Der erste Satz im Kapitel

erste Satz

Der erste Satz eines Romans ist vermutlich der Satz, den wir am häufigsten neu schreiben, streichen, neu formulieren und nochmals löschen. Dass der erste Satz nicht zuerst geschrieben wird, ist ein offenes Geheimnis. Doch es gibt in einem Roman auch die ersten Sätze der Kapitel. Geben wir uns genauso viel Mühe, diese Sätze zu verbessern?

Der erste Satz von Kapitel neunzehn

Der erste Satz in einem neuen Kapitel hat eine undankbare Aufgabe. Der Kollege vom ersten Kapitel hat seine Arbeit gemacht und die Leser*innen ermutigt weiterzulesen. Die Leser*innen haben sich auf das Buch eingelassen und sich brav durch den Anfang des Romans gearbeitet. Sie haben das Ende des ersten Kapitels ertragen und im zweiten Kapitel weitergelesen. Vielleicht sind sie sogar nach einer längeren Unterbrechung in das nächste Kapitel zurückgekehrt, weil sie unbedingt wissen wollen, wie die Geschichte weitergeht.

Nun heißt sie das neue Kapitel willkommen. Es mag Kapitel neunzehn oder sechsundvierzig sein, es ist auf jeden Fall tief im Inneren des Buchs und eröffnet den Leser*innen den Zugang zu weiteren Problemen, falschen Entscheidungen und Irrtümern. Die Charaktere sind bekannt, die Orte sind bekannt, nur weniges bedarf einer ausführlicheren Erklärung. Über die ersten Worten des neuen Kapitels wollen die Leser*innen schnell die nächsten Ereignisse erreichen und deren Entwicklung verfolgen,

Die besondere Aufgabe von Kapitelanfängen

Schnell ist das Stichwort. Wenn der Rest des Buchs nicht aus ausführlichen Beschreibungen und Erklärungen besteht, wollen Leser*innen am liebsten dort weiterlesen, wo sie am Ende des vorhergehenden Kapitels mit den Charakteren waren. Diesen Gefallen können wir ihnen nicht immer tun. Wir haben unsere eigene Agenda und führen sie auf einem Weg durch die Handlung, der die Neugier und Spannung hochhalten soll. Daher sind Sprünge zwischen dem Ende des einen Kapitels und dem Beginn des neuen Kapitels oft notwendig. Diese Sprünge sollen jedoch nicht stören.

Daher beginnen Kapitel oft mitten in einer Szene oder in einer Überlegung. So entsteht der Eindruck, es habe eine Hinführung gegeben, auch wenn es keine gab. Die Leser*innen befinden sich im nächsten Schritt einer Entwicklung, die sie schon länger verfolgen. Sie wissen schnell, wo und mit wem sie es nun zu tun haben, überwinden den Schock, nicht sofort am vorherigen Kapitel anknüpfen zu dürfen, und lassen sich von der Handlung mitreißen.

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