Create Space – Formatierung eines Manuskripts mit Scribus Folge 5: Text einfließen lassen und formatieren

 In dieser Serie über das Layout-Programm Scribus zeige ich Ihnen, wie Sie Druckvorlagen für Create Space und andere Self-Publishing-Anbieter erstellen können. Mit einem Layout-Programm haben Sie mehr Kontrolle über das Aussehen einer Buchseite als mit einem Textverarbeitungsprogramm. Texte und Bilder rutschen nicht wild herum, sobald Sie eine Änderung vornehmen, Seitenzahlen und Kopfzeilen erscheinen genau da, wo Sie sie sehen möchten und nirgendwo sonst. In der heutigen Folge erfahren Sie, wie der Text in Ihr vorbereitetes Dokument kommt und wie Sie den Text mit Musterseiten und Stilen formatieren.

Die vorhergehenden Folgen behandelten die Themen Scribus-Dokumente einrichten, Textrahmen und Bildrahmen, Musterseiten erstellen, Stile für den Text festlegenSilbentrennung, Schusterjungen, Hurenkinder,  Bilder einfügenDruckvorlage als PDF exportieren, Ein Cover gestalten

Sie haben die äußeren Maße und die Ränder und Abstände der Druckvorlage anhand der Angaben bei Create Space festgelegt und Textrahmen hergestellt, die Ihren Text aufnehmen sollen. Sie haben Musterseiten erstellt, die je nach Bedarf keine Kopfzeilen oder eben doch Kopfzeilen, keine Seitenzahlen oder eben doch Seitenzahlen aufweisen. Sie haben Stile für Titel, Autorenname, Überschriften, Text und andere Bereiche Ihres Buchs festgelegt. Nun fehlt Ihnen nur noch der Text.

Wie kommt der Text in das Dokument?

Der vollständige Text Ihres Buches sollte in einem .txt-Dokument vorliegen. Mit vollständiger Text meine ich, dass Titelseite, Impressum, Widmung, Inhaltsverzeichnis, Text und Autorenseite in einer Datei und in der richtigen Reihenfolge vorhanden sind. Änderungen können Sie zwar auch in Scribus vornehmen, doch dafür ist Scribus nicht gemacht. Änderungen am Text sind schwerfällig. Wenn Sie plötzlich entscheiden, dass Sie Kapitel 17 und 18 doch lieber in einer anderen Reihenfolge sehen möchten, entfernen Sie lieber den Text aus Scribus, nehmen Sie die Änderung vor, speichern den Text und laden ihn neu. Es gehen nur die Änderungen verloren, die Sie nach dem Laden manuell vorgenommen haben. Anders als bei einem Textverarbeitungsprogramm, bleiben Musterseiten und Stile von solch umfangreichen Änderungen unberührt.

Öffnen Sie Ihr Scribus-Dokument und klicken Sie in den Textrahmen einer Seite. Der Seitenrand ist rot markiert, der Rahmen ist rot markiert. Alles ist zur Arbeit bereit. In der Menüleiste ist ein Icon mit einem Schreibblock aktiviert.

Icon_SchreibblockKlicken Sie das Icon an. Es öffnet sich der Story Editor. Der Story Editor ist ein Unterprogramm, in dem Sie dem gesamten Text die Stile zuordnen können, die Sie vorher erstellt haben. Sie sehen den Text nur als Text. Die zugeordneten Stile stehen neben jedem Abschnitt und können dort geändert werden. (Achtung: Der Story Editor kann bei großen Textmengen sehr langsam werden.)

Wie formatiere ich den Text?

Voreingestellt sind 1. die Schrift Arial Regular und 2. der Stil kein Stil.

Menue_StoryEditorWenn Sie bei diesen Einstellungen Text in Ihr Dokument laden, erscheint der gesamte Text in Arial Regular und ohne Stil. Alle Stile müssen Sie von Hand hinzufügen. Bei kurzen Texten, etwa einem Flyer über Ihr Buch, ist das kein Problem. Bei langen Texten wie bei Romanen wäre diese Vorgehensweise äußerst mühsam. Deshalb ändern Sie jetzt die Voreinstellungen unter 2. Klicken Sie auf den Pfeil und wählen Sie den Stil für die normalen Abschnitte. Wenn alle Abschnitte in dem häufigsten Stil formatiert sind, brauchen Sie nur die wenigen Ausnahmen zu ändern. Klicken Sie dann auf Datei → Text laden. Je nach Länge des Textes dauert das einige Sekunden. Falls der Text mit dem Hinweis kein Stil erscheint, gehen Sie zu Bearbeiten → alles auswählen und geben dann den gewünschten Stil ein. Die Formatierung dauert eine Weile, je nach Textlänge.

Haekchen einfacher_StilWenn der Text im gewünschten Stil formatiert ist, klicken Sie auf das grüne Häkchen.

HaekchenNachdem Sie alle Absätze des Texts im häufigsten Absatzstil formatiert haben, gehen Sie im Story Editor den Text durch und weisen den besonderen Absätzen ihre speziellen Stile zu. Im Beispiel unten sehen Sie die Formatierung des Anfangs von Der Schwan ist tot, dem Rosenheimkrimi von Peter Brand aus dem Wieken-Verlag.

Beispiel_Stile

Die zugewiesenen Stile sind für das Inhaltsverzeichnis (1.),  den ersten Abschnitt des Prologs (2.), des normalen Texts des Prologs (3.), der Kapitel Überschrift (4.), der Wetterangabe zum Beginn des Kapitels (5.), dem ersten Absatz im Kapitel (6.) und den normalen Absätzen im Kapitel (7.). Die senkrechten blassroten Striche signalisieren im Story Editor die Rahmenumbrüche. Gehen Sie zu Einfügen → Leerzeichen und Umbrüche → Rahmenumbruch. Der Text hinter dem blassroten Strich springt automatisch in den Rahmen auf der nächsten Seite.

Wenn Sie alle besonderen Stile zugewiesen haben, speichern Sie Ihre Änderungen mit dem grünen Pfeil.

Wie kommen die Seitenzahlen zu den Seiten?

Wenn Sie jetzt Ihren Text in der Normalansicht betrachten, stellen Sie fest, dass zwar die Absätze formatiert und die Seitenumbrüche gesetzt sind, aber die Seitenzahlen fehlen. Da Sie bisher keine Musterseiten zugewiesen haben, sind alle Seiten automatisch nach den Vorlagen Normal links und Normal rechts formatiert. Gehen Sie zu Ihrer Titelseite und klicken Sie einmal auf die Seite, so dass der äußere Rahmen rot ist. Klicken Sie im Menü Seite → Musterseite anwenden und wählen Sie für die aktuelle Seite die Musterseite, die Sie für die Titelseite ausgewählt haben. Weisen Sie nacheinander jeder einzelnen Seite die zugehörige Musterseite zu, bis Sie auf die erste normale Seite des ersten Kapitels stoßen. Das ist eine linke Seite. Jetzt vereinfachen Sie sich die Arbeit:

Gehen Sie zu Seite → Musterseite anwenden und wählen Sie die Musterseite für linke Seiten im Kapitel. Wählen Sie Anwenden auf → gerade Seitenzahlen und bestätigen Sie mit OK. Jetzt sind alle folgenden Seiten auf die häufigste Musterseite für linke Seiten formatiert. Wiederholen Sie den Vorgang für die rechte Seite mit den ungeraden Seitenzahlen. Anschließend gehen Sie durch den Text und wählen nur noch die Musterseiten für die Kapitelanfänge aus. Falls Sie für die Autorenseiten am Ende andere Musterseiten angelegt haben, weisen Sie diese auch zu.

Beispiel_Kaplinks_Kaprechts

Speichern Sie Ihr Dokument. Im nächsten Schritt beginnen Sie die Detailformatierung. Dabei verteilen Sie den Text so auf den Seiten, dass keine unschönen Absatzanfänge am Seitenende oder Absatzenden am Seitenanfang übrig bleiben. Bei diesem Verteilen des Texts sparen Sie zahlreiche Seiten ein. Ihr fertiges Dokument wird also kürzer sein als es im Moment ist. Deshalb ist notwendig, als letzte Aufgabe noch einmal alle Seiten durchzugehen und zu prüfen, ob die richtigen Musterseiten zugewiesen sind.

Wie Sie den Text im Detail formatieren und gleichzeitig Seiten einsparen, zeige ich Ihnen in der nächsten Folge. Wenn Sie sich frühere Arbeitsgänge in Erinnerung rufen möchten, lesen Sie die älteren Folgen:

Folge 1:  Scribus-Dokumente einrichten,

Folge 2: Textrahmen und Bildrahmen,

Folge 3: Musterseiten erstellen,

Folge 4: Stile für den Text festlegen.

Folge 6: Silbentrennung, Schusterjungen, Hurenkinder

Folge 7: Bilder einfügen

Folge 8: Druckvorlage als PDF exportieren

Folge 9: Ein Cover gestalten

 

 

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: