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Emotionen während des Schreibens


 Kennen Sie das auch, dass Sie während des Schreibens die Zähne zusammenbeißen, weil der Protagonist gerade Schmerzen hat, oder anfangen zu weinen, weil die Protagonistin in Liebeskummer zerfließt? Damit sind Sie nicht allein. Wenn wir schreiben, versetzen wir uns in unsere Charaktere und erleben die Handlung durch sie. Das hilft uns, die Empfindungen dieser erfundenen Personen möglichst realitätsnah zu schildern, damit auch Leser sich in sie hineinversetzen können.

Auch äußere Ereignisse beeinflussen uns während des Schreibens. Vielleicht haben wir uns über eine Nachricht geärgert und verwerten sie, bewusst oder unbewusst, in unseren Texten. Vielleicht möchten wir mit unseren Texten bewusst auf einen Missstand hinweisen.

Unsere Gefühle bestimmen die Wahl des Themas, die Anlage der Charaktere, die Stimmung des Gesamttextes und der einzelnen Szenen. Dabei laufen wir Gefahr, an unseren Lesern vorbeizuschreiben. Unsere Leser kennen die Charaktere kaum. Sie wissen auch nicht, was wir am Morgen, ehe wir eine Szene geschrieben haben, erleben mussten.

Während des Schreibens dürfen wir unsere Emotionen laufen lassen. Bei der Überarbeitung müssen wir sie wieder einfangen und in Bahnen lenken, denen die Gedanken der Leser folgen können. Darum sind Schreiben und Überarbeiten zwei unterschiedliche Arbeitsgänge, die auch unterschiedlichen Phasen des kreativen Prozesses angehören. Beim Überarbeiten sollten wir unsere Emotionen bannen und den Text so nüchtern und kritisch wir möglich lesen. Dabei hilft es übrigens, an einem anderen Ort zu arbeiten als während der Schreibphase. Schon ein anderer Tisch im gleichen Raum hilft Ihnen zu erinnern, dass Sie jetzt nicht kreativ und emotional sein dürfen, sondern objektiv und streng.

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