Was Schreiben verhindert 1: Ich habe keine Botschaft

Wer schreiben will, spürt immer wieder innere Widerstände, die die Kreativität einschränken. In einer Serie mit sechs Teilen untersuche ich die hartnäckigen Überzeugungen, die Autoren am Schreiben hindern.

Zu Beginn des Jahres fassen viele Menschen gute Vorsätze. So mancher möchte endlich ein Buch schreiben. Doch oft genug endet das Vorhaben mit diesem Entschluss. Ein Zweifel hat sich eingeschlichen, ein Zweifel, mit dem Autoren immer wieder kämpfen müssen: Die Überzeugung, den Lesern nichts zu sagen zu haben.

Ich habe meinen Lesern nichts zu sagen.

Der Zweifel ist alt. Heutzutage tragen Autoren mehr Verantwortung für ihr Buchmarketing. Eine der Informationen, die sie von den Marketing-Experten hören ist die Bedeutung der Botschaft. Was hast du deinen Lesern zu sagen? Was sagst nur du ihnen? Auf der Suche nach der Antwort auf diese Fragen geben Autoren bereits das Schreiben auf, geschweige denn das Buchmarketing.

Ich habe keine Botschaft. Ich habe nichts zu sagen. Meine Bücher geben dem Leser nichts Neues.

Überzeugungen, die jede Kreativität im Keim ersticken.

Betrachten wir die drei Sätze einmal in umgekehrter Reihenfolge. Ihre Bücher geben dem potentiellen Leser nichts Neues? Ernüchternd ist sicherlich, dass jede Geschichte schon einmal geschrieben wurde. Wenn jede Geschichte schon einmal geschrieben wurde, gibt es nichts Neues zu erzählen. Es gibt aber neue Varianten, die Erforschung neuer Blickwinkel, die einzigartige Sprache eines jeden Schreibenden, die Persönlichkeit jeden Autors, die sich auf vielfache Weise im Text niederschlägt. Fragen Sie sich, warum Sie schreiben. Lassen Sie sich mit der Beantwortung ruhig Zeit. Sie werden eine Antwort finden, und Sie können sicher sein, dass es eine einzigartige Antwort sein wird.

Haben Sie nichts zu sagen? Betrachten Sie Ihre Antwort auf die Frage, was Sie Ihres Lesern Neues geben können. Wie sind Sie zu dieser Antwort gekommen? Ihre Erfahrungen und Überzeugungen haben diese Antwort geformt. Aus Ihren Erfahrungen und Überzeugungen formen sich Charaktere und Handlungsstränge.

Das führt zu der entscheidenden Frage: Haben Sie keine Botschaft? Fragen Sie ketzerisch, was denn die Botschaft eines Autors sein soll. Sie wollen keine Kopfschmerztablette verkaufen, Sie wollen ein Buch schreiben. Gehen Sie zurück zu Ihren Überzeugungen. Wie sehen Sie die Welt? Wie sehen Sie die Menschen? Lassen Sie den Leser Ihre Überzeugungen im Buch erleben. Der Leser wird Ihre Botschaft entdecken. Möglicherweise ist es sogar eine andere, als die, von der Sie meinen, dass Sie sie vertreten. Ihr Buch soll schließlich keine Kopfschmerzen stillen, sondern die Fantasie des Lesers anregen.

Die Geschichte spielt im Kopf des Lesers.

Vergessen Sie nicht, dass Sie keinen Einfluss darauf nehmen können, wie ein Leser Ihr Buch erlebt und was er daraus liest. Verschwenden Sie deshalb nicht zu viel Zeit auf die Analyse Ihrer Botschaft und das Einflechten der Botschaft in den Text. In einem Sachbuch wirkt sich die demonstrativ vorgetragene Botschaft meistens nicht negativ aus, ein Roman leidet meistens darunter. Erlauben Sie Ihren Charakteren auf Ihre Überzeugungen zurückzugreifen und sie auf ihre Weise dem Leser zu präsentieren. Spielen Sie mit Nuancen. Und vergessen Sie nicht, dass jeder Leser Ihr Buch auf eine andere Weise lesen wird.

Andere Beiträge in der Serie:

Was Schreiben verhindert 3: Ich bin eine(r) von vielen

Was Schreiben verhindert 2: Ich bin nicht inspiriert

 

 

Kommentar verfassen