Create Space – Formatierung eines Manuskripts mit Scribus Folge 6: Silbentrennung, Schusterjungen, Hurenkinder

 In dieser Folge der Serie über das Erstellen von Druckvorlagen für CreateSpace oder andere Dienstleister für Self-Publisher mit dem Layoutprogramm Scribus zeige ich Ihnen, wie Sie die Feinheiten Ihrer Druckvorlage einstellen. Mit wenigen Handgriffen machen Sie den Text leichter lesbar. Gleichzeitig kürzen Sie das Buch und sparen so bei den Herstellungskosten.

Die früheren folgen der Serie finden Sie hier:

Folge 1: Dokument einrichten: Format, Ränder und Abstände

Folge 2:  Rahmen einfügen

Folge 3: Musterseiten

Folge 4: Absatzstile

Folge 5: Text laden und formatieren

Folge 7: Bilder einfügen

Folge 8: Druckvorlage als PDF exportieren

Folge 9: Ein Cover gestalten

Sie haben jetzt Ihre Druckvorlage grob fertiggestellt: Der Text ist hochgeladen, die Absatzstile und die Musterseiten sind zugewiesen. Wenn Sie jetzt auf die Seitenzahl sehen, werden Sie vielleicht erschrecken. Vermutlich ist Ihr Buch lang, mit viel zu vielen Seiten. Wenn Sie es im Handel zu einem niedrigen Preis anbieten möchten, fürchten Sie vielleicht wegen der hohen Herstellungskosten um Ihre Marge. Die gute Nachricht an dieser Stelle ist: Sie können mit wenigen Tricks viele  Seiten einsparen.

Die Silbentrennung – automatisch und manuell

Normalerweise ist die automatische Silbentrennung nicht aktiviert. Sie können das leicht überprüfen, indem Sie eine beliebige Seite des Buches aufrufen und nach Trennstrichen am Zeilenende Ausschau halten. Bei eingeschalteter Silbentrennung finden Sie mehrere Trennstriche auf einer Seite. Ist die automatische Silbentrennung nicht aktiviert, sehen Sie an den Zeilenenden nur  von Ihnen gesetzte Bindestriche.

Klicken Sie in einen Textrahmen. Das kleine Icon mit dem Notizbuch ist aktiviert. Icon_SchreibblockKlicken Sie im Hauptmenü auf Extras → Silbentrennung anwenden. Es vergeht eine Weile, in der Scribus den Text durchsucht und Wörter am Zeilenende auf trennbare Silben durchsucht. Wegen der Automatik ist es so wichtig, dass Sie beim Festlegen der Absatzstile darauf achten, dass Deutsch als Sprache des Dokuments eingestellt ist.

Wenn die automatische Silbentrennung durchgelaufen ist, gehen Sie auf die letzte Seite des Dokuments. Sie wird wahrscheinlich keinen Text mehr enthalten. Suchen Sie die erste Seite ohne Text und klicken Sie in den Textrahmen. Anschließend löschen Sie alle überflüssigen Seiten. Gehen Sie dazu auf Seiten → löschen. Es öffnet sich ein kleines Fenster.

Seiten_loeschen

Die Anzeige 1 gibt die erste Seite an, die gelöscht wird. Vergewissern Sie sich, dass die Zahl in dem Kästchen die Seitenzahl der ersten zu löschenden Seite ist. Automatisch steht dort die Seite, die gerade aktiviert ist. Die Anzeige 2 gibt die letzte Seite an, die gelöscht wird. Theoretisch könnten Sie auch Seiten aus der Mitte des Buches entfernen. Vergewissern Sie sich, welche Seitenzahl Sie dort eingeben müssen. Klicken Sie anschließend auf OK. Die überflüssigen Seiten werden entfernt.

Nun ist Ihr Text nicht nur kürzer. Wenn Sie genau hinsehen, sind die Buchstaben in den Zeilen enger zusammengerückt. Die Schrift auf den einzelnen Seiten sieht gleichmäßiger verteilt aus. Trotzdem müssen Sie jetzt jede Seite einzeln ansehen, denn Sie können noch Vieles verbessern, wenn Sie manuell nacharbeiten.

Schusterjungen und Hurenkinder

Wenn Sie jetzt Seite für Seite durch Ihren Text gehen, finden Sie immer wieder am Seitenende die erste Zeile eines Absatzes oder am Seitenanfang die letzte Zeile eines Absatzes. Das sind die sogenannten Schusterjungen und Hurenkinder. Manchmal liest man auch die Begriffe Witwen und Waisen. Solche Restzeilen am Ende oder am Anfang der Seite erschweren das Lesen. Deshalb sollten Sie versuchen, durch manuelles Eingreifen wenigstens zwei Zeilen an das Seitenende zu ziehen oder wenigstens zwei Zeilen an den Seitenanfang zu schieben.

Vergewissern Sie sich, wie viele Zeilen der getrennte Absatz hat. Bei dreizeiligen Absätzen, beispielsweise in Dialogen, müssen Sie den ganzen Absatz verschieben.

Versuchen Sie, an geeigneten Stellen ein bedingtes Trennzeichen einzufügen. Bedingte Trennzeichen sind Hinweise, dass ein Wort zwischen zwei Silben getrennt werden kann. Anders als ein als Trennstrich eingefügter Bindestrich erscheint das bedingte Trennzeichen nur, wenn das Wort tatsächlich getrennt wird. Setzen Sie später andere Maßnahmen ein, um mehr Platz zu gewinnen, verschwindet ein bedingtes Trennzeichen spurlos, wenn es nicht mehr nötig ist, oder trennt ein Wort am Zeilenende.

Klicken Sie in den Textrahmen der zu bearbeitenden Seite und Doppelklicken Sie an die Stelle, an der Sie ein bedingtes Trennzeichen einsetzen möchten. Wenn der Cursor zwischen den Silben blinkt, gehen Sie zu Einfügen → Zeichen → bedingtes Trennzeichen. Sofern das bedingte Trennzeichen keine Trennung auslösen kann, passiert nichts. Sie sehen dieses Zeichen auch nicht, doch es ist vorhanden.

Wenn Sie mittels der bedingten Trennzeichen die störenden Zeilen nicht verschieben können, müssen Sie die Wortzwischenräume und die Buchstabenbreite justieren. Beachten Sie, dass kleinste Änderungen bereits wirkungsvoll sind.

Zeilen

Markieren Sie einen Absatz oder eine Zeile, die Sie anpassen möchten. Klicken Sie im Fenster Eigenschaften auf Text → Erweiterte Einstellungen. Versuchen Sie zuerst, die Laufweite (1) der Zeichen in einer Zeile zu verändern. Verringern Sie die Laufweite, wenn Sie Zeilen von der nächsten Seite auf die aktuelle Seite ziehen wollen. Vergrößern Sie die Laufweite, wenn Sie Zeilen auf die nächste Seite schieben wollen. Je nachdem, was für Zeichen sich in einer Zeile befinden, treten Änderungen bereits bei einem Prozent ein.

Wenn das nicht hilft, verändern Sie den Abstand der Zeichen (2) zueinander. Als letzte Möglichkeit verändern Sie die Breite der einzelnen Zeichen (3). Diese Funktion können Sie auch auf der Titelseite oder bei Kapitelüberschriften anwenden, damit Zeichen näher beieinander stehen.

Musterseiten kontrollieren

Beachten Sie, dass sich durch alle diese Maßnahmen Kapitelanfänge verschieben. Wenn Sie den Text zu Ihrer Zufriedenheit bearbeitet haben, müssen Sie alle Seiten durchgehen und kontrollieren, ob den Kapitelanfängen die entsprechenden Musterseiten zugewiesen sind. Notieren Sie sich die Seitenzahlen für die Kapitelanfänge. Die benötigen Sie für das Inhaltsverzeichnis. Sie können das Inhaltsverzeichnis zwar automatisch erstellen lassen, nach meiner Erfahrung erzielen Sie bessere Ergebnisse mit einem manuell erstellten Inhaltsverzeichnis.

Wenn Sie keine Bilder hinzufügen möchten, sind Sie jetzt mit der Formatierung fertig. Wie Sie Bilder einfügen, zeige ich Ihnen nächsten Sonntag.

Die früheren Folgen der Serie finden Sie zum Nachlesen hier:

Folge 1: Dokument einrichten: Format, Ränder und Abstände

Folge 2:  Rahmen einfügen

Folge 3: Musterseiten

Folge 4: Absatzstile

Folge 5: Text laden und formatieren

Folge 7: Bilder einfügen

Folge 8: Druckvorlage als PDF exportieren

Folge 9: Ein Cover gestalten

 

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