By | 12. September 2019

Gespräch

Dialoge sind für Leser*innen interessant, für Autor*innen jedoch manchmal eine Herausforderung. Dabei sollten Sie beachten, dass ein Dialog kein Gespräch wie im wirklichen Leben ist. Dialoge in Büchern haben zwar wichtige Gemeinsamkeiten mit realen Gesprächen, tatsächlich sind sie so etwas wie ein hoch konzentriertes Gespräch – also eher Kaffeesahne als Milch.

Dialog ist kein Gespräch – die entscheidenden Unterschiede

Wenn Menschen ein Gespräch führen, kommen verschiedene Aspekte zusammen:

  • die Stimme des/der anderen
  • der Gesichtsausdruck des/der anderen,
  • die Körperhaltung und die Bewegungen des/der anderen (nicht bei Telefonaten),
  • Bewertung (bewusst oder unbewusst) von Stimme, Gesichtsausdruck, Bewegungen,
  • Worte und deren Bedeutung,
  • Reaktionen auf die Äußerungen des/der anderen,
  • Körperliche oder verbale Reaktionen auf Stimme, Gesichtsausdruck/Bewegungen des/der anderen,
  • Äußerungen machen und eine Reaktion darauf erwarten.

Hinzu kommt, dass Menschen oft abgelenkt sind. Aus diesen Gründen kann sich ein reales Gespräch lange hinziehen,  sogar ohne zu einem Ergebnis zu führen. Während so eines Gesprächs fällt den Teilnehmenden selten auf, wie inkonsequent sie sich verhalten. Wenn Sie einmal reales Gespräch transkribiert, also aufgezeichnet und dann aufgeschrieben, haben, wissen Sie, wie schwer erträglich so ein zielloses Gerede sein kann.

Für Leser*innen wäre so ein Dialog Anlass, das Buch nicht weiterzulesen.

Hinzu kommt, dass Leser*innen nur die Worte des Gesprächs lesen. Sie wissen nichts über die Stimmen, die Bewegungen, die Gerüche.

Damit Leser*innen einen unterhaltsamen und sinnvollen Dialog lesen können, müssen wir als Autor*innen überflüssige Anleihen an die Realität streichen und wichtige Aspekte der Realität ergänzen.

Dialog ist kein Gespräch – streichen und ergänzen

Möglicherweise ist es für Sie einfacher, zunächst einen Dialog wie ein Gespräch zu schreiben – wohl wissend, dass Sie bei der Überarbeitung radikal streichen werden.

  • Ziel des Dialogs ist es immer, entweder Leser*innen mehr Informationen über die Charaktere und/oder die Handlung zu geben. Streichen Sie bei der Überarbeitung alle Abschweifungen und Wiederholungen, die für die Leser nicht relevant sind.
  • Geben Sie den Charakteren eine individuelle Stimme. Die Wortwahl eines Charakters kann mehr über die Person aussagen als eine halbseitige Beschreibung.
  • Versuchen Sie, die Gestik und Mimik der Charaktere in den Dialog einzubeziehen. Lassen Sie Kopfschütteln, Nicken, Grunzen, Schnauben als Beitrag zu.
  • Geben Sie Ihren Charakteren etwas in die Hand, das sie nervös zerpflücken, wütend auf den Tisch hämmern oder bekritzeln können. Vergessen Sie nicht, die Füße, die Stimme, den Rücken.

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