Erinnerungen an einen Tag — Kreative Schreibübungen

Erinnerungen

Willkommen zur neunten der kreativen Schreibübungen in diesem Sommer. In Gesprächen über vergangene Ereignisse merken wir immer wieder, wie unterschiedlich die Erinnerungen der Beteiligten sind. Nicht nur Details, sondern ganze Abfolgen von Geschehnissen werden ganz verschieden erinnert. Ähnlich geht es den Charakteren in unseren Büchern.

Übung 1 — Wer war eigentlich dabei?

In vielen Büchern ist es notwendig, dass sich Charaktere erinnern, wer zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem gegebenen Ort war und was diese Personen dort gemacht haben. Doch die Erinnerungen sind nicht immer zuverlässig.

Wer war an diesem Tag an diesem Ort? Sind die Personen alleine gekommen oder brachten sie jemanden mit? Wie lange waren sie da? Warum kamen sie früher oder später? Aus welchem Grund verließen sie den Ort des Geschehens früher? Warum blieben sie bis zum Schluss? Blieben sie vielleicht noch, als die anderen schon gingen? Sind die Gründe dafür bekannt? Kann man die Gründe nur noch vermuten?

Was taten die beteiligten Personen? Worüber sprachen sie? Wer sprach mit wem? Waren alle an den Handlungen und Gesprächen beteiligt oder wurden einige Personen ausgeschlossen? Wie war die Stimmung der Personen? Gab es Streit?

Wie viel von den Ereignissen werden zuverlässig erinnert? Besteht ein Bewusstsein über die möglichen Fehlerinnerungen?

Übung 2 — Erinnerungen in ihrer Vielfalt

Menschen filtern ihre Erinnerungen. Es ist wichtig zu wissen, welche Filter ein Charakter verwendet, wenn er oder sie über ein vergangenes Ereignis spricht. Die Zuverlässigkeit der Erinnerung ist von den Filtern abhängig.

Leidet ein Charakter an Demenz? Ist sich der Charakter der Demenz bewusst? Wissen die anderen Charaktere von der Demenz? Leidet oder litt ein Charakter an einer anderen Erkrankung, die die Erinnerung beeinflussen könnte? Nimmt oder nahm ein Charakter Medikamente, die Einfluss auf die Erinnerung nehmen? Sind die anderen Charaktere darüber informiert?

Stand ein Charakter zum Zeitpunkt des Ereignisses unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen? Ist er oder sie sich den Einflusses dieser Substanzen bewusst? Sieht sich der Charakter in der Lage, diesen Einfluss zuzugeben?

Möchte ein Charakter die Erinnerung nicht teilen? Welche Methode wählt er oder sie, nicht alles zu erzählen? Werden erinnerte Details unterschlagen? Sollen Details positiver oder negativer erscheinen?

Was davon erfahren die anderen Charaktere? Welchen Einfluss hat die Qualität der Erinnerungen, bzw. das Preisgegebene auf den Verlauf der Handlung? Wie explizit erfahren die Leser*innen, welche Qualität eine ERinnerung hat?

Kommentar verfassen

Related Post

Nebel im ersten Kapitel?Nebel im ersten Kapitel?

Am Anfang eines Buchs wollen wir Autor*innen Leser*innen verlocken. Sie sollen erste Erfahrungen mit den Charakteren machen und sich für die Handlung öffnen, aber vor allem sollen sie das Buch weiterlesen. Dazu können wir Fakten liefern oder einen Nebel von Andeutungen, Hauptsache, die Leser*innen werden neugierig. Aber in diesem ersten

Kinderperspektive

Aus Kinderperspektive schreiben – auch für ErwachseneAus Kinderperspektive schreiben – auch für Erwachsene

Wenn wir eine Geschichte glaubwürdig aus Kinderperspektive erzählen wollen, müssen wir die geistigen und sprachlichen Voraussetzungen des Kindes berücksichtigen. Zugleich dürfen wir die Ansprüche (und Beschränkungen) erwachsener Leser*innen nicht vergessen. Kinderperspektive — Wie sieht und beschreibt ein Kind die Welt? Ein Buch aus Kinderperspektive ist nicht zwangsläufig ein Kinderbuch. Ist

%d Bloggern gefällt das: