Kapitelüberschriften – Von Erich Kästner lernen

Kapitelüberschriften

Kapitelüberschriften kannte ich von den meisten Schneider-Büchern, die ich als Kind verschlungen habe. Später las ich zum ersten Mal Das fliegende Klassenzimmer von Erich Kästner und wunderte mich, dass zu Beginn eines jeden Kapitels eine knappe Inhaltsangabe stand. Sogar im Inhaltsverzeichnis. In den RoRoRo-Übersetzungen der Lord Peter Whimsey-Krimis von Dorothy L. Sayers begann jedes Kapitel mit einem Satz aus einem Theaterstück, einem Roman oder einem Gedicht. Erst seit ich selbst Bücher herausbringe, verstehe ich, dass dies drei Beispiele für Buchmarketing sind.

Kapitelüberschriften — ein Beispiel für Buchmarketing?

Bücher für Erwachsene haben selten eine Überschrift. Über einem Kapitel steht eine Zahl, manchmal hübsch dekoriert, darunter beginnt der Text. Wer wissen will, was in dem Buch passiert, kann den Klappentext lesen. Das funktioniert ganz gut, wenn ich in einer Buchhandlung stehe, das Buch tatsächlich in der Hand halte, um darin zu blättern und es anzulesen. (Wenn das Buch noch eingeschweißt ist, bleibt mir auch in der Buchhandlung nur der Klappentext als Informationsquelle.)

Wenn ich ein Buch oder E-Book online kaufen möchte, steht mir der Klappentext zur Verfügung. Ich kann aber auch in den meisten Online-Shops das Buch anlesen. Eine mehr oder weniger große Anzahl Seiten steht mir zur Verfügung. Diese „Blick ins Buch“-Funktion zeigt mir das Cover, die Titelseite, das Impressum, das Inhaltsverzeichnis, die ersten Textseiten. Wenn das Buch lang ist, sehe ich möglicherweise mehrere Seiten mit dem spannenden Text: Kapitel 1, Kapitel 2, Kapitel 3 … Oder vielleicht auch nur: 1, 2, 3 … Das Inhaltsverzeichnis muss zumindest bei E-Books vorne eingefügt werden. Daher bin ich als Leserin gezwungen, online am Inhaltsverzeichnis vorbei zu scrollen, bis ich zum Text vordringe.

Was spricht dagegen, bereits im Inhaltsverzeichnis Hinweise auf die Handlung zu liefern? Das Inhaltsverzeichnis zu Beginn des E-Books gibt mir dann eine Übersicht über die Ereignisse, die ich im Text erwarten kann. Vielleicht erfahre ich bereits einige Namen, lese einige Orte, stoße auf Stichworte, die meine Neugier wecken und mich vielleicht schon auf diesen ersten Seiten verleiten, das E-Book zu kaufen.

 Inhaltsangaben, Zitate und andere Tricks

Nicht nur Kapitelüberschriften können neugierig auf den Text machen. Im Inhaltsverzeichnis und über dem Kapitel können kleine Inhaltsangaben stehen.

Unsere Heldin sucht im Keller der Ruine nach dem Schatz, findet aber etwas viel Wertvolleres.

Sofie entdeckt die wahre Identität des Schattens und findet drei falsche Fährten.

Solche Inhaltsangaben verraten keine Details, geben aber Hinweise auf den Verlauf der Handlung.

Auch Zitate aus bekannten Texten oder Gedichten, ein Motto oder einfach ein kleines Bild können Neugier wecken.

 

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