By | 26. Januar 2020

Beschreibungen im Roman

Beschreibungen im Roman werden manchmal negativ dargestellt. Als Beispiele greift man dabei auf Texte aus dem neunzehnten Jahrhundert zurück. Dort findet man seitenlange Einschübe, in denen die Schönheit der Landschaft besungen, die Handlung aus heutiger Sicht aber nicht vorangebracht wird.  Doch Beschreibungen haben ihren Platz in Romanen, so wie Dialoge, Handlung, Schauplatz der Szene.

Beschreibungen im Roman – Bilder erwecken

In Romanen dienen Beschreibungen dazu, in den Leser*innen Bilder von Personen, vom Ort der Handlung oder von einzelnen Gegenständen zu erwecken. Aber diese Beschreibungen sollen nicht Selbstzweck sein. Sie sollen helfen, die Handlungen der Charaktere einzuordnen und besser nachvollziehen zu können. Dazu muss ein Zusammenhang zwischen dem Beschriebenen und den Charakteren und deren Handlungen bestehen. Besteht dieser Zusammenhang nicht, kann sich die Beschreibung irritierend oder gar störend auf den Lesefluss auswirken.

Beschreibung und Handlung (und Autor*in) wirken zusammen

Wenn auf der ersten Seite des Buches ein Charakter in einer Landschaft vorgestellt wird, muss die Beschreibung dieser Landschaft eine Bedeutung für den Charakter und die Situation, in der er sich befindet und handelt, haben. Alles, was der Charakter tut, was er denkt und was andere Charaktere mit ihm und um ihn tun, muss durch das Beschriebene verstanden werden können. Sitzt der Charakter an einem schwülen Sommerabend auf einer Waldlichtung, während Mücken um ihn schwirren, müssen die Schwüle, die Bäume und die Mücken auch Teile der Handlung sein.

Anderenfalls entstehen in den Leser*innen Fragen, die sie vom weiteren Lesen abhalten. Warum ausgerechnet eine Waldlichtung? Vielleicht verstecken sich Menschen oder Tiere jetzt oder in der Vergangenheit hinter den Bäumen. Warum ein schwüler Sommerabend statt eines frostigen Wintermorgens? Welche Bedeutung haben die Mücken?

Es ist möglich, dass Autor*innen diese Beschreibungen für ihren Schreibvorgang benötigen. Dessen sollten sie bewusst sein. In diesem Fall können die Beschreibungen in späteren Arbeitsschritten gekürzt oder gestrichen werden. Sind die Beschreibungen jedoch für die Handlung wichtig, kann man sie nicht streichen, sondern sollte sie integrieren.

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