Üble Nachrede – dem Vorwurf vorbeugen

Üble Nachrede

Gelegentlich lesen wir von Autor*innen, die wegen Rufschädigung vor Gericht stehen. Meist haben sie Biografien, Autobiografien oder Sachbücher geschrieben, und in diesen Büchern erwähnte Personen fühlen sich negativ dargestellt. Wer Romane oder Kurzgeschichten schreibt, wird wesentlich seltener üble Nachrede vorgeworfen. Es kann jedoch vorkommen.

Üble Nachrede – das Privileg der Journalist*innen

Üble Nachrede ist, grob gesagt, eine Behauptung, die eine Person über eine andere Person verbreitet, weil sie entweder glaubt, dass sie richtig ist, ober obwohl sie weiß, dass sie nicht richtig ist. In beiden Fällen wird der gute Ruf des oder der Betroffenen beeinträchtigt. „Es bleibt immer etwas hängen“ ist eine Weisheit, die sich hier bewahrheitet.

Wenn Journalist*innen Missstände aufdecken wollen, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die Namen der, vermutlich und tatsächlich, Verantwortlichen zu benennen. Da es im Interesse der Allgemeinheit ist, dass Missstände aufgedeckt werden, genießen Journalist*innen in Deutschland das Privileg, dass sie nur für unrichtige Behauptungen haften, wenn sie ihre Pflicht zu sorgfältiger Recherche verletzt haben.

Die Situation von Autor*innen

Viele Autor*innen übernehmen in ihre Bücher eine Formulierung, die sie vom Abspann von Filmen kennen: Alle Personen und Ereignisse sind fiktional, Ähnlichkeiten zu lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig. Darin spiegelt sich eine nagende Angst, zu Unrecht der üblen Nachrede bezichtigt zu werden. Doch oft genug haben auch fiktive Personen ein oder gar mehrere reale Vorformen, wenn nicht Vorbilder. Das ist insbesondere in Texten mit autobiografischem Hintergrund der Fall, aber auch in Romanen oder Kurzgeschichten.

Wenn diese reale Person bewusst als Vorbild gewählt wurde, sollte viel Sorgfalt darauf verwandt werden, den Charakter, seine Umgebung und seine Familie, bzw. Freunde so stark wie möglich zu verändern. Es schadet nicht zu überlegen, warum gerade diese reale Person zum Vorbild genommen wurde. Ein Roman sollte nicht zum verdeckten privaten Feldzug werden. So etwas fällt auf und endet im schlimmsten Fall vor Gericht.

 

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