Trennungsangst – Doch das Buch muss raus!

Die Beziehung zwischen Manuskript und Autor ist eng. Viele vergleichen das Manuskript mit einem Baby. Ein Baby folgt seinem eigenen Entwicklungsplan und drängt nach Ablauf der notwendigen Zeit selbst in die Welt. Ein Buch kann das nicht. Als Autoren tragen wir die Verantwortung dafür, dass ein Buch seinen Weg in die Welt findet.

Zwei Gründe für das Hinauszögern

Vor der Veröffentlichung steht die Überarbeitung. Hier beißen sich manche Autoren fest. Sie wollen ein perfektes Werk abliefern. Mit dieser Einstellung stehen sie sich jedoch selbst im Weg. Perfektion ist unmöglich. Davon abgesehen kann kein Buch allen Lesern, nicht einmal allen Lesern seiner Zielgruppe gefallen.

Die Reaktionen – oder die befürchteten Reaktionen – der Leser können ebenfalls ein Grund sein, das Buch immer wieder und immer weiter zu überarbeiten. Auch hier lauert eine Gefahr. Um vom Vergleich mit dem Baby zum Vergleich mit einer Schraube zu wechseln: Sie können eine lose Schraube immer fester anziehen, bis das Gewinde bricht. Nach ganz fest kommt ganz lose, sagen Handwerker. Ein fast perfektes Buch kann durch überzogene Überarbeitung ruiniert werden.

Veröffentlichen verlangt also Mut, und Vorbereitung.

Die Überarbeitung organisieren

Gleichgültig wie wir schreiben, bei der Überarbeitung brauchen wir einen Plan. Wenn Sie zu den Autoren gehören, die ihr Buch vor dem Schreiben planen, liegt Ihnen eine detaillierte Übersicht über jede Szene vor. Wenn Sie Ihren Ideen folgen, bis Sie das Ende der Geschichte erreicht haben, ist jetzt die Zeit gekommen, so eine Übersicht anzulegen.

Eine Übersicht über die Szenen beinhaltet mindestens folgende Informationen: Zeitpunkt der Szene, Charaktere in der Szene, Ereignisse in der Szene, Kernproblem der Szene.  Eine weitere Übersicht listet alle Charaktere auf mit Namen und verwendeten Alternativnamen, Alter, Geschlecht, Bezugspersonen unter den anderen Charakteren, entscheidende Charaktereigenschaften, Hauptproblem im Text. Eine Übersicht mit den Namen von Städten, Stadtteilen, Straßen, Restaurants und anderen Orten, die im Manuskript erwähnt werden, ist ebenfalls nützlich. Bedenken Sie, dass Straßennamen die diversen Rechtschreibreformen der letzten Jahrzehnte nicht mitgemacht haben und möglicherweise gegen aktuelle Regeln verstoßen. Über dieses Wissen verfügen Testleser und auch Lektoren nicht immer.

Setzen Sie sich ein realistisches Ziel für die Veröffentlichung. Berücksichtigen Sie dabei Zeit für das Lektorat, die Erstellung des Covers und die Druckerei. Sie dürfen vor oder nach diesem Ziel fertig werden. Ein zu knapp kalkuliertes Ziel setzt Sie jedoch immer unter hohen Druck, während ein zu lange hinausgeschobenes Ziel nicht genug Druck erzeugt. Ein wenig Druck schadet Ihnen nicht. Er erinnert Sie an die Welt da draußen, in die Sie das Buch entlassen wollen.

Die Überarbeitung durchführen und zu einem Ende bringen

So wie jeder Autor seine individuelle Strategie beim Schreiben verfolgt, sollte jeder Autor herausfinden, welche Vorgehensweise bei der Überarbeitung für ihn sinnvoll ist.

Ob Sie das Manuskript ganz oder Kapitel für Kapitel überarbeiten, ist gleichgültig. Achten Sie jedoch immer auf Logik, Lesbarkeit, inhaltliche Fehler, Sprache. Überprüfen Sie, ob die Reihenfolge der Szenen für Leser nachvollziehbar ist. Wenn Sie bewusst die Reihenfolge durchbrechen, setzen Sie klare Signale für den Leser. Widmen Sie einen Durchgang den Übergängen zwischen Absätzen und Kapiteln.

Wann immer Sie auf eine Unklarheit stoßen, notieren Sie die. Sie können nach Abschluss des aktuellen Bearbeitungsdurchgangs die Liste der Unklarheiten abarbeiten.

Erinnern Sie sich regelmäßig daran, dass Sie Perfektion nur anstreben, aber nie erreichen können. Werfen Sie dann einen Blick auf das angestrebte Veröffentlichungsdatum. Wenn Ihr Text keinen schwerwiegenden Fehler hat – und zu diesem Zeitpunkt sollten Sie den nicht nur spüren, sondern auch kennen – ist es nach spätestens sechs Überarbeitungsdurchgängen reif für die Veröffentlichung.

Korrigieren Sie Schreib- und Grammatikfehler, wenn Sie darauf stoßen. Lassen Sie immer, ehe Sie das Manuskript Testlesern oder einer Lektorin vorlegen, eine automatische Rechtschreibprüfung durchlaufen. Lesen Sie es anschließend selbst noch einmal durch und korrigieren dann nur noch Fehler. Auch nachdem Sie das Manuskript aus dem Lektorat zurückbekommen und die Änderungen eingepflegt haben, kontrollieren Sie mehrfach Rechtschreibung und Grammatik. Nach dem Lektorat ist ein Text besonders anfällig für Fehler.

Kommentar verfassen