By | 18. Februar 2018

Ein flüchtiger Blick über die Büchergruppen bei Facebook weckt den Eindruck, dass Gewalt gegen Frauen das Normale ist. Mehr oder weniger kunstvoll drapiert sind es in den allermeisten Fällen Frauenkörper, die Leser einladen, die blutigen Morde als irre dargestellten Serientätern zu konsumieren. Diesem Trend will der Buchpreis Staunch Book Award entgegenwirken. Doch nicht alle Autorinnen sind mit der Ausrichtung des Buchpreises einverstanden.

Ziel des von Bridget Lawless initiierten Buchpreises ist, Öffentlichkeit für Krimis und Thriller zu schaffen, in denen Frauen nicht gestalkt, missbraucht, sexuell ausgebeutet oder ermordet werden. Gesucht werden starke Protagonistinnen, die für sich selbst einstehen.

Die Reaktionen auf dieses Ansinnen fallen unterschiedlich aus. Auf der Seite des amerikanischen Senders NBC äußern sich Krimi- und Thrillerautorinnen von wohlwollend bis skeptisch. Die Autorin Laura Lippman hält den Anspruch des Staunch Book Award für „wohlmeinend und unmöglich“ zugleich. Julia Dahl befürchtet, dass weniger Frauen in Krimis und Thrillern dargestellt werden könnten. Mary Higgins Clark hält die Idee für interessant. Jessica Knoll weist darauf hin, dass weibliche Charaktere oft erst Opfer werden müssen, um sich entwickeln zu können. Dies geschehe nicht mit männlichen Chrakteren.

Im britischen Guardian bedauert Sophie Hannah, dass der Preis nicht Gewalt gegen Frauen thematisiert, sondern das Schreiben über die Gewalt gegen Frauen. Sie geht so weit zu behaupten, der Preis solle vor Krimis und Thrillern abschrecken. Val McDermid möchte ihre Verleger bitten, ihre Bücher nicht für den Preis einzureichen. Sie ärgert sich, dass Autoren, die versuchen Gewalt gegen und von Frauen in ihrer Komplexität darzustellen, mit denen gleichgesetzt werden, die Gewalt lediglich dazu verwenden, Aufmerksamkeit für mittelmäßige Bücher zu gewinnen.

 

 

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