Den Stil anderer Autoren imitieren – eine gute Übung?

 Wir streben nach unserem eigenen Stil, unserer besonderen Ausdrucksweise. Um so merkwürdiger erscheint der Rat, den Schreibstil großer Autoren zu imitieren. Viele Aufsätze zum Thema beginnen mit diesem Hinweis auf diesen scheinbaren Widerspruch, beispielsweise Donna Gorrells Text, auf die ich mich weiter unten beziehe.

Doch was können Sie lernen, wenn Sie schreiben wie Autor XY?

Gibt es Gefahren bei so einer Übung?

Der  Begriff Imitation tritt in sehr unterschiedlichen Fachbereichen auf, wie die Übersichtsseite bei Wikipedia zeigt.

Der Sinn des Imitierens

Befürworter des Imitierens von Schreibstilen sehen einige Vorteile für den Autor auf der Suche nach eigenen Ausdrucksmöglichkeiten. Eine Zusammenfassung zum Thema Imitieren von Schreibstilen können Sie bei Donna Gorrell nachlesen. Sie verwendet Imitation im Sinne von Lernen am Modell.

  • Imitation ist ein wichtiger Bereich des Lernens. Wenn Sie sich an einem Modell orientieren, sparen Sie Zeit, die ansonsten für die Produktion von ihren Lesern nicht verständlichen Experimenten geopfert worden wäre.
  • Die Imitation von Modellen in einer Lernumgebung ist eine Vorbereitung auf das Schreiben für ein weiteres Publikum. Dem eigenen Schreiben geht die Analyse des Modells voraus, die Imitation von ausgewählten Eigenschaften des Modells schult Teilbereiche der eigenen Schreibkompetenz.
  • Am Modell lässt sich erkennen, was funktioniert und wie etwas funktioniert. Bei der Analyse eines Stils, lernen Sie neue und ungewöhnliche Strukturen kennen, sei es in der Grammatik oder auf der  Wortebene.
  • Die vorgegebene Form lässt Freiraum für den Inhalt. Wenn  Sie Vorgaben für die Anordnung und Präsentation Ihrer Ideen haben, können Sie sich auf die Entwicklung Ihrer Ideen konzentrieren.
  • Je erfahrener Sie in der Präsentation Ihrer Ideen sind, desto freier gehen Sie mit dem Modell um und desto weniger brauchen Sie zu imitieren. Durch das Analysieren und Imitieren von Stilen haben Sie eigene Ausdrucksmöglichkeiten gefunden.

Die Gefahren des Imitierens

Obwohl das Imitieren eine alte Technik ist, hört man oft kritische Stimmen.

  • Die Form bekommt mehr Bedeutung als der Inhalt. Wenn Sie sich auf die von Ihrem Modell vorgegebene Form konzentrieren, vernachlässigen Sie die Schaffung neuer Ideen.
  •  Die Orientierung am Modell verhindert die Entwicklung des eigenen Stils. Wenn Sie sich an den Rahmen des Modells halten, finden Sie zu wenig Raum für Experimente.

Sehr oft wird das Imitieren mit dem Kopieren oder dem, was auf Deutsch “Nachmachen” heißt, verwechselt. Die Verfechter des Imitierens als Übung für Autoren betonen jedoch immer die Analyse, die der Anwendung vorausgeht.

Haben Sie jemals bewusst den Stil anderer Autoren imitiert? Zu welchem Zweck haben Sie imitiert? Welche Erfahrungen haben Sie gewonnen? Schreiben Sie über Ihre Erfahrungen in den Kommentaren.

Kommentar verfassen

Related Post

Facebook – Nutzen jenseits des Traums von hohen BuchverkäufenFacebook – Nutzen jenseits des Traums von hohen Buchverkäufen

Facebook ist für viele von uns eine Art digitales Wohnzimmer. Deshalb unterscheiden sich typische Posts auf Facebook von denen in anderen Netzwerken, etwa bei Twitter. Schöne Bilder und Sprüche, anregende Posts und viel Austausch über persönliche Erfahrungen stehen im Mittelpunkt. Autoren können natürlich über ihre Bücher berichten und uns anregen

Vom Leser zum AutorVom Leser zum Autor

Auf dem Weg vom Leser zum Autor wirken mehrere Kräfte auf ein Individuum ein. Da sind verschiedene Einflüsse und da sind verschiedene Voraussetzungen. Während die Einflüsse variieren, sind die Voraussetzungen immer gleich. Vom Leser zum Autor – die Einflüsse Die Einflüsse, die einen Leser oder eine Leserin dazu bringen, selbst

%d Bloggern gefällt das: