Wozu ein Prolog?

Prolog

In vielen Blogs wird über den Prolog geschimpft. Das hat mich anfangs überrascht, vor allem wegen der Heftigkeit der Ablehnung, sowohl in den Posts als auch in den Kommentaren. Dabei haben viele Bücher einen Prolog, aktuelle wie ältere. Es erscheint mir an der Zeit, darüber nachzudenken.

Was ist ein Prolog?

Prolog kommt von einem altgriechischem Wort und heißt so viel wie Vorwort, also Informationen vor dem eigentlichen Text. Wegen seiner altgriechischen Wurzel ist es in vielen Sprachen verbreitet. Dieser Umstand vermittelt das Gefühl, verschiedenen Sprachen werde über die gleiche Sache gesprochen. Doch die Wahrnehmung dieser Sache, eines Texts vor dem Text, variiert stark und unterscheidet sich sogar innerhalb einer Sprache, wenn von Fachtexten oder literarischen Texten die Rede ist.

Was spricht für einen Prolog?

Der Prolog enthält Informationen, die dem Text vorangestellt werden. Das bedeutet implizit, dass die Leser*innen diese Informationen benötigen, um das restliche Buch besser zu verstehen oder besser genießen zu können. Besonders in Hinblick auf den Lesegenuss ist es unabdingbar, dass der vorangestellte Text eine eigene Bedeutung hat.

Vielleicht greift der Prolog eine andere Perspektive auf, vielleicht ist er ein Rückblick, vielleicht Teil der Rahmenhandlung. Vorstellbar ist auch, dass die Autorin sich an die Leserin wendet, etwa um über die Entstehungsgeschichte des Buchs zu schreiben.

Die Frage ist jedoch immer, ob diese Informationen wirklich aus dem Text herausgelöst werden müssen. Das ist besonders deshalb wichtig, weil es Leser*innen gibt, die (abgeschreckt von den Vorwörtern der Fachbücher) keine Prologe lesen.

Was spricht dagegen?

Der Aspekt der eigenen und besonderen Bedeutung des Prologs ist das größte Problem. Für die Einschätzung der Bedeutung stellt sich die Frage, wie die Leser*innen den Inhalt und den Stil bewerten. Wenn der Eindruck entsteht, dass es für die Leser*innen keinen Unterschied macht, ob sie die Informationen vor dem Lesen des eigentlichen Texts erhalten oder sie erst im Zuge der Handlung in kleinen Portionen sammeln, dann spricht das gegen die Verwendung eines Prologs. Ich habe kürzlich ein Buch gelesen, in dem der Text des Prologs plötzlich wieder im Text auftauchte. Das war zuerst verwirrend, danach enttäuschend. (Das Buch war in Corona-Zeiten geschrieben und lektoriert worden, aber das ist keine Entschuldigung für einen solchen Schnitzer.)

In den meisten Fällen kann vor dem Text des Prologs Kapitel 1 stehen. In vielen anderen Fällen könnten die enthaltenen Informationen über den restlichen Text verteilt werden.

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