Überlebensstrategien für Autoren

Überlebensstrategien

Als Kind hatte ich ein kleines Taschenbuch mit Überlebensstrategien in der Wildnis, für den Fall, dass ich auf einer einsamen Insel stranden oder mich am Nordpol verlaufen würde. Darin stand, wie ein Kompass funktioniert und dass man Streichhölzer in flüssiges Wachs tauchen sollte, damit sie nicht feucht werden. Strategien, die Autor*innen das Überleben sichern sollen, benötigen weniger Ausrüstung, dafür aber eine klare Haltung.

Überlebensstrategien oder Überlebenshaltung?

Was ist das Äquivalent für einen Kompass, mit dem Autor*innen einen Pfad durch den Dschungel der sozialen Medien und die Wüste der Verlage finden können? Um in dieser oft rauen und unwirtlichen Umwelt zu überleben, brauchen Autor*innen Menschen und Informationen. Aber vor allem brauchen sie Kräfte, die sie in ihrem Inneren vor der Unbill da draußen schützen, oder wenigstens dagegen stärken können.

Zwei Fragen sollten sich Autor*innen stellen – und die Antworten nicht vergessen.

Die erste Frage kann ein bisschen unangenehm sein, denn sie geht tief: Warum schreibe ich eigentlich? Im Grunde gibt es darauf zwei Antworten. Die eine Antwort macht angreifbar und unsicher, die andere kann das Fundament ihres Schreiblebens werden. Schreibe ich, um veröffentlicht zu werden? Schreibe ich, weil ich das Schreiben liebe und genieße?

Selbstverständlich ist es in Ordnung, oft sogar ein guter Ansporn, die Aufmerksamkeit vieler Menschen und einiger wichtiger Persönlichkeiten zu gewinnen. Doch wer ausschließlich mit dem Ziel schreibt, veröffentlicht zu werden, baut auf ein Interesse, das plötzlich wegbrechen kann. Das viel zitierte Brennen für das Schreiben, für das Kreative, ist immer da und kann als Taschenlampe in der Dunkelheit dienen.

Die zweite Frage kennen wir aus dem Buchmarketing: Für wen schreibe ich? Anders als im Marketing geht es um reale Menschen, nicht um Zielgruppen. Wenigstens eine Person sollte gemeint sein: Ich. So haben wir angefangen, mit kleinen Geschichten nur für uns. Wir sind unser wichtigster Leser, unsere wichtigste Leserin. Die zweite Person, für die wir schreiben, kann sich mit jeden Text ändern, manchmal ändert sie sich mit jedem Kapitel. Es kann unsere Partnerin oder unser Partner sein, jemand, den wir nicht kennen, dessen Kommentar in einem sozialen Medium uns aber gefallen hat.

Was sind schon Zahlen?

Wir haben uns daran gewöhnt, uns ständig mit anderen zu vergleichen. Dabei können wir uns selbst aus den Augen verlieren. Andere Autor*innen verkaufen mehr Bücher, haben mehr Follower in den sozialen Medien, waren in der Zeitung, sogar im Fernsehen?

Überlebensstrategien sollen uns auf Kurs halten, bis wir unseren sicheren Ort erreicht haben. Als Autor*innen müssen wir darum ringen, unseren eigenen Weg zu finden, unseren eigenen Schreibstil zu entwickeln unsere eigene Sichtweise auf ein Thema darzustellen. Andere sind vielleicht erfolgreicher als wir. Aber wir haben auch Leser*innen. Und diese Leser*innen schätzen an uns etwas, was sie bei den anderen nicht finden. Wir sind wir. Einzigartig.

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