Wie Lazarus: Tote Manuskripte aufwecken

tote Manuskripte

Wir alle haben Leichen im Keller. Die meisten, die das lesen und jetzt laut protestieren, haben natürlich keine toten Menschen unter Beton liegen. Aber auf Festplatten, zerkratzten Disketten, fettigen USB-Sticks und vergilbtem Papier ruhen tote Manuskripte. Und oft genug ruhen sie nicht, sondern stören alle paar Monate unseren Halbschlaf. Aber können wir diese Manuskripte wieder erwecken?

Tote Manuskripte — Warum sind sie gestorben?

Tote Manuskripte sind aus den verschiedensten Gründen in Vergessenheit geraten. Fehlende Zeit ist ein wichtiger Grund. Vielleicht hatten wir nicht genug Zeit zu schreiben, nicht genug Zeit zu recherchieren, nicht genug Zeit, die nächste notwendige Überarbeitungsphase zu beginnen.

Oft gab es Probleme mit dem Manuskript, aber wir hatten nicht die Lust, das Wissen oder den Mut, die Probleme zu analysieren, Lösungen zu finden und dann die Lösungen zu schreiben. (Vielleicht kam dabei wieder die Zeit ins Spiel.)

Ein aufgegebenes Manuskript zeigt uns auch, wie weit unsere Fähigkeiten zum Zeitpunkt des Schreibens und des Aufgebens entwickelt waren. Wenn wir Monate, manchmal Jahre später in dem Manuskript lesen, sehen wir neben guten Ideen und Lösungen vor allem diese Schwächen und fühlen uns nicht ermutigt, einen Versuch zu unternehmen, das Manuskript zu retten.

Wann lohnt sich eine Überarbeitung?

In den meisten Fällen sind wir als Menschen und Autor*innen so sehr gereift, dass das Manuskript nicht mehr unserem heutigen Ich entspricht. Ein altes Manuskript kann dann noch als Ideensteinbruch genutzt werden, aber es lohnt sich selten, es systematisch nach Ideen und Anregungen zu durchsuchen. Entweder springt uns eine Idee an oder wir sehen nur Nebel.

Tote Manuskripte können jedoch ähnlich wie Ruinen Fragen aufwerfen, die es sich heute lohnt, zu beantworten. Vielleicht erscheint jetzt ein anderer Charakter interessant, vielleicht ist ein im Original kaum angerissenes Thema heute aktuell. In diesen Fällen kann es sich lohnen, das alte Manuskript wie ein altes Haus auszukernen und wieder daran zu arbeiten. Es wird auf jeden Fall ein vollkommen anderer Text entstehen.

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