Wieken-Verlag Autorenservice Autoren,Schreiben Neid – Wann ist er gesund?

Neid – Wann ist er gesund?

Zwei Personen sitzen im Hintergrund an einem Tisch. Vermutlich ist es in einem Restaurant. Eine Frau sieht hinter vorgehaltener Hand zu ihnen. Ist Neid?

Zwei Personen sitzen im Hintergrund an einem Tisch. Vermutlich ist es in einem Restaurant. Eine Frau sieht hinter vorgehaltener Hand zu ihnen. Ist Neid?

Neid ist kein schönes Wort. Seine Synonyme sind Missgunst, Eifersucht, Gehässigkeit, Begehrlichkeit. Auch wenn die Bedeutungen ein klein wenig abweichen, ist nicht zu übersehen, wie negativ das dahinterstehende Gefühl allgemein empfunden wird. Wie kann so ein Gefühl gesund und positiv sein? Doch unter bestimmten Umständen kann Neid anspornen. Es kommt auf die Haltung an.

Neid und Begehrlichkeit schaden

Wir leben in einer Zeit, in der große Teile unseres Lebens öffentlich sind. Das gilt besonders für Menschen, die schreiben. Wir wollen andere Menschen auf unsere Bücher aufmerksam machen, deshalb bloggen wir, posten wir in sozialen Medien und suchen bei Lesungen die Öffentlichkeit. Das unterscheidet das Leben und Arbeiten von Schreibenden heute von dem früherer Generationen.

Wenn wir dann sehen, dass andere Schreibende viel Aufmerksamkeit erhalten, dass über sie berichtet wird und sie Preise gewinnen, Verkaufsranglisten anführen, als populär bezeichnet werden, spüren wir einen Krampf im Magen. Es schleicht sich die Frage ein: Warum? Warum ist gerade diese Person so erfolgreich? Warum gelten ihre Bücher als gut? Warum sprechen Menschen auf Partys über sie?

Warum nicht über uns?

Dieser Neid ist Begehrlichkeit. Wir möchten etwas besitzen, was andere haben. Aufmerksamkeit, Bekanntheit, Erfolg.

Der Bauch krampft, die Stimmung sinkt. Wir gönnen den anderen den Erfolg nicht.

Dabei blicken wir immer auf die anderen. Wir blenden aus, dass sie hart für den Erfolg gearbeitet haben. Dass sie in einsamen Nächten gezweifelt haben, ob sie ihr Buch jemals fertig schreiben werden. Dass sie befürchtet haben, dass niemand ihr Buch lesen wird. Dass sie überzeugt waren, mit diesem Buch die Kette des Erfolgs endgültig abreißen zu lassen.

Dass es ihnen ergangen ist wie uns.

Neid als Anerkennung einer Leistung spornt an

Dabei ist es vor allem eine Frage der Haltung, wie wir mit dem Erfolg anderer umgehen. Schließlich kennen wir die Zweifel, die beim Schreiben und Überarbeiten auftauchen. Wir haben die zahlreichen Absagen von Verlagen und Agenturen auch erhalten.

Weil wir diese negativen Gefühle kennen und die schlechten Erfahrungen gemacht haben, sind wir auch in der Lage, wertzuschätzen. Wir erkennen ein gutes Buch beim Lesen. Wir wissen, wie viel Arbeit darin steckt.

Und wir sagen uns, dass wir es auch schaffen wollen.

Wir wollen unser Manuskript zu Ende schreiben und fertig überarbeiten. Wir wollen ein Buch in die Welt schicken. Das Buch soll unsere Erwartungen in uns selbst übertreffen, es soll zeigen, was wir können und dass wir durchhalten.

Mit dieser Haltung setzen wir uns an den Schreibtisch und tun etwas, was gut für uns ist. Wir schreiben selbst das gute Buch.

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