By | 17. Januar 2018

Wenn Sie einen Roman schreiben, kann die Erzählperspektive einen größeren Einfluss auf Sie und den Verlauf der Handlung nehmen, als später auf die Wahrnehmung des Lesers. Aus diesem Grunde sollten Sie vor dem Beginn des Schreibens und auch während der Arbeit am Manuskript genau überlegen, was Sie erreichen wollen und ob die gewählte Erzählperspektive Ihnen das erlaubt.

Wir unterscheiden den auktorialen, den personalen und den Ich-Erzähler. Der auktoriale oder allwissende Erzähler steht außerhalb der Handlung und verfügt über absolutes Wissen über alle Charaktere. Er hält Distanz zur Handlung und den Charakteren. Der personale Erzähler erzählt aus der Sicht einer Person, die Teil der Handlung ist. Seine Distanz zur Handlung ist geringer als beim auktorialen Erzähler. Der Leser verfügt über die Informationen der Person, aus deren Perspektive er die Handlung wahrnimmt. Damit unterliegt er auch den Fehlwahrnehmungen und Trugschlüssen dieser Person. Der Ich-Erzähler erzählt aus seinem individuellen Blickwinkel, wie er die Handlung erlebt. Der Leser ist nah am Geschehen, muss aber mit den Fehlwahrnehmungen und Trugschlüssen des Ich-Erzählers umgehen.

Eine Übersicht über diese und weitere Erzählperspektiven lesen Sie auf Schreibberatung & Schreibcoaching. Aus Sicht von Autoren interessant ist der Post von Annika Bühnemann auf Vom Schreiben Leben. Der Post geht auf die Vor- und Nachteile der einzelnen Perspektiven ein und stellt auch die Chancen und Gefahren einer Erzählperspektive heraus.

Vor Beginn des Schreibens sollten Sie sich einige Fragen stellen, um die passende Erzählperspektive festzulegen.

  • Verlangt meine Geschichte eine Einschränkung der Erzählperspektive auf eine Person?
  • Stehen Konflikte in den Personen oder in der Handlung im Mittelpunkt?
  • Wie nah oder distanziert soll das Verhältnis zum Leser sein?
  • Hat eine Person die Freiheit, bei allen wichtigen Ereignissen anwesend zu sein?

Bei der Frage nach der Distanz zwischen Leser und Handlung sollten Sie auch überlegen, wie objektiv diese Perspektive sein soll oder auch sein kann. Leser vertrauen objektiven Erzählern. Von ihnen wollen sie nicht in die Irre geführt werden. Es wäre ein Vertrauensbruch, sollte sich zeigen, dass so ein distanzierte und objektiver Erzähler in Wahrheit lügt oder beispielsweise geisteskrank ist und nur scheinbar objektiv berichten kann.

Auch die Frage nach der Bewegungsfreiheit der Personen und ihre Eignung als Erzähler ist wichtig. Das gilt besonders, wenn Sie aus der Ich-Perspektive schreiben möchten. Kein Charakter kann überall sein. Wie erhält er wichtige Informationen, die der Leser benötigt, um der Handlung zu folgen? Besonders in komplexen Handlungen kann ein Charakter mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit, und das ist ein Ich-Erzähler fast immer, kaum alle relevanten Informationen erhalten.

Auch wenn Sie eine Handlung akribisch planen, kann es vorkommen, dass Sie während des Schreibens merken, dass die getroffene Wahl der Erzählperspektive Sie zu sehr einschränkt. In diesem Fall müssen Sie die Szenen umschreiben. Sie werden wahrscheinlich feststellen, dass Sie mit einer neuen Erzählperspektive besser und flüssiger schreiben. Prüfen Sie darum immer, wenn Sie merken, dass Sie die Lust an einem Projekt verlieren, ob ein Wechsel der Erzählperspektive angezeigt st.

Kommentar verfassen