Listen — ihre unendlichen Vorteile

ListenListen sind wie Leitplanken, Rettungsringe und manchmal rettende Strohhalme. Sie sind kurz und knackig. Man kann sie überall schreiben, auf jede Unterlage, zu jeder Zeit. Man kann sie diktieren, notfalls malen. Sie sind leicht zu überarbeiten. Und sie lassen sich jedem Zweck und jeder individuellen Vorliebe anpassen. Mit anderen Worten: Listen erleichtern die Arbeit an einem Buch in allen Phasen. Wenn das kein Grund zum Jubeln ist!

Wann helfen Listen?

Listen lassen sich schnell anlegen und überarbeiten. Das macht das Arbeiten mit ihnen so unkompliziert. Eine Liste legt die Schritte für die Arbeit am Buch fest: von der Recherche über das Schreiben, über das Beauftragen von Lektor*innen und Designer*innen bis zum Erstellen von E-Book und Druckvorlage. Nicht nur Arbeitsschritte können auf diese Weise geplant und abgehakt werden. Bei jeden neu auftretendem Problem kann die Auflistung von möglichen Ursachen und verschiedenen Lösungsmöglichkeiten helfen, Klarheit zu behalten oder wiederzugewinnen.

Klarheit fehlt auch oft während des Schreibens. Charaktere kommen und gehen oder geraten in Vergessenheit, nachdem sie einen spektakulären Auftritt hingelegt haben. Ausstattungsgegenstände verändern sich spontan, Namen wandern zu anderen Charakteren, verlieren oder gewinnen Buchstaben, Orte verblassen, Jahreszeiten und Daten hüpfen wild herum.

Was in unserem Kopf einmal klar und transparent erschien, zeigt sich in Schriftform als Bermuda-Dreieck, Morast oder Flohzirkus. Was dann hilft, ist Durchatmen und das Anlegen einer Liste.

Wo ist meine Übersicht geblieben?

Das Schreiben einer Liste zwingt uns, innezuhalten und das Chaos unseres Manuskripts aus der Distanz zu betrachten. Wenn die Übersicht über die Handlung verloren gegangen ist und die Reste der sorgfältigen Planung längst zwischen Ergänzungen und Streichungen zerrieben wurden, ermöglicht eine Liste der tatsächlich geschriebenen Szenen eine Rückkehr zur Ordnung. Die nötigsten Informationen (Wer, wo, wann, was passiert)  legen das Skelett des Manuskripts offen und zeigen auch, wo Lücken entstanden sind und wo zu viel auf zu wenig Raum passiert. Auch Listen mit Charakteren, ihrer Funktion und den Szenen, in denen sie auftreten, helfen herauszufinden, welche Charaktere zu wenig zu tun haben und welche zu wenig. Dann fällt es leichter zu entscheiden, welche Charaktere zu einem zusammengefasst werden können und welche besser in mehrere Personen aufgeteilt werden sollten.

Schreibprogramme, die speziell für Autor*innen konzipiert sind, bieten integrierte Listen für Szenen und Charaktere an. Wenn das Chaos im Manuskript um sich gegriffen hat, kann eine externe Liste besser helfen. Um sie zu erstellen, muss man zwangsläufig das Öko-System des Manuskripts verlassen. Allein schon dadurch entsteht Distanz, die es erlaubt, Schwachstellen zu erkennen.

 

Kommentar verfassen

Related Post

Ablenkung: der große GegnerAblenkung: der große Gegner

Ablenkung ist vermutlich der größte Gegner, mit dem Autor*innen zu kämpfen haben. Dieser Gegner stört die Konzentration in hart erkämpfter Schreibzeit, sodass von sechzig Minuten nur dreißig oder sogar weniger zum Schreiben zur Verfügung stehen. Nur Organisation und Disziplin – und die Kooperation des restlichen Haushalts – können hier Abhilfe

%d Bloggern gefällt das: