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Was Nicht-Schreibende über das Schreiben denken

Nicht-Schreibende

Wer schreibt, stößt früher oder später auf bestimmte Vorstellungen, die Nicht-Schreibende über das Schreiben hegen. Diese Vorstellungen sind international weit verbreitet und zeugen von einer Mischung aus fehlenden Informationen, Bewunderung, Ängsten und Neid.

Nicht-Schreibende und … Bewunderung

Wer schreibt, sitzt stundenlang im abgedunkelten Zimmer, lebt von schwarzem Kaffee und Rotwein und schreibt sich die Finger blutig. Das nicht nur an einem Tag, sondern über Wochen, Monate, Jahre. Am Ende dieses Prozesses steht ein dickes Buch in makelloser Prosa auf blütenweißem Papier, gebunden in edlem Leinen. Zweihunderttausend, fünfhunderttausend Wörter. Lange Sätze. Fehlerfrei.

Das können Sterbliche wie ich nicht schaffen.

… Ängste

In die Bewunderung mischt sich die Frage, wie das alles sein kann. Wer schreibt lieber, statt zu einer Grillparty zu gehen? Wer sitzt den ganzen Tag im Licht des Laptop-Displays, wenn draußen die liebe Sonne scheint? Ist so eine Person nicht … anders? Krank? Gefährlich?

Klischees über Kreative beinhalten oft diesen Hauch von Wahnsinn und körperlicher Krankheit. Oder moralischer Verwerflichkeit. Eine Andersartigkeit, die medizinisch, religiös oder politisch verfolgt werden sollte. Wenn die Autoritäten nicht reagieren, darf man auch als Privatperson anonyme Briefe schreiben oder in sozialen Medien zynische Kommentare schreiben.

… Neid

Das Gegenteil der Vorstellung vom Kreativen mit beinahe göttlicher Schaffenskraft (von den Musen geküsst!) steckt in der Erkenntnis, dass in unserer Gesellschaft die meisten Erwachsenen lesen und schreiben können. Folglich muss auch jeder Mensch in der Lage sein, einen Roman zu schreiben. Erst recht ein Gedicht, die sind schließlich kurz.

In jedem Menschen steckt ein Buch, heißt es. Alles, was notwendig ist, ist die Zeit, sich hinzusetzen und zu schreiben. Nicht-Schreibende blenden aus, dass Zeit nur ein Faktor ist. Zwar klagen Schreibende über ihren Mangel an Zeit, aber wenn sie schreiben, bringen sie noch andere Voraussetzungen mit. Fantasie. Geduld. Leidenschaft.

Diese und viele andere Eigenschaften vereinen sich in Schreibenden. Im Unterschied zu Nicht-Schreibenden gelingt es ihnen, Energie aus diesen unterschiedlichen Eigenschaften zu ziehen und konzentriert an ihren Geschichten zu schreiben. Oder die Geschichten zu erzählen, denn das Erzählen ist noch älter.

 

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