Plagiatsvorwürfe

Plagiatsvorwürfe

Plagiatsvorwürfe haben eine gewisse Popularität bekommen, seit sich herausgestellt hat, wie viele Prominente (und mit Sicherheit auch nicht-Prominente) in ihrer Doktorarbeit Textpassagen von anderen Autor*innen übernommen haben. Plagiate kommen jedoch auch in der Literatur vor.

Plagiat und Urheberrechtsverletzung

Plagiatsvorwürfe und mutmaßliche Verstöße gegen das Urheberrecht werden immer wieder in den Medien thematisiert. Dabei handelt es sich um verschiedene Tatbestände. Bei einem Verstoß gegen das Urheberrecht wird ein fremdes Werk, dessen Autor*in noch keine siebzig Jahre tot ist, unter dem eigenen Namen herausgegeben. Plagiate sind hingegen Texte oder Textteile, die ohne Nennung des Urhebers in das eigene Werk übernommen werden. Auch Ideen können plagiiert werden. Dabei kann es auch zu einer Urheberrechtsverletzung kommen.

Plagiatsvorwürfe als Kainsmal?

Vielen, aber längst nicht allen, Autor*innen hängen Plagiatsvorwürfe ein Leben lang nach. Plagiarism Today thematisiert diesen Umstand am Beispiel der koreanischen Autorin Shin Kyung-sook, die in den 1990er Jahren Passagen einer ins Koreanische übersetzten japanischen Kurzgeschichte aus dem Jahr 1961 in einer ihrer Kurzgeschichten verwendete. Als dies 2015 an die Öffentlichkeit kam, erklärte sie, sie könne sich nicht erinnern, die Übersetzung der japanischen Kurzgeschichte gelesen zu haben. Sie entschuldigte sich. Dennoch erhielt der Vorfall mit jeder neuen Veröffentlichung von Shin neue Aufmerksamkeit.

In der Antike und im Mittelalter war dies anders. Beispielsweise beklagte sich der römische Dichter Martial, dass ein Dichterkollege seine Gedichte unter eigenem Namen veröffentlichte. Er verglich seine Gedichte mit freigelassenen Sklaven, die wieder verkauft wurden, und bezeichnete folglich den bezichtigten Kollegen als Plagiarius, als Menschenhändler. Im Mittelalter verwendeten Autor*innen bedenkenlos Ideen ihrer Kolleg*innen und ergänzten diese mit eigenen Ideen, die wiederum mitsamt der ursprünglichen Geschichte von anderen erneut erzählt wurden. Das Publikum störte sich daran nicht, es liebte den Vergleich zwischen verschiedenen Versionen einer Geschichte.

Da Plagiate und Urheberrechtsverstöße heute problematisch oder sogar strafbar sind, sollten Autor*innen sich die Quellen ihrer Inspiration bewusst machen. I Love Writing gibt am Ende eines langen Posts zum Thema Plagiate Tipps, wie Autor*innen sich gegen Vorwürfe wappnen können.

 

Kommentar verfassen

Related Post

Ausbildung zum Autor: Deutsches Literaturinstitut LeipzigAusbildung zum Autor: Deutsches Literaturinstitut Leipzig

Anders als im angelsächsischen Sprachraum existieren in den deutschsprachigen Ländern nur sehr wenige Möglichkeiten, literarisches Schreiben auf Universitätsniveau zu lernen. Neben Studiengängen an der Universität Hildesheim und dem zweisprachigen Schweizerischen Literaturinstitut gibt es nur noch das Literaturinstitut Leipzig. Geschichte des Deutschen Literaturinstituts Leipzig Die Ursprünge des Literaturinstituts lagen in der

Das Gift der einfachen Geschichten – Autoren müssen zu aktuellen Fragen Stellung nehmenDas Gift der einfachen Geschichten – Autoren müssen zu aktuellen Fragen Stellung nehmen

Die Welt ist komplex. Es gibt einfache Antworten auf diese Komplexität, und differenzierte. Und es gibt Geschichten, die die Welt erklären. Wem überlassen wir diese Geschichten? Die Nationalsozialisten haben viele eingängige Geschichten erzählt. Es gab die Bösen (Juden, Kommunisten und alle, die „anders“ waren) und die Guten (blonde vermehrungsfreudige und systemgläubige Deutsche).

%d Bloggern gefällt das: