By | 30. Juni 2019

Sprachregeln

Sprachen haben Regeln, nach denen sie funktionieren. Muttersprachler kennen diese Regeln und wenden sie ohne nachzudenken an. Autoren schreiben meistens in ihrer Muttersprache, weshalb sie sich sicher in der Anwendung von Sprachregeln fühlen. Wenn sie unsicher sind, ob und wie eine Regel angewandt werden muss, greifen sie zu einer Grammatik. Darin sind Regeln aufgelistet und manchmal auch erklärt. Was viele Benutzer von Grammatiken nicht wissen: Eine Grammatik stellt nur eine Beschreibung dessen dar, was Verwender einer Sprache sagen oder schreiben. Im Laufe der Zeit können sich grammatische Regeln verändern oder wegfallen, weil sich der Sprachgebrauch verändert hat.

Menschen, die eine Sprache lernen, müssen auch die Regeln der Sprache erwerben. Dieser Aspekt des Sprachenlernens wird oft übersehen, wenn man beispielsweise meint, durch eine Sprach-App eine neue Sprache lernen zu können. Die meisten Apps bieten lediglich eine Menge Wörter und Phrasen an. Wie diese Wörter und Phrasen verwendet werden müssen, erfährt man nicht.

Für die deutsche Sprache gibt es zahlreiche Regeln, doch die grundlegendsten Sprachregeln würden viele Muttersprachler nicht einmal als Regeln anerkennen. Zu den wichtigsten Sprachregeln gehören die Stellung des Verbs im Satz und die Verbendungen. Im deutschen Hauptsatz steht das konjugierte Verb, also das Verb mit einer Personalendung an Position zwei im Satz. Das kann tatsächlich das zweite Wort im Satz sein, wie in Er kocht Suppe. Oft enthält die Position eins aber mehr als ein Wort, wie in Mein Vater kocht Suppe oder Mein alter kranker Vater kocht Suppe. Lerner müssen erkennen, dass mein Vater oder mein alter kranker Vater zusammengehören.

Steht das konjugierte Verb in Position eins, haben wir es plötzlich mit einer Frage zu tun: Kocht mein Vater Suppe? Die Antwort darauf kann nur ja oder nein sein, nicht aber eine Information wie in der Küche oder mit Kartoffeln.

Wer solche grundlegenden Sprachregeln nicht kennt oder nicht anwenden kann, ist weder in der Lage zu verstehen noch zu sprechen, ist also weitgehend von der Kommunikation in der deutschen Sprache ausgeschlossen.

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