Innere Monologe – Was nervt?

innere Monologe

Innere Monologe und der Bewusstseinsstrom führen Leser*innen in den Kopf eines Charakters. Das kann interessant sein – oder eben auch nicht. Manche Autor*innen schätzen den inneren Monolog, andere vermeiden ihn und wieder andere rutschen versehentlich hinein und suchen einen Weg heraus. Was ist ein innerer Monolog oder ein Bewusstseinsstrom und wann nervt er Leser*innen?

Innerer Monolog und Bewusstseinsstrom

Innerer Monolog und Bewusstseinsstrom sind Formen der Rede eines Charakters, die Leser*innen in die Gefühlswelt und Wahrnehmung dieses Charakters mitnehmen. Kennzeichnend für den inneren Monolog ist, dass sich die Rede an den Charakter selbst richtet. Im Unterschied dazu gibt der Bewusstseinsstrom Gefühle, Gedanken und Wahrnehmungen unmittelbar und sehr kurz wieder. Eine schöne Auflistung der verschiedenen Formen der Personenrede (oder Figurenrede) mit Beispielen finden Sie hier.

Die beiden Formen der Personenrede werden oft verwechselt.

Vorteile des inneren Monologs

Innere Monologe erlauben Einblicke in die unmittelbare Gefühlswelt und Wahrnehmung eines Charakters. Da der Charakter in der Ich-Form zu sich selbst spricht, gibt es in solchen Textabschnitten keinen Erzähler und keine Erzählerin. Leser*innen offenbart sich die Gedankenwelt des Charakters ungefiltert. Das hat Vorteile, für Leser*innen wie Autor*innen.

  • Die Gedankenwelt des Charakters wird erkennbar. Man lernt ihn oder sie näher kennen. (Vorteil Leser*in)
  • Leser*innen nehmen Ereignisse durch die Augen des Charakters wahr. Dessen Wahrnehmung beeinflusst die Information. (Vorteil Autor*in)
  • Die Leser*innen erhalten Information, die aber mit Vorsicht (siehe oben) zu genießen sind. (Vorteil Autor*in)
  • Die ungefilterten Eindrücke sind unterhaltsam. (Vorteil Leser*in)

Auch der Bewusstseinsstrom kann so eingesetzt werden.

Nachteile des inneren Monologs

Innere Monologe und der Bewusstseinsstrom können sich aber auch nachteilig auf einen Text auswirken. Dann fühlen sich Leser*innen genervt.

  • Innere Monologe bremsen die Handlung. Daher passen sie nicht in Action-Szenen oder andere schnelle Szenen.
  • Bewusstseinsstrom und innere Monologe eröffnen eine Sicht auf das, was passiert. Sie zeigen nicht, was passiert.
  • Leser*innen sind auf die Wahrnehmung dieses einen Charakters beschränkt. In einem Dialog hingegen kommen zwei Charaktere zu Wort.
  • Die ungefilterten Gedanken und Wahrnehmungen sind zwangsläufig sehr persönlich, vielleicht auch schmerzhaft. Das kann Leser*innen verstören.
  • Besonders die Sprache des Bewusstseinsstroms kann über längere Passagen schwer lesbar und noch schwerer erträglich sein. (Es sei denn, der Text ist auf diese potenziell schwer erträgliche Nähe angelegt.)

Nicht immer kann oder will man innere Monologe oder den Bewusstseinsstrom vermeiden. Die Verwendung sollte aber immer gut überlegt sein. In eine schnelle Handlung passt der innere Monolog nicht, aber für die Länge eines Satzes ist vielleicht der noch direktere Bewusstseinsstrom passend. Bei der Überarbeitung eines ersten Entwurfs lohnt es sich, darauf zu achten, ob Textabschnitte versehentlich als innere Monologe oder Bewusstseinsstrom geschrieben wurden.

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