By | 15. Februar 2018

Wer schreiben will, spürt immer wieder innere Widerstände, die die Kreativität einschränken. Dies ist der dritte Teil einer Serie mit sechs Teilen, in der ich die hartnäckigen Überzeugungen, die Autoren am Schreiben hindern, untersuche.

Die Statistiken können abschrecken: 2015 erschienen in Deutschland 76.547 Erstauflagen von Büchern, hinzu kommen Neuauflagen älterer Titel und all die Bücher, die in den Jahren zuvor erschienen sind. Wie, fragen sich Autoren in schwachen Momenten, kann mein Buch gegen diese Menge an anderen Büchern bestehen? Ich bin eine(r) unter vielen, niemand sieht auf mich, meine Worte bleiben ungelesen und unbeachtet. Am besten, ich versuche gar nicht erst, meine bescheidenen Fähigkeiten an einem Text auszuprobieren.

Eines der Merkmale unserer Gesellschaft ist Vielfalt. Wir haben zahlreiche Lebensstile und Kleidungsstile, wir haben Restaurants für unterschiedlichste Geschmäcker und an den Marktständen eine große Auswahl verschiedenster Gemüse. Ziehen wir in die Natur, finden wir eine Vielfalt an Blumen, Insekten und anderen Tieren. Alle haben ihre Bewunderer und Verfechter. Nicht immer ist die Zahl der Bewunderer groß, doch jeder einzelne Bewunderer zieht Genuss und Freude aus dem, was er gerne sieht, riecht, schmeckt, fühlt, hört.

So ist es auch mit Büchern. Selbstverständlich gefällt nicht jedem Leser jedes Buch. Auch Autoren haben Bücher gekauft, die sie verschlungen haben, und andere, die sie nach einigen Seiten weglegten. Das ist normal.

Doch jeder Leser, dessen Leben durch ein Buch bereichert wurde, wird dieses Buch nicht missen wollen. Keine Umsatz- oder Produktionsstatistik kann dieses Mehr an individueller Freude abbilden. Warum sollte es dann nicht gerade dieses Schreibprojekt sein, das Gefahr läuft, für immer in einer dunklen Schublade zu vergilben, das einen Leser beglücken, berühren, vor Verzweiflung bewahren kann?

Andere Beiträge der Serie:

 

Was Schreiben verhindert 6: Wenn du es nicht schaffst, warum sollte ich es schaffen

Was Schreiben verhindert 5: Keiner kennt mich

Was Schreiben verhindert 4: Wer veröffentlicht schon meine Texte?

Was Schreiben verhindert 2: Ich bin nicht inspiriert

Was Schreiben verhindert 1:  Ich habe keine Botschaft

 

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