Schriftstellerei ist bekanntlich meistens eine brotlose Kunst. So kam ich gar nicht mehr auf die Idee, es mit Schreiben zu versuchen.

Es vergingen also mehrere Jahrzehnte, in denen ich zwar eine sehr intensive Beziehung zu Büchern hatte, aber immer nur als Leser. Erst als mein beruflicher Lebensweg sich dem Ende zuneigte, habe ich öfter mir die Frage gestellt: Hast du eigentlich das im Leben gemacht, was dir wirklich vorgeschwebt hat? Die Antwort war: Meistens nicht. Und ich fragte mich, stelle dir vor, für deinen Lebensunterhalt wäre immer genug Geld dagewesen, was hättest du gemacht? Die Antwort war: Ich wäre Schriftsteller geworden.

Wenn man sich mit fast Mitte 60 diese Frage stellt, was macht man dann? Einfach sagen: Leider dumm gelaufen, es war nun mal anders? Fast hätte ich das gemacht. Aber das war eine Stimme in mir, die sagte: Jammer nicht rum, mach es einfach jetzt. Und irgendwo las ich zufällig in dem Buch „Illusionen“ von Richard Bach: „Es gibt einen einfachen Test, um festzustellen, ob deine Lebensaufgabe schon erfüllt ist. Wenn du noch lebst, ist sie es noch nicht.“ Dies gab mir den letzten Anstoß und ich begann mein erstes Buch „Gott aber schweigt“ zu schreiben. Und siehe da, es gab tatsächlich Leute, denen hat das Buch gefallen. Es folgte „Die Macht des Schicksals“ und „Und die da Reden von Vergessen“. Inzwischen habe ich von „Gott aber schweigt“ auch eine englischsprachige Fassung unter dem Titel „Whoever Kills The Innocent“ veröffentlicht.

Übrigens ich habe mich kürzlich mit dem englischen Aktivisten und Schriftsteller Harry Leslie Smith ausgetauscht. Er sagte mir, sein erstes Buch habe er im Alter von 85 Jahren veröffentlicht. Abschließend meine Botschaft an Euch: Wenn Ihr eine Idee habt, was Ihr im Leben machen möchtet und diese Idee kommt immer wieder, sei es Schreiben, oder etwas Anderes. Zögert nicht lange, Macht es!

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