Der Kampf im Inneren der Charaktere

Kampf im Inneren

Leser wollen  mit den Charakteren ein (romantisches) Abenteuer erleben, Autoren wollen Leser zum Lachen oder zum Weinen bringen. Weinen hat eine besondere Bedeutung – nicht etwa, weil Autoren grausam sind, sondern weil Weinen zeigt, dass die Leser einem Charakter emotional nahe gekommen sind und mit ihm oder ihr leiden. So seltsam es erscheinen mag, der innere Kampf, das Leiden und Ringen eines Charakters reizt Leser viel mehr als das Glück und die positiven Gefühle. Glück darf am Ende eines Buches kommen, nachdem um es gerungen wurde. Wie beschreiben Sie den Kampf im Inneren überzeugend?

Der Kampf im Inneren – der Rückgriff auf menschliche Erfahrungen

Leser können das innere Ringen der Charaktere nachvollziehen, wenn sie deren Erfahrungen, Ängste und Hoffnungen selbst erlebt haben. Viele von uns haben einen geliebten Menschen verloren, und wenn wir das nicht erlebt haben, fürchten wir es. Ebenso klammern wir uns an die Hoffnung, dass ein geliebter Mensch in Sicherheit ist, selbst wenn alle Fakten dagegen sprechen, und wir tief im Inneren wissen, dass die Hoffnung trügt.

Daher sollten Autoren sowohl allgemein menschliche als auch persönliche Erfahrungen und Ängste im Leser ansprechen. Dies ermöglicht den Zugang der Leser zum Inneren des Charakters.

Der Kampf im Inneren – den Erwartungen der Leser widersprechen

Im Laufe einer Handlung, eventuell sogar über mehrere Bände einer Serie, haben Leser einen Charakter kennengelernt. Damit sind Erwartungen entstanden, wie dieser Charakter in bestimmten Situationen reagieren wird. Wenn ein Charakter sich anders verhält als erwartet, ist dies für Leser ein Signal. Sie lesen nun aufmerksamer und suchen nach Ursachen und Folgen des unerwarteten Verhaltens.

Autoren können sich diese erhöhte Aufmerksamkeit zunutze machen und den inneren Kampf sowohl durch Gestik und Mimik, als auch durch das generelle Verhalten und die Sprache des Charakters verdeutlichen.

Den Kampf im Inneren andeuten

Jeder Charakter hat eine eigene Vorgeschichte und eigene Merkmale. Autoren, die ihre Charaktere gut kennen, wissen, wie sie sich verhalten. Sie sollten auch die typische Körpersprache in verschiedenen Situationen und inneren Konflikten recherchieren und den Lesern anhand der Körpersprache zeigen, was in den Charakteren vor sich geht.

Dialog sollte sparsam eingesetzt werden, da zu viele gesprochene Worte die Aufmerksamkeit der Leser vom Inneren der Charakter auf Äußerlichkeiten und die Reaktionen anderer Charaktere darauf lenken.

Auch Tränen sollten in Maßen eingesetzt werden. Leser erwarten in emotionalen Situationen Tränen. Ausbleibende Tränen sind daher ein Signal, vielleicht für große Stärke angesichts eines Unglücks, vielleicht für zu tiefe Betroffenheit und Schock. Tränen in den Augen eines ansonsten kontrollierten Charakters können effektiver sein als Tränenfluten. Trockene Augen und eine ansonsten versteinerte Mimik bei einem emotionalen Charakter unterstreichen dessen Leid ebenso. Das sind Situationen, in denen die Leser für die Charaktere weinen, nicht um sie und nicht mit ihnen.

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